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Platzwunde und Gehirnerschütterung nach Streit unter Frauen: Tassenwurf kostet 900 Euro

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Von: Mario Reymond

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Für den Wurf eines Kaffeebechers an den Kopf einer 44-jährigen Mitbewohnerin musste sich eine 68-Jährige vor dem Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten.

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Für den Wurf eines Kaffeebechers an den Kopf einer 44-jährigen Mitbewohnerin musste sich eine 68-Jährige vor dem Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten.  © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Bad Hersfeld – Zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro (90 Tagessätze á 10 Euro) wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall ist jetzt eine in Bad Hersfeld lebende 68 Jahre alte bulgarische Staatsbürgerin von Strafrichter Michael Krusche am Amtsgericht in der Kreisstadt verurteilt worden. Er folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Diese hatte der Frau vorgeworfen, am 3. November 2022 einer 44 Jahre alten Mitbewohnerin einen Kaffeebecher an den Kopf geworfen zu haben. Das Opfer hatte eine drei Zentimeter lange Platzwunde und eine Gehirnerschütterung erlitten.

Die Angeklagte lebt seit August vergangenen Jahres in der Gemeinschaftsunterkunft. Dort gibt es drei Zimmer für drei Bewohnerinnen. Bad und Küche müssen sich die Frauen teilen. Und die geteilten Räume sind der Anlass für die Konflikte. So bezeichnete die Angeklagte die 44-Jährige als die dreckigste Frau, die es gebe: „Sie putzt einfach nie.“

Einen Tag vor dem Tassenwurf habe die Angeklagte ihren Schlüssel vergessen. Zwei Stunden habe sie auf der Straße in der Kälte gestanden. Die 44-Jährige habe sie gesehen, aber nicht aufgemacht. „Als ich an ihr Fenster geklopft habe, machte sie einfach das Rollo runter. Erst der Hausmeister hat mich reingelassen“, so die 68-Jährige. Tags darauf flog dann bei einer Auseinandersetzung die Tasse. Zuvor will die Angeklagte mit Wasser aus einem Wasserkocher übergossen worden sein. „Ich habe gerade Wasser gezapft, als ich geschubst worden bin. Ich wollte dann nur in mein Zimmer und abschließen. Vielleicht ist da was übergeschwappt“, sagte die 44-Jährige.

Erst vor ein paar Wochen sei sie von der Seniorin, vor der sie sich fürchte, im Bad eingeschlossen worden. Nachbarn hätten sie durch das Fenster befreien müssen. Überhaupt verlasse sie kaum noch ihr Zimmer. Das bestätigte auch die 68-Jährige: „Ich frage mich, wo sie ihre Geschäfte verrichtet.“

Rechtsanwältin Lisa Vogeler als Vertreterin der Nebenklage hatte aufgrund der Tatbegehung keinen minderschweren Fall gesehen und eine sechsmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung für die 68-Jährige gefordert. Sie habe sich völlig uneinsichtig gezeigt und lediglich dafür entschuldigt, dass sie so gut zielen könne, begründete Vogler ihren Antrag.

Die Angeklagte erklärte zum Urteil, dass sie keinen Cent bezahlen werde. „Wenn es sein muss, gehe ich mit 68 Jahren ins Gefängnis.“

Ein minderschwerer Fall

Das Strafgesetzbuch sieht für eine gefährliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten vor. Diese Strafzumessung hatte im aktuellen Fall die Nebenklage gefordert. Die Staatsanwaltschaft und später auch der Richter bei seinem Urteil waren von gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall ausgegangen. Die Mindeststrafe beginnt da bei drei Monaten. Auch eine Geldstrafe wie im aktuellen Fall ist möglich. (Mario Reymond)

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