Aufführung der Konrad-Duden-Schule

Theaterstück "Vitalisnacht": Der Überfall des Abtes

In der Vitalisnacht von 1378 verbündete sich der Abt des Stiftes Hersfeld mit den Sternerrittern gegen die Bürger, um die Herrschaft über die Stadt zu erobern. Der überdimensionale Helm symbolisiert den Helm Eberhard von Engerns.

Bad Hersfeld – Stadtgeschichte lebendig werden lassen: Das war das erklärte Ziel der Aufführung des Theaterstücks „Die Vitalisnacht“ in der Sporthalle der Konrad-Duden-Schule.

Und wenn dabei 85 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und 18 Jahren nach monatelanger Entwicklungs- und Probenarbeit hoch konzentriert und mit sichtlicher Freude Theater spielen, tanzen und singen, dann wurde dieses hochgesteckte Ziel offensichtlich mit Bravour erreicht.

In der Vitalisnacht von 1378 verbündete sich der Abt des Stiftes Hersfeld mit den Sternerrittern gegen die Bürger, um die Herrschaft über die Stadt zu erobern. Der überdimensionale Helm symbolisiert den Helm Eberhard von Engerns.

Die Vitalisnacht, in der sich der Abt des Stiftes Hersfeld mithilfe der Ritter des Sternerbundes vom 28. auf den 29. April 1378 die Macht über die zunehmend selbstbewusster auftretenden Bürger sichern wollte, gehört zu den wesentlichen Ereignissen der reichen geschichtlichen Überlieferung der Stadt. An sie erinnert bis heute das Vitaliskreuz in den Anlagen an der Stadtmauer und der durchlöcherte Helm des Ritters Eberhard von Engern, dessen Nachbildung am Rathaus zu sehen ist.

Die Geschichte der Vitalisnacht wurde nach einer alten Sage bereits 1928 durch Pfarrer Rudolf Clermont zu einer Bühnenfassung verarbeitet. Unter den Zuschauern in der voll besetzten Sporthalle der Konrad-Duden-Schule befand sich auch Walfried Schmidt, der 1940 als achtjähriger Schüler der Nordschule an einer Aufführung des Stückes beteiligt war.

Aus Clermonts Vorlage, die von Stefan Engel neu erzählt worden war, hatten Andrea Exner, Leiterin der Theater-AG der Konrad-Duden-Schule und der Tänzer Jurriaan Bles, der mehrfach dem Ensemble der Bad Hersfelder Festspiele angehörte, eine neue Bühnenfassung entwickelt, zu der Sebastian Bethge passende Musik geschrieben hatte. An der Aufführung, die unter anderem durch das Projekt „Künste öffnen Welten“, die Hoehlsche Buchhandlung und den Verein „Schule machen ohne Gewalt“ (SMOG) ermöglicht wurde, waren nicht nur Schülerinnen und Schüler der Konrad-Duden-Schule und der Singschule der Stadtkirche beteiligt, sondern auch von anderen Schulen.

In sorgfältig choreographierten, tänzerisch angelegten Szenen, die Kampf, Politik, Verrat, Zunfttraditionen und eine zart angedeutete Liebesgeschichte zwischen zwei Nachkommen verfeindeter Tuchmacherfamilien (ein winziger Anklang an Romeo und Julia, allerdings mit glücklichem Ausgang) thematisierten, brachten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren bunten Kostümen ihre Sicht auf das historische Geschehen auf die Bühne. Dabei ging es nicht immer bierernst zu: Schlafende Bäcker in der Backstube, krugschwingende Bierbrauer und musikalische Lautmalerei, die Sebastian Bethge vom Klavier aus an passender Stelle einwarf, gaben der Geschichte die nötige Leichtigkeit. Eingängige Lieder, die vom Chor mit großem Engagement gesungen wurden (unter anderem ein musikalisches Bekenntnis zur Lullusstadt, das durchaus Hymnenpotenzial haben könnte), taten ihr Übriges.

Besonders beeindruckend war die Disziplin und die Ernsthaftigkeit, mit der die Akteure auf und sicher auch hinter der Bühne agierten, und wie sicher sie auch mit Mikrophonen und Text umgingen. Dass es nicht nur „gut“ und „böse“, nicht nur schwarz oder weiß gibt, zeigte sich in der Schlussszene, als klar wurde, dass es am Ende keinen echten Sieger gab. Zwar triumphierten die Bürger über die angreifenden Ritter, diese hielten sich jedoch an den Bauern außerhalb der Stadtmauern schadlos.

Anhaltender Applaus belohnte die Darsteller auf der Bühne und die Helferinnen und Helfer im Hintergrund für die viele Arbeit, die vor und während der Aufführung geleistet worden war. Über weitere Aufführungen würden sich sicher nicht nur diejenigen freuen, die keinen Platz mehr in der Halle gefunden hatten.

Von Ute Janssen

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