Lkw-Fahrer war bei Breitenbach gegen anderes Fahrzeug geprallt

Tödliches Augenblicksversagen: Prozess um Unfall auf der Autobahn

Symbolbild Gericht HNA
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Justitia

Vor der Bad Hersfelder Strafrichterin Silvia Reidt musste sich jetzt ein 63-jähriger Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Bad Hersfeld – Im deutschen Rechtssystem wird von der Seite der Anklage erwartet, sowohl die be- als auch die entlastenden Punkte auszuarbeiten und gegeneinander abzuwägen. Diesem Anspruch wurde Staatsanwalt Andreas Hellmich jetzt im Prozess um eine fahrlässige Tötung vor der Bad Hersfelder Strafrichterin Silvia Reidt vollauf gerecht.

In seinem Plädoyer sprach Hellmich von einem „Augenblicksversagen“ des angeklagten Kraftfahrers und machte deutlich, dass außer der Verwirklichung des Tatbestandes nichts gegen den 63-jährigen Rumänen aus Karlsruhe spreche. Am Ende stand einen Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 45 Euro, also insgesamt 3150 Euro.

Was war passiert? Der Karlsruher war am Abend des 6. September 2018 mit seinem 40-Tonner auf Autobahn bei Breitenbach/H. unterwegs, als er gegen einen auf der Kriechspur liegen gebliebenen Pkw prallte. Dessen im Auto sitzender Fahrer wurde dadurch so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb.

Er sei sowohl vom plötzlichen Bremsen und Ausweichen des vor ihm fahrenden Lasters überrascht gewesen als auch von dem Hindernis auf seiner Fahrbahn, sagte der bislang unbescholtene Rumäne, der die Hilfe einer Dolmetscherin benötigte.

Als er sein voll beladenes Gefährt dann selbst auf die linke Spur zog, war es spät. Er erwischte den BMW mit einer Aufprallgeschwindigkeit von etwa 60 km/h links hinten, sodass dieser gegen die Leitplanke schleuderte, sich drehte und entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen kam. Der 38 Jahre alte Fahrer aus Erlabrunn hatte keine Chance.

Zum Unfallzeitpunkt war es zwar dunkel, doch war die Fahrbahn trocken, die Sicht gut. Der Karlsruher saß erst seit gut drei Stunden am Steuer, getrunken hatte er nichts.

Nur seine Erinnerung, die ganze Zeit auf der Kriechspur gefahren zu sein, stimmte mit den Fakten nicht so ganz überein: Die von einem Sachverständigen dokumentierte Bremsspur sagte, dass er zunächst nach links, dann aber wieder nach rechts gesteuert hatte. Bei einer Geradeausfahrt hätte auch der Notbremsassistent seines Fahrzeugs angeschlagen.

Bei den vom Gutachter angenommenen Geschwindigkeiten und Abständen wäre der Zusammenstoß dann noch vermeidbar gewesen. Das hätte auch gegolten, wenn der Rumäne die Gefahrensituation früher erkannt und entsprechend gehandelt hätte.

So war er der fahrlässigen Tötung schuldig zu sprechen, doch konnte seine Strafe relativ milde ausfallen. Auch seinen Führerschein durfte der Rumäne behalten. (ks)

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