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Temporeiches Verwirrspiel in der Bad Hersfelder Stadthalle

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Selfie, als die Welt noch in Ordnung war: Paul (Jens Wawrczeck), Romy (Katja Weitzenböck), Victor (Kai Mertens) und Lara (Antje Schmidt) auf der Bühne der Bad Hersfelder Stadthalle. © Landsiedel

Bad Hersfeld. Eines der vielen während einer feuchtfröhlichen Urlaubsnacht konsumierten Piccolöchen war zwar nicht schlecht, aber Auslöser für ein temporeiches Verwirrspiel, bei dem sich letztlich alles um die Frage „Was wäre wenn“ drehte.

Das eine Gläschen Sekt zu viel bringt Romy – glänzend gespielt von Katja Weitzenböck – dazu, ihrem Ehemann Victor und dem mit den beiden befreundeten Ehepaar Lara und Paul ein bis dahin streng gehütetes Geheimnis zu offenbaren.

Mit einer kleinen Intrige hatte sie vor 25 Jahren dafür gesorgt, dass aus Laura und Paul ein Paar wurde und sie dafür mit Victor anbandeln konnte. Alkohol löst bekanntermaßen die Zunge und während ein wutentbrannter Victor Romy vorwirft, ihn sein Leben lang manipuliert zu haben, gesteht Paul, dass er mit Lara schon mal einen Swinger-Club besucht hat und schlägt vor, dass man doch für den Rest des Urlaubs so tun könne, als ob er mit Romy und Victor mit Laura verheiratet wäre.

Verkatert aufgewacht

Am nächsten Morgen erwacht eine ziemlich verkaterte Romy in einem Paralleluniversum, in dem nichts mehr so ist, wie es eigentlich sein sollte. Plötzlich ist sie mit Paul, der splitternackt vor ihr steht und seine Badehose sucht, verheiratet und Victor und Laura sind ein Paar. Romy, die den Rollentausch zunächst für einen perfekt inszenierten Denkzettel hält, muss nach und nach realisieren, dass es kein Spuk ist, der wieder vorüber geht und beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln. Am Ende fragt sie sich, wie sie seinerzeit mit dem Wissen von heute entschieden hätte, worauf Paul ihr rät: „Lass deine Fantasie walten, und morgen wachst du neben dem Mann auf, den du wirklich willst“. In der Inszenierung von Folke Braband spielten neben Katja Weitzenböck Antje Schmidt als Laura, Kai Mertens als Victor und Hersfeldpreisträger Jens Wawrczeck als Paul.

Insgesamt ein tolles Ensemble, das die absurd irre Geschichte mal mit derbem Witz, mal mit feinen Pointen unterhaltsam, wenn auch mit einigen Längen auf die Bühne brachte. Passend dazu das aus transparenten, farbig angestrahlten Tüchern bestehende Bühnenbild, das den Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit symbolisierte. Das offene Ende ließ nach dem überaus freundlichen Schlussapplaus den einen oder anderen Zuschauer den Heimweg mit Blick auf den Menschen an seiner Seite durchaus nachdenklich antreten. (tl)

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