Großes Abenteuer in Asien

Südkorea: Sechs Monate in einem geteilten Land

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Ihr Arbeitsplatz für zwei Monate: Das Sprachcafé im Stadtteil Jongno-gu in Seoul.

Paula Deiß aus Bad Hersfeld hat sechs Monate in Südkorea verbracht und dort unter anderem die Region Cheorwon und die undurchdringliche Grenze zwischen Süd- und Nordkorea besucht.

Ob Sprache, Kultur oder Speisen: Vieles unterscheidet Deutschland und Südkorea. Eine Erfahrung aber ist den durch etwa 8500 Kilometer getrennten Ländern gemein: Korea ist ein geteiltes Land, Deutschland war ein geteiltes Land. Genau vor diesem Hintergrund pflegt der Landkreis Hersfeld-Rotenburg seit 2017 Kontakt mit der Grenzregion Cheorwon. Ihr ganz eigenes Bild von Südkorea konnte sich nun Paula Deiß aus Bad Hersfeld machen.

Die 19-Jährige hat dort ein halbes Jahr verbracht – mit Arbeiten ebenso wie mit Reisen. Den Plan, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen, hatte Deiß schon länger gefasst und auch das Interesse an Asien sei bereits vorhanden gewesen, berichtet sie. Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang, koranische Musik und Serien sowie ein erster Kontakt zur koreanischen Delegation beim Hessentag hätten schließlich zu ihrer Entscheidung geführt: Südkorea sollte es sein, wenngleich ihre Eltern sie wohl lieber im näheren Spanien gewusst hätten. „Ich wollte mehr über die Kultur, die Sprache und die Menschen erfahren.“

Reisen und Arbeiten: Paula Deiß aus Bad Hersfeld hat sechs Monate in Südkorea verbracht. Auf diesem Bild ist sie am Haeundae-Strand in Busan zu sehen. Der Schriftzug ist dort ein beliebtes Fotomotiv. Fotos: Privat/NH

Am 28. August 2019 ging es los. Die ersten Wochen verbrachte die Bad Hersfelderin unter anderem in der Küstenstadt Busan, auf der Insel Jeju und in Yeosu, wo 2012 die Weltausstellung Expo stattgefunden hatte. Zeitweise war Deiß gemeinsam mit einer Freundin unterwegs. Nicht nur arbeiten, auch Sightseeing war angesagt. Mit der Sprache und den Schriftzeichen hatte sich die junge Frau schon in der Heimat beschäftigt. „Die Grammatik ist sehr kompliziert und nicht mit Deutsch oder Englisch zu vergleichen“, erklärt Deiß, die außerdem das Essen mit Stäbchen geübt hatte. Gleich mehrere neue Lieblingsspeisen hat sie aus Korea mitgebracht – koreanisches Barbecue, das Nationalgericht Kimchi aus Gemüse sowie Reiskuchen in scharfer Soße. „Nach zwei Monaten hatte ich mich an die Schärfe gewöhnt“, sagt Deiß lachend.

Gejobbt hat sie in Südkorea als Deutsch- und Englischlehrerin, unter anderem in einem Sprachcafé in der Hauptstadt Seoul. Solche Cafés seien sehr verbreitet, um Konversion zu üben, denn in der Schule gehe es in erster Linie um Vokabeln und Grammatik. Geld gab es nicht, dafür Kost und Logis frei. „Das war ein guter Deal“, meint die 19-Jährige, die in Seoul mit zwölf weiteren Freiwilligen aus Europa, aber auch aus anderen asiatischen Ländern und Australien zusammenlebte. Rückblickend beschreibt Deiß die Zeit als „sehr großes Abenteuer.“

Historische Paläste und moderne Wolkenkratzer: Das hat Paula Deiß in der Hauptstadt Seoul fasziniert – hier der Gyeongbokgung Palast.

Besonders gefallen habe ihr das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl, das sich etwa im gemeinsamen Singen in Karaokebars gezeigt hätte. Eine seltsame Situation hingegen sei der Besuch an der Grenze zu Nordkorea gewesen. „Es ist so nah und doch so fern.“ Drei Reisetagebücher hat die junge Frau vollgeschrieben, fast 5000 Fotos gemacht. „Am Ende fühlten sich sechs Monate an wie drei Wochen.“ Gerne würde die 19-Jährige erneut nach Südkorea reisen. Nun steht aber erst mal die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz an. Fremdsprachenkorrespondentin wäre ein Beruf, der in Frage käme. Deiß hat sich an verschiedenen Schulen beworben, in Berlin wäre sogar der Schwerpunkt Koreanisch möglich.

Von Nadine Maaz

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