Verdi hat erneut zum Ausstand aufgerufen

Streik in Bad Hersfeld: Amazon und RS Components betroffen

Amazon Bad Hersfeld Medientag 2017, Standort Amazonstraße, Mietvertrag verlängert und Neubau Parkhaus
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Blick auf den Amazonstandort FRA3 in Bad Hersfeld.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Amazon-Mitarbeiter der Versandzentren am Standort Bad Hersfeld erneut zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Bei RS Components wird ebenfalls gestreikt.

Bad Hersfeld - Der Streik beim Online-Händler Amazon hat heute in der Nachtschicht begonnen und soll bis Samstag andauern. Anlass des Streiks beim Online-Händler Amazon ist die „Black Friday“-Angebotswoche. Mit den Angeboten zum Black Friday startet Amazon in das Weihnachtsgeschäft, das in diesem Jahr aufgrund der Corona-Situation besonders viele Bestellungen verspreche.

Um das hohe Volumen zu bewältigen, seien an allen Standorten, so auch in Bad Hersfeld, wie üblich zahlreiche zusätzliche Aushilfskräfte eingestellt worden. „Das Infektionsrisiko wird durch die zusätzlichen Mitarbeiter und den hohen Arbeitsdruck enorm verschärft“, kommentiert Verdi-Streikleiterin Mechthild Middeke. „Viele Beschäftigte fühlen sich nicht ausreichend geschützt und in ihrer Arbeit wertgeschätzt.“ Verdi will eigenen Angaben nach bessere Regelungen zum Gesundheitsschutz erreichen und fordert im Hinblick auf den außerordentlich gewachsenen Umsatz und die damit verbundene Arbeitsbelastung eine besondere Coronaprämie als Wertschätzung für die Mitarbeiter.

Darüber hinaus bekräftigt Verdi erneut die Forderungen nach tariflichen Regelungen zum Schutz der Gesundheit und die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels.

Amazon betont stets, auch ohne Tarifvertrag ein guter und fairer Arbeitgeber zu sein mit einem Stundenlohn, der bei rund zwölf Euro beginnt. Auf das Lieferversprechen hätten die Streiks keine Auswirkungen.

Mit den Amazoniern streiken als Nachbarn am Standort Eichhof auch einige Mitarbeiter von RS Components. „Auch die Kolleginnen und Kollegen des englischen Großhandelsunternehmens RS Components gehen heute in den Streik“, sagt Manuel L. Sauer von Verdi Main-Kinzig-Osthessen.

Der Elektrogroßhändler betreibe seit 18 Jahren am Standort Bad Hersfeld ein Logistiklager mit rund 200 Beschäftigten. Im Sommer 2021 soll ein neues vollautomatisches Lager eröffnen. „Der Arbeitgeber baut ein Lager für mehr als 60 Millionen Euro, und weigert sich, mit uns einen Tarifvertrag abzuschließen, der den Kolleginnen und Kollegen zirka 400 Euro mehr an Lohn und Gehalt pro Kalendermonat bringen würde? Dabei würden die Lohn- und Gehaltskosten gerade mal mit einem sechsstelligen Eurobetrag steigen, wenn RS nun endlich Tariflohn zahlen würde“, so Sauer.

Das Unternehmen habe im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von 240 Millionen Euro erwirtschaftet. Nun habe RS angekündigt, zum ersten Mal seit jüngster Vergangenheit, keinen Bonus an die Beschäftigten auszuzahlen. Dabei zahlte RS noch im Frühjahr 2020 einen Bonus aus. Verdi möchte mit der Geschäftsführung unter anderem einen Standortsicherungstarifvertrag und einen Anerkennungstarifvertrag zum Groß-und Außenhandel abschließen, heißt es in einer Pressemitteilung. (red/nm)

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