Nicht nur Gastgeber profitieren

Tourismus in Bad Hersfeld: Studie liefert konkrete Zahlen

Ob mit Reisekoffer, Aktentasche oder Tagesrucksack: Von Touristen profitiert in Bad Hersfeld laut einer Studie nicht nur das dortige Gastgewerbe. Eine besondere Rolle spielen neben Kurgästen Geschäftsreisende.
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Ob mit Reisekoffer, Aktentasche oder Tagesrucksack: Von Touristen profitiert in Bad Hersfeld laut einer Studie nicht nur das dortige Gastgewerbe. Eine besondere Rolle spielen neben Kurgästen Geschäftsreisende.

Dass der Tourismus für Bad Hersfeld ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, hat die Kreisstadt dank einer neuen Studie nun auch schwarz auf weiß.

Neben den Kurgästen spielen dabei vor allem Geschäftsreisende eine große Rolle. Beide Gruppen sorgen zudem für eine relativ gleichmäßige Verteilung über das Jahr und die Woche hinweg.

3000 Euro hat die Stadt in eine aktuelle Studie des „dwif“ investiert, die sie Anfang dieses Jahres gemeinsam mit dem Hessischen Heilbäderverband und weiteren Kommunen in Auftrag gegeben hat. „dwif“ steht für Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr. Seit Kurzem liegen nun die Ergebnisse vor. Dass sich die Zahlen auf 2019 beziehen, ist angesichts der coronabedingten Einbrüche im vergangenen Jahr und auch 2021 Absicht.

Von den Ergebnissen überrascht ist Matthias Glotz als Leiter des Fachbereichs Stadtmarketing nicht, interessant sei die Studie, die mit der Analyse zur Umwegrentabilität der Festspiele 2017 vergleichbar ist, gleichwohl. Denn: „Der Tourismus ist für Bad Hersfeld wichtiger, als einige Leute denken“, sagt Glotz mit Blick auf die verschiedenen Zahlen. Zudem sei es für die Stadt nicht verkehrt zu wissen, was sie „reinstecke“ und was sie „rauskriege“.

Rund 374 000 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben inklusive Gäste in Privatquartieren und Reisemobiltourismus listet die dwif-Analsyse neben 1,6 Millionen Tagesgästen auf. Das ist laut Glotz durchaus beachtlich, denn schon die fünffache Anzahl an Übernachtungen sei mit Blick auf die Einwohnerzahl gut – 29 944 Einwohner hatte Bad Hersfeld am Stichtag 31. Dezember 2019. Der generierte Bruttoumsatz lag bei 93,3 Millionen Euro, von denen mit 45,9 Millionen vor allem das Gastgewerbe, aber auch der Dienstleistungssektor (25,6 Millionen) und der Einzelhandel (21,8 Millionen) profitierte. „Der Tourismus löst Ketten aus und bringt zusätzliches Geld in die Stadt“, erläutert Glotz, der als Beispiele den Taxifahrer, Bäcker oder Malermeister nennt, der am Tourismus mit verdient. 2020 Personen könnten rein rechnerisch von der touristischen Nachfrage in Bad Hersfeld leben.

Die Hessentagseffekte 2019 sind in der Analyse übrigens herausgerechnet. Wo keine exakten Daten vorhanden sind, greift das „dwif“ unter anderem auf eigene interne Datenbanken zurück, Schätzungen oder vergleichbare Zahlen.

Eines der wichtigsten Ziele sei nun die Re-Prädikatisierung Bad Hersfelds als Kurstadt. Das hatte auch Bürgermeister Thomas Fehling schon in seiner Haushaltsrede deutlich gemacht. „Im Bereich der Vorsorge- und Rehakliniken werden circa 19 Millionen Euro Umsatz generiert und mehrere hundert Arbeitsplätze hängen daran“, so Fehling. Darüber hinaus gelte es, den Geschäftsreisetourismus weiter auszubauen und etwa die eigenen Veranstaltungsräume wie Stadthalle, Schilde-Halle und „wortreich“ wieder proaktiver zu vermarkten. Für die privaten Tagestouristen sei man mit den diversen Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt bereits auf einem guten Weg, berichtet Glotz. Gleichwohl gelte es „dranzubleiben“. Am Montagabend stellte der Fachbereichsleiter die Studie auch den Mitgliedern des Stadtmarketingvereins vor.

Den Neubau beziehungsweise die Planung weiterer Hotels im Stadtgebiet betrachtet Glotz positiv. „Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn jemand hier investieren will. Schlimmer wäre es, wenn niemand hierherkommen möchte.“ Alle fünf bis sechs Jahre empfehle sich die Neubeauftragung einer solchen Studie, rät er. So könne man positive wie negative Entwicklungen feststellen und entsprechend reagieren.

Gute Lage, aber ungenutzte Möglichkeiten

Wenig überrascht von den Ergebnissen der Tourismus-Studie ist auch Achim Kniese nicht, der mehrere Hotels in Bad Hersfeld betreibt und gleichzeitig 1. Vorsitzender des Stadtmarketingvereins ist. „Die Inhalte spiegeln genau die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeiten unserer Hotelbetriebe wider, Tagungen und Veranstaltungen. Wir profitieren in hohem Maße von unserer zentralen Lage in Deutschland und der guten Erreichbarkeit“, so Kniese, der deshalb gerne den Slogan des Regionalmanagements Nordhessen nutze: „Die Lage ist gut.“

Die Veranstalter würden Bad Hersfeld buchen, weil die Stadt aus allen Teilen des Landes gleich gut zu erreichen sei. Eine strukturierte Vermarktung und eine professionelle Verwaltung der großen Veranstaltungsbereiche, der Schilde-Halle und der Stadthalle, habe Potenzial für die Stadt. Von allein füllten sich solche Hallen jedoch nicht, „da helfen auch keine verfügbaren Hotelzimmer“, so Kniese.

Die Themen Kultur und Natur spielen außer in der Festspielzeit laut Kniese nur eine untergeordnete Rolle, „da haben wir fast keine Nachfragen. Uns fehlen einfach die qualitativen Möglichkeiten im Wettbewerb.“

Schade sei, dass manche Möglichkeiten nicht optimal genutzt würden, sagt Kniese speziell mit Blick auf das Thema Reisemobiltourismus. „Das war und ist gerade in der Pandemie und ich denke auch in der Zukunft ein absoluter Trend.“ Reisemobilisten blieben dort, wo sie eine gute Infrastruktur fänden und brächten einer Stadt wenigstens den nicht unerheblichen Umsatz eines Tagestouristen.“ Wenn man da keine gute Lösung fände, wäre es eine verpasste Möglichkeit.

Über einen Wohnmobilstellplatz an der Fulda wird in der Stadtverordnetenversammlung bereits seit Längerem diskutiert, Geld dafür ist aktuell aber erst im Haushalt 2024 vorgesehen. (Nadine Meier-Maaz)

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