Probleme auf dem Land

Testpflicht fordert Friseure: Ansturm auf Schnelltests erwartet

Ab einer Inzidenz von 100 ist beim Friseurbesuch ein negativer Corona-Test nötig.
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Seit Samstag sind Friseurtermine und medizinische Fußpflege nur noch mit negativem und höchstens 24 Stunden altem Coronatest möglich. 

Seit Samstag sind Friseurtermine und Fußpflege nur noch mit negativem und höchstens 24 Stunden altem Coronatest möglich.

Hersfeld-Rotenburg – In den heimischen Salons sorgt das für gemischte Gefühle, in den Testcentern im Kreis rechnet man derweil mit noch mehr Terminanfragen.

Bei den „Weißen Elfen“ in der Kreisstadt Bad Hersfeld stehen die Telefone seit Samstag nicht still, berichtet Geschäftsführerin Angelika Stolle. Der Pflegedienst bietet nicht nur selbst Schnelltests an, sondern auch in Kooperation mit gleich mehreren Kommunen im Kreis. In Hauneck zum Beispiel seien gleich am Montag knapp 170 Testwillige ins Bürgerhaus gekommen, in der Woche davor waren es noch rund 60 weniger gewesen. Auf dem Formular mit dem Testergebnis habe man nun auch extra eine neue Spalte für die zusätzlich benötigte Uhrzeit eingefügt, bisher war lediglich der Testtag vermerkt.

Ein ähnlicher Ansturm wird im Drive-In-Zentrum von Klinikum und DRK in Bad Hersfeld erwartet. Für konkrete Zahlen war es laut Werner Hampe zwar gestern noch zu früh, eine erhöhte Nachfrage sei seit Samstag aber bereits spürbar.

Mit Absagen haben indes die Friseure wie Innungsobermeister Peter Fiebig zu kämpfen. „Die Regel ist nicht unbedingt zu unserem Vorteil und kaum praktikabel“, sagt der Schenklengsfelder mit Blick auf den ländlichen Raum und vor allem ältere Kunden, zumal zunächst noch Unsicherheit darüber herrschte, ob die Testpflicht auch für bereits Geimpfte gilt.

Seit Dienstagnachmittag sind in Hessen vollständig Geimpfte 14 Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis nun mit negativ Getesteten gleichgestellt. Grundsätzlich diene die neue Regel aber natürlich auch der Arbeitssicherheit, so Fiebig.

Noch kein Testcenter, aber einen Friseursalon gibt es beispielsweise in Cornberg. „Betroffene müssen nach Bebra oder Sontra fahren“, weiß Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras, die die missliche Lage für nicht mobile Bürger nachvollziehen kann. Man sei aber in Gesprächen und bemüht, ein barrierefreies Angebot vor Ort zu schaffen.

Friseur und Fußpflege nur mit negativem Test

Seit 24. April gilt mit dem geänderten Infektionsschutzgesetz die „Bundesnotbremse“, die bei der Eindämmung der Corona-Pandemie helfen soll. Sie greift ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, also auch im Landkreis. Die körpernahen Dienstleistungen bei Friseuren und Fußpflegern dürfen damit nur noch mit negativem Corona-Test in Anspruch genommen werden, der nicht älter als 24 Stunden ist (außer Doppelt-Geimpfte). So kommuniziert es auch das Land Hessen. Die medizinische Behandlung/Therapie der Füße beim Podologen ist indes auch weiterhin ohne Test möglich. Darauf weist Andreas Flinner aus Bad Hersfeld als 1. Bundesvorsitzender des Verbands selbstständiger Podologen hin.

Friseure und Fußpfleger betrachten Testpflicht mit gemischten Gefühlen

Dass Schnelltests mehr Sicherheit versprechen als die bereits geltende FFP2-Masken-Pflicht, das glaubt Friseurmeisterin Janina Pfeiffer, Inhaberin des gleichnamigen Salons in Bad Hersfeld, nicht. Sie spricht mit Blick auf die erneute Regeländerung gar von einem „Desaster“ und rechnet wegen Terminabsagen erneut mit Kurzarbeit. Sie bekommt zudem den Unmut mancher Kunden zu spüren, betont aber auch: „Viele organisieren sich und halten sich auch an die Vorgabe.“ Das sei schon in den ersten Tagen nach Inkrafttreten der neuen Regel gut gelaufen.

Glücklich ist sie damit aber eben nicht. Sie hält die Tests für nicht aussagekräftig genug, zumal man mit der FFP2-Masken-Pflicht und den bestehenden Hygieneregeln bisher gut gefahren sei. „Wir hatten noch nicht eine Infektion im Salon“, so Pfeiffer. Auch die Ausnahme für Geimpfte sieht sie kritisch, da nicht sicher sei, ob diese das Virus auch nicht mehr übertragen. Ohnehin sei sie inzwischen mehr mit Organisation als mit Haareschneiden beschäftigt. „Aber wir richten uns natürlich danach und bleiben optimistisch.“

Mit Absagen und verunsicherten Geimpften hat auch Bärbel Purkl zu tun, die in Bebra den Salon Haareslust betreibt. „Wir hätten auch gern ohne die Tests weiter gearbeitet“, sagt sie ganz klar. Gleichwohl fühlten sich die meisten so sicher wohler, auch wenn die Schnelltests keine hundertprozentige Sicherheit bieten, vermutet sie. Die neue Regel müsse sich nun erst mal einspielen. Was Purkl indes nicht versteht, ist, dass nicht bei allen körpernahen Dienstleistungen die Testpflicht gilt, und dass Friseure trotz ihrer Arbeit am Menschen bisher noch zu keiner priorisierten Impfgruppe gehören. Auch sie fürchtet einen erneuten Einbruch des Geschäfts, „aber wir versuchen, die gute Laune aufrecht zu erhalten“.

Ebenso von der Testpflicht betroffen ist die Fußpflege-Branche. „Ich habe alle Kunden persönlich informiert“, berichtet Sabine Schlüter, die in Lispenhausen noch erlaubte medizinische Fußpflege anbietet, und ebenfalls schon Absagen von Kunden erhalten hat, die kein Testcenter in der Nähe hätten oder sich überfordert fühlten. Grundsätzlich findet sie die neue Regel aber nicht verkehrt. Was die Fußpflegerin vermisst, sind aber detaillierte Informationen etwa zur Dokumentationspflicht und zum Datenschutz. Wenn sie sich die negativen Testergebnisse nur zeigen lasse, diese aber nicht dokumentiere, was passiere dann im Falle einer Kontrolle, fragt sie. (Nadine Maaz)

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