Die Hilfe nicht vergessen

Syrerin Berwin Khalaf engagiert sich bei der Bad Hersfelder Tafel

Ehrenamtlicher Einsatz: Berwin Khalaf beim Ausräumen der Lebensmittel, die die Tafel an Bedürftige verteilt.

Bad Hersfeld. Mehrmals in der Woche kommen Bedürftige zur Tafel in Bad Hersfeld, nehmen Lebensmittel entgegen und stöbern in der Kleiderkammer der Bahnhofsmission.

Manche Besucher suchen nur einen Moment Ruhe im „Raum der Stille“, trinken einen Kaffee oder lesen ein Buch. Zwischen den Leuten ist Berwin Khalaf. Sie verräumt Lebensmittel und gibt sie an die Tafelkunden aus.

Berwin Khalaf stammt aus Qamischli in Syrien. Dort arbeitete sie viele Jahre als Französischlehrerin, bis sie aufgrund einer schweren Krankheit vor zehn Jahren nicht mehr unterrichten konnte. Als in Syrien der Krieg ausbrach, war sie gezwungen zu flüchten. Über die Türkei kam Berwin Khalaf zusammen mit ihrem Mann 2015 nach Deutschland. Die deutsche Sprache zu erlernen fiel ihr nicht leicht. Doch Berwin Khalaf wollte sich integrieren, und sie hat mit Hilfe ihrer Deutschlehrerin das Sprachlevel B2 erreicht. Ihr Wunsch ist es die Niveaustufe C zu erlangen.

Um etwas von der Hilfe, die sie bei ihrem Start in Deutschland bekommen hat, zurückzugeben, engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Tafel in Bad Hersfeld. „Ich möchte die Hilfe der anderen nicht vergessen“, sagt sie. Angefangen hat diese Arbeit mit einem Praktikum im November 2017. Danach ging das Praktikum in eine ehrenamtliche Tätigkeit über, die Khalaf viel Spaß macht. Die Leiterin der Hersfelder Tafel, Silvia Hemel, schätzt die Unterstützung von Berwin Khalaf sehr. „Sie ist eine große Hilfe“, sagt Hemel und meint damit besonders Khalafs Sprachkenntnisse in arabisch und kurdisch. Dadurch tritt sie als Dolmetscherin zwischen der Tafel und kurdisch- und arabischsprachigen Tafelkunden auf. Für Berwin Khalaf ist Silvia Hemel mittlerweile eine Freundin geworden.

Gut eingelebt

In Deutschland hat sie sich gut eingelebt. Ihr Mann, früher Beamter der Stadt Qamischli in Syrien, arbeitet bei Amazon in Bad Hersfeld und sie strebt eine Ausbildung als Erzieherin an. Durch einen Hirntumor, der vor zehn Jahren diagnostiziert wurde, kann die ehemalige Lehrerin nicht jeden Beruf ausüben. Sie ist heute noch auf Medikamente angewiesen und muss regelmäßig zur Untersuchung. Durch die Krankheit fällt ihr das Rechnen schwer und ihre Kenntnisse in Französisch sind nur noch sehr eingeschränkt vorhanden. Aus ihrer Lage macht sie aber das Beste und engagiert sich deswegen gerne ehrenamtlich.

Gemeinsame Kultur finden

Ihr ist es wichtig, dass sich Flüchtlinge in Deutschland integrieren. Sie hilft auch beim Kulturverein Kurdistan-Kultur. Dort ist sie für Frauen und Kinder zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören zum Beispiel die Sprachförderung der Frauen und die Beschäftigung der Kinder. Außerdem arbeitet der Verein mit dem Interkulturellen Zentrum Bad Hersfeld (IKUZ) zusammen. „Ich will, dass sich die Leute integrieren und eine gemeinsame Kultur finden“, sagt Berwin Khalaf.

Ihr Wunsch für die Zukunft ist es, dass der Krieg in Syrien aufhört und sie ihre Mutter und ihre neun Geschwister, die in Deutschland, Syrien, Schweden, der Türkei und dem Irak verteilt sind, wiedersehen kann. (pal)

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