Zum Jahresbeginn haben viele Menschen besondere Ziele

Therapeutin Sabine Ludwig zu guten Vorsätzen: „Ziele müssen sexy sein“

Hersfeld-Rotenburg. Sabine Ludwig, Psychotherapeutin und Coach aus Bad Hersfeld, erklärt, welche Ziele zum Jahresbeginn wirklich sinnvoll sind und wie man sie erreicht.

Mehr Sport, nicht mehr rauchen, abnehmen – der Jahresbeginn ist für viele Menschen traditionell die Zeit der guten Vorsätze. Doch was ist sinnvoll und verspricht wirklich Erfolg, wie sollten Vorsätze formuliert sein? Wir haben mit Sabine Ludwig, Psychotherapeutin und Coach aus Bad Hersfeld, gesprochen.

Frau Ludwig, haben Sie auch gute Vorsätze für dieses Jahr gefasst?

Selbstverständlich, ich hinterfrage mich etwa alle sechs Monate und setze mir Ziele. Mal ein größeres, mal mehrere kleinere. Dinge, die ich verändern möchte, um mich permanent weiterzuentwickeln.

Nennen Sie mal ein Beispiel.

Vergangenes Jahr habe ich mir vorgenommen, endlich im Zehnfingersystem schreiben zu lernen. Ich hatte das früher nie geschafft. Dann gab es da einen Volkshochschulkurs – nach zwei Monaten konnte ich es. Das war wie ein Befreiungsschlag.

Sabine Ludwig, Psychotherapeutin und Coach, aus Bad Hersfeld.

Wie sinnvoll ist es denn, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt – also Neujahr – ein Ziel zu setzen?

Der Jahreswechsel ist für alle ein wichtiger Zeitpunkt für den Wunsch nach Veränderung. Manche Menschen brauchen diesen Zeitpunkt. Andere sagen eher: „Ab jetzt mache ich das.“ Mir als Coach erscheint das sinnvoller.

Gibt es eigentlich unterschiedliche „Vorsatz-Typen“? Solche, die es schaffen, und solche, die eher scheitern?

Da muss ich etwas weiter ausholen. Viele Menschen sehen den Vorsatz als ein Vorhaben, also abzunehmen oder mehr Sport zu treiben. Und scheitern dann, weil zweimal in der Woche laufen zu gehen oder zehn Kilo in sechs Monaten abzunehmen kein tolles Ziel sind. Das macht keinen Spaß, da verpufft meine Energie. Das funktioniert nicht. Ich muss stattdessen meinen Vorsatz vom Ziel her denken, und dieses Ziel muss klar formuliert, messbar und realistisch sein.   Statt „nicht mehr rauchen“ oder „weniger wiegen“ formuliere ich positiv: Wie toll werde ich mich fühlen, wenn ich weniger wiege, fitter bin, beim Treppensteigen nicht mehr puste? Stattdessen vielleicht am Lollslauf teilnehmen kann? 

Emotionen und Erfahrungen bestimmen unser Gehirn nämlich vor dem Verstand. Es kommt darauf an, dass ich selbst wirklich begeistert bin und ein gutes Bauchgefühl habe, mein innerer Schweinehund sozusagen mit im Boot sitzt. Meine Ziele müssen sexy sein. Alles andere können Sie tatsächlich knicken.

Was macht es denn mit mir, wenn mir mein Vorsatz gelingt? Und was, wenn nicht?

Wenn ich etwas schaffe, stärkt das mein Selbstbewusstsein, ich steigere meine Lebensqualität. Wenn nicht, dann drückt das natürlich auf mein Selbstwertgefühl. Dann ist es wichtig, nicht zu sagen „Was bin ich für ein Loser“, sondern: „Was wollte ich eigentlich erreichen, war mein Ziel angemessen?“ Ich sollte dann in Ruhe überlegen, was anders werden soll. Und nicht erst bis zum nächsten Silvester warten. (rai)

Zur Person: Sabine Ludwig

Sabine Ludwig (58) stammt aus Düsseldorf, wo sie auch Geografie und Biologie studierte. Ludwig arbeitete zunächst als Vertriebsleiterin in einem Softwareunternehmen. Eine Ausbildung als Systemischer Coach sowie eine staatliche Prüfung zur Heilpraktikerin schlossen sich an. Seit 2003 hat sie gemeinsam mit Karen Gerlach, die ebenfalls Heilpraktikerin ist, eine Praxis für Psychotherapie in Bad Hersfeld.

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