Elektromobilität in Nordhessen

Studie: Es fehlen Ladesäulen für E-Autos

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Er tankt Strom: Landrat Dr. Michael Koch mit einem Elektroauto der Kreisverwaltung an der Ladesäule auf dem Bad Hersfelder Marktplatz.

Hersfeld-Rotenburg. Elektroautos sind immer noch zu teurer und es fehlt an Ladesäulen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von den nordhessischen Landkreisen beauftragte Studie. 

Wenn der Anteil der Elektrofahrzeuge im Straßenverkehr deutlich steigen soll, muss es erstens mehr Ladestationen geben. Zweitens müssten die Kaufpreise für E-Autos günstiger werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der fünf nordhessischen Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Waldeck-Frankenberg, Kassel, Schwalm-Eder und Werra-Meißner. Das daraus entstandene Elektromobilitätskonzept ist jetzt auf Gut Höhnscheid in Bad Arolsen vorgestellt worden.

Die Verfasser der Studie – die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (pwc) und das Ingenieurbüro Brenner Bernard – sehen bei den Ladestationen eine Stellschraube. Sie empfehlen, deren Anzahl in den fünf Landkreisen deutlich zu erhöhen. Und zwar nicht willkürlich alle paar Kilometer, sondern auf Basis einer Landkarte, die geeignete Orte berechnet.

Diese Landkarte zeigt für jeden Punkt in Nordhessen an, ob die Lage, die Einwohnerdichte, das Verkehrsaufkommen, typische Anlaufstellen wie Supermärkte und andere Faktoren dafür sprechen, dass sich eine Ladestation dort lohnt. Diese Ladeinfrastruktur solle also „bedarfsgerecht“ entstehen, erklärte Dr. Georg Teichmann von der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers.

„Diese Studie soll als konkrete Arbeitsvorlage dienen“, sagte Dr. Jürgen Römer vom Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Studie ist öffentlich zugänglich und richtet sich zum Beispiel an Unternehmer, Energieversorger und die Bauämter der Kommunen. Die Landkreise sollten ihre Arbeit im Bereich Elektromobilität vorantreiben und dafür werben, schlug der Berater Dr. Teichmann den Landräten und weiteren Vertretern der Kreise vor. Doch die Ladestationen zu errichten, zu betreiben und die Kosten abzurechnen, sollten sie vorrangig privaten Akteuren überlassen. 1325 Menschen hatten sich an der Umfrage beteiligt. Das gemeinsame Konzept zur E-Mobilität soll Impulse für weitere Anstrengungen geben. 

136 E-Autos rollen in Hersfeld-Rotenburg

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg rollen nach Auskunft der Kreisverwahltung aktuell 136 reine E-Autos. Die Zahl steigt. Anfang vergangenen Jahres waren es erst 93 Fahrzeuge. Nicht dazu gerechnet sind Hybrid-Fahrzeuge. Bei einer deutschlandweiten politisch gewollten Quote von 2,15 Prozent müssten es allerdings 1648 E-Autos sein. In Hersfeld-Rotenburg wird bereits eine Strommenge von 242 Gigawattherz aus Erneuerbaren Energien hergestellt. Diese Zahl aus der Studie bezieht sich allerdings auf das Jahr 2016. Würden sämtliche Autos elektrisch betrieben, würden dafür nach Berechnungen der Studie in diesem Landkreis 172 Gigawattherz jährlich benötigt. Bislang gibt es laut der neuen Studien nur vier Projekte in Bezug auf E-Mobilität, dazu zählen zum Beispiel Ladesäulen. Die Elektromobilitätsstudie wurde Anfang des vergangenen Jahres in Auftrag gegeben. Dafür stellten die Landkreise insgesamt 100 000 Euro zur Verfügung. Sie wurde zudem mit 80 000 Euro bezuschusst vom Bundesverkehrsministerium. Jeder Kreis steuert 4000 Euro bei.

Geeignete Orte online einsehbar

Die nordhessischen Landkreise sind zumeist ländlich geprägt und weisen eine hohe Auto-Dichte auf. Deren Ziele in Bezug auf Mobilität und Verkehr lauten wie folgt: Mobilität soll klima-, umwelt- und sozialverträglich sein; mehr Akzeptanz für alternative Antriebe schaffen; eine „Reichweitenangst der Bevölkerung“ mindern; regenerative Energien einbinden. Auf der Internetseite des Geoportals Hessens kann jeder für jeden Ort in Nordhessen einsehen, ob die Lage für eine E-Auto-Ladestation geeignet ist. Je heller die Kachel, desto besser ist der Bereich geeignet: www.geoportal.hessen.de

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