Hessen Forst rechnet mit Einbußen

Sturm und Borkenkäfer: Forstämter im Kreis an Kapazitätsgrenze

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Hier lagern rund 12 000 Festmeter Holz: Am Nasslagerplatz in Friedlos. Wegen Sturm Friederike, Borkenkäfern und der Trockenheit ist das Nasslager voll. Revierleiter Joachim Schum (links) und Forstwirtschaftsmeister Gerd Koch begutachten das liegende Holz. Hat sich, wie hier, eine grüne „Wachsschicht“ gebildet, können keine Pilze eindringen.

Hersfeld-Rotenburg. Sturm Friederike, Borkenkäferbefall, außerdem reguläre Baumfällarbeiten: Die Forstämter stoßen an ihre Grenzen und Hessen Forst rechnet mit Einbußen.

In den Wäldern der Forstämter Rotenburg und Bad Hersfeld gibt es nicht genügend Kapazitäten, um das geerntete Holz des laufenden Jahres aus dem Wald abzutransportieren. „Es gibt schlicht nicht genügend Lastwagen“, sagt Oliver Scholz, Leiter des Forstamtes Bad Hersfeld. Auch die Sägewerke sind am Rande ihrer Kapazitäten.

Rotenburgs Forstamtsleiter Dr. Hans-Werner Führer rechnet damit, dass bis zum Jahresende statt der geplanten 120 000 Festmeter Holz insgesamt die doppelte Menge geerntet werden muss. Das Forstamt Bad Hersfeld meldet, dass die Erntemenge von Fichtenholz statt der üblichen 40 000 Festmeter rund 130 000 Festmeter beträgt – Fichten waren von Friederike und Borkenkäfern besonders betroffen.

Riesige Dimensionen: Ein Nasslager von Hessenforst bei Vöhl.

„Die Ernte nach Stürmen ist deutlich aufwändiger und kostenintensiver als im Normalbetrieb“, sagt Scholz. Eben dieser Normalbetrieb beginnt im laufenden Jahr erst jetzt, sagt sein Kollege Führer. „Ab Januar waren wir fast ausschließlich mit den Folgen von Sturm Friederike beschäftigt, ab August mit Käferholz. Jetzt gehen wir dazu über, regulär Buchen und Eichen zu fällen, die von den Kunden besonders nachgefragt werden.“

Die Preise sind wegen des Überangebots an Holz stark gefallen. Zu Beginn des Jahres habe man für einen Festmeter Fichtenholz noch rund 90 Euro bekommen, derzeit seien es 50 Euro, so Scholz – aber nur für solches in gutem Zustand.

Das betriebliche Ergebnis von Hessen Forst wird dieses Jahr stark durch Sturmschäden, Borkenkäfer und Trockenheit beeinflusst werden, sagt Pressesprecherin Petra Westphal auf Anfrage unserer Zeitung. Den hohen Kosten für die Aufarbeitung von Schäden stünden keine wesentlich höheren Holzgeldeinnahmen gegenüber. Konkrete Zahlen könne sie allerdings noch nicht nennen. 

Hintergrund: Holz wird in Nasslagern geparkt

Um dem Preisverfall entgegenzuwirken, wird derzeit vom Landesbetrieb Hessen Forst in großem Stil Holz in sogenannten Nasslagern geparkt. Ein erheblicher Teil der Ernte aus dem Forstamt Rotenburg liegt im Nasslager an der Landesstraße bei Rengshausen – insgesamt 35 000 Festmeter Holz haben die Forstämter Neukirchen und Rotenburg dort auf einer Fläche von rund 200 mal 40 Meter deponiert. Auf dem Gebiet des Forstamtes Bad Hersfeld liegt das Nasslager bei Friedlos mit rund 12 000 Festmetern. Dort wird das Holz mit einem Bewässerungssystem konstant feuchtgehalten. Borkenkäfer können sich dadurch nicht einnisten – anders, als wenn das Holz am Wegesrand im Wald liegt. Bis zu vier Jahre kann das Holz auf diese Weise konserviert werden, ohne dass der Verkaufswert sinkt. (czi)