Umsatz bricht um Hälfte ein

Tankstellen verkaufen trotz Niedrigpreisen wenig Sprit

Sprit-Preise, Corona, Norbert Rickert, Aral-Tankstelle in Asbach
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In Zeiten von Corona fallen an den Tankstellen die Spritpreise. So auch bei Norbert Rickert an Aral-Tankstelle in Asbach.

Der Blick auf die Preistafeln der Tankstellen ließ staunen in den vergangenen Tagen – und zuschlagen. So günstig war Sprit lange nicht gewesen.

Das allerdings war in den Zeiten des Lockdowns nun wirklich nicht das Hauptproblem der Tankstellenbesitzer und -pächter. Wir haben uns im Kreis umgehört.

„Die Preise waren schon seit zwei Monaten rückläufig“, erinnert sich Norbert Rickert, Pächter der Aral-Tankstelle in Asbach. Etwas Vergleichbares habe er noch nie erlebt. Bis auf 1,02 Euro pro Liter Diesel und 1,17 Euro pro Liter Super E 5 seien die Preise gesunken. Daran ändern kann Rickert nichts, denn die Preise werden von den Mineralölkonzernen gesteuert. Ohnehin macht den Pächtern eher der Lockdown durch die Coronakrise zu schaffen in diesen Tagen. „Das sind Umsatzeinbrüche von 30 bis 50 Prozent, das ist schon heftig“, sagt Rickert. Und hofft, dass die Corona-Beschränkungen bald gelockert werden.

Das sieht auch Otto Gundlach, Pächter der Q 1-Tankstelle in Heinebach, so. „Die Preise waren am Boden – und ich verkaufe trotzdem nur die Hälfte“, beziffert Gundlach den Rückgang. „Ich hoffe, dass bald Normalität einkehrt und die Leute wieder an die Arbeit fahren.“ Dass die Preise wieder nach oben gehen, weil die OPEC-Staaten sich auf geringere Fördermengen geeinigt haben, glaubt auch Gundlach.

Auch Patrick Hess, Inhaber der Esso-Station in Kirchheim, hat weder solche Niedrigpreise wie auch einen solchen Einschnitt wie durch die Corona-Maßnahmen bislang erlebt. Auf 1,02 Euro sei zwischenzeitlich der Literpreis für Diesel gefallen. Besondere Sorge bereitet ihm allerdings das sogenannte Zusatzgeschäft. Denn wird nicht getankt, wird auch nicht im Shop gekauft. Das Bistro ist aufgrund der derzeitigen Beschränkungen geschlossen, darf nur außer Haus verkaufen. Hess: „Geschäfte sind dicht, Baustellen ruhen, es gibt keine Autotransporter.“ Um etwa 60 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen.

Auch bei Michael Brandau, der sie Star-Tankstelle in Ronshausen betreibt, fehlen die Pendler, Urlauber, Außendienstler – und nicht zuletzt die Motorradfahrer. Brandau registrierte ebenfalls den Tiefstpreis von 1,02 Euro bei Diesel. „Ich habe geglaubt, das es sogar unter einen Euro geht“, sagt Brandau. Er glaubt, dass der Preis sich aufgrund der OPEC-Entscheidung ab Mai wieder stabilisiert. 

Fördermengen werden reduziert

Über Monate hatten sich die wichtigsten Erdöl-Förderländer nicht darauf einigen können, die Fördermengen zu drosseln. Die Folge war ein Preisverfall bei Benzin, Diesel und Heizöl um fast 50 Prozent gewesen. Über Ostern allerdings kamen Russland, Saudi-Arabien und weitere Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) überein, nun weniger zu fördern. Umgehend zogen die Preise für Rohöl wieder an, zunächst um etwa acht Prozent. 

„Leute fahren kaum Auto“

„So günstig wie in den vergangenen Tagen wird das Tanken nicht mehr lange sein.“ Diese Voraussage trifft Herbert W. Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV, Neustadt a. d. Weinstraße). Die Entscheidung der OPEC-Mitgliedsstaaten, die Erdölfördermengen herunterzufahren, beendet nach Rabls Auffassung einen ruinösen Preiskampf. Die Maßnahme werde schon bald auf den Preis durchschlagen. „Es ist möglich, dass bald das alte Niveau erreicht wird“, glaubt er. Auch Literpreise von zwei Euro für Super hält er für nicht ausgeschlossen. Doch das größere Problem für Tankstellenbesitzer und -pächter sei ohnehin momentan die Coronakrise. „Die Leute fahren doch kaum Auto im Augenblick“, sagt er. Von 60 bis 80 Prozent Umsatzeinbußen habe er gehört. Und das liege nicht am niedrigen Spritpreis. Einen Cent pro verkauftem Liter Benzin oder Diesel bekommen Pächter oder Inhaber, rechnet er vor. „Da ist es ganz egal, ob der Sprit teurer oder günstiger ist. „Damit macht ein Pächter etwa ein Fünftel seines Umsatzes“, rechnet Rabl vor. „Der Rest kommt über Einnahmen im Tankstellenshop zustande.“ Doch auch diese Einnahmen brächen weg. Das bestätigen die Pächter und Eigentümer aus dem Kreis. Patrick Hess von der Esso-Tankstelle aus Kirchheim musste aufgrund der Corona-Verordnungen das Bistro schließen – bis auf den Außer-Haus-Verkauf. Auch eine Nachtschicht lohnt derzeit nicht in seiner Station, sagt er. Michael Brandau von der Star-Tankstelle aus Ronshausen bemerkt zwar, dass die Übernachtungsgäste im nahegelegenen Hotel Sonnenblick fehlen, die oft bei ihm tanken. Doch im Shop hat er keine größeren Einbußen. „Das Einkaufen ist im Augenblick hier entspannter als im Supermarkt“, glaubt er. „Und zumindest für ein paar Kleinigkeiten kommen die Kunden dann eher zu uns.“ Trotzdem hofft Herbert W. Rabl vom TIV auf weitere Hilfen aus der Politik für seine Branche. Oder aber auf die Einsicht der großen Mineralölkonzerne, die in einigen Fällen bereits Pacht erlassen hätte. rai

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