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Studio statt Stiftsruine: Bad Hersfelder Festspiele gaben erste Einblicke in die Spielzeit

Im Gespräch über die Festspiele: (von links) HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und Intendant Joern Hinkel im Hessensound-Studio in Eschwege.
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Im Gespräch über die Festspiele: (von links) HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und Intendant Joern Hinkel im Hessensound-Studio in Eschwege.

Einen Vorgeschmack auf die 70. Bad Hersfelder Festspiele haben Intendant Joern Hinkel und sein Team den Zuschauern am Sonntag bei der HZ-Matinee im Internet geliefert.

Bad Hersfeld/Eschwege – „Wir spielen. Das ist das Allerwichtigste“, brachte es Intendant Joern Hinkel gleich zu Beginn seines Gesprächs mit HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff auf den Punkt.

Wegen Corona ist bei den Bad Hersfelder Festspielen in diesem Jahr einiges anders als sonst. Auch die Matinee der Hersfelder Zeitung fand deshalb nicht wie sonst üblich vor Publikum in der Stiftsruine statt, sondern wurde live aus dem Studio der Eschweger Agentur Hessensound ins Internet übertragen. Das altehrwürdige Gemäuer war dennoch stets präsent – einerseits in den Gesprächen mit dem Intendanten und den per Video und Telefon zugeschalteten Regisseuren und Schauspielern, andererseits in bewegten Bildern aus den Proben. Die machten die Vorschau auf die Spielzeit noch ein wenig exklusiver als sonst – handelte es sich doch um echte „Werkstattfassungen“ aus dem realen Probenbetrieb.

Bei den Proben setzt der Intendant unter anderem auf eine strikte personelle Trennung zwischen den Ensembles – vom Schauspieler bis zum Maskenbildner, um einen Ausfall der gesamten Belegschaft zu vermeiden. Bislang sei das Team glücklicherweise gesund. Ein Festakt zur Eröffnung sei in diesem Jahr natürlich nicht möglich: „Wir konzentrieren uns auf die Stücke“, betonte der Intendant. Deren Protagonisten haben laut Hinkel eines gemeinsam: „Alle sind Systemsprenger“. Lehrer John Keating etwa, der aus dem starren Bildungssystem ausbricht – und in der Welturaufführung von „Der Club der toten Dichter“ in der Stiftsruine von Götz Schubert verkörpert wird. Der gefragte Fernsehschauspieler nimmt sich einmal im Jahr die Zeit, sich zurückzubesinnen auf die „Bretter, die die Welt bedeuten“, wie er im Gespräch verriet.

Klassiker im eigentlichen Sinne stehen bei den Festspielen zwar nicht auf dem Spielplan, „Goethe, Shakespeare und andere werden aber dennoch nicht zu kurz kommen“, versprach Intendant Joern Hinkel. In Goethes Fall geschehe das „rockig, poppig und mit Ohrwurm-Qualitäten“, kündigte Gil Mehmert, der Regisseur des Musicals, an. Im Zentrum stehe der junge Goethe als „erster Popstar der Literatur“ und seine unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff. Verkörpert wird die von Abla Alaoui, die sich in der Liveschalte aus dem Stiftsbezirk nicht nur „begeistert von Bad Hersfeld“ zeigte, sondern auch einen Einblick in das Seelenleben einer Kulturschaffenden während der Pandemie gab: Zuletzt auf der Bühne gearbeitet habe sie im Februar 2020, ihre „neue Leidenschaft“ fürs Schreiben habe ihr dabei geholfen, die Zwangspause durchzuhalten.

„Im Hier und Jetzt“ angesiedelt ist laut Joern Hinkel das Familienstück Momo nach Michael Ende. Der Intendant ist überzeugt, dass auch Kinder die Botschaft vom Wert der Zeit verstehen. Zeitdiebe kennt auch Hauptdarstellerin Janina Stopper im Alltag gut, wie die junge Mutter im Gespräch gestand. Ihr Rezept gegen die „Grauen Herren“: „Lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Pausen setzen“.

Wer nach den Interviews und Proben Lust auf die Festspiele bekommen hat, sollte sich beeilen – laut Joern Hinkel sind nur noch wenige Karten verfügbar. Der Intendant zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Ticketmenge noch erhöhen zu können. Denn wie die Einlassbedingungen, sollen auch die Sitzplatzzahlen der aktuellen Pandemielage angepasst werden. Wegen Corona ist bei den Festspielen in diesem Jahr eben einiges anders. Das Allerwichtigste aber bleibt: Es wird gespielt. jce

Modernste Technik, kommunikative Förderung

Der Kommunikationsdienstleister Summacom mit seiner Niederlassung im Bad Hersfelder Schilde-Park war Partner der Hersfelder Zeitung bei dem Live-Stream. Das Unternehmen bietet professionelle Lösungen in den Bereichen Vertriebsunterstützung, Kundenservice und Training an: telefonisch, digital, mehrsprachig. Die Produktion fand im Studio der Veranstaltungstechnik GmbH Hessensound in Eschwege unter Fernsehbedingungen statt. Die Einspielungen wurden eng mit dem Festspiel-Team koordiniert. jce

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