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Stille Mehrheit will ein Zeichen setzen: Corona-Mahnwache in Bad Hersfeld

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Das Bild zeigt im Vordergrund den Lullusbrunnen und dahinter die Stadtkirche vor blauem Himmel.
Zwischen Stadtkirche und Lullusbrunnen: Nur einen Steinwurf voneinander entfernt werden sich am Montagabend die sogenannten „Spaziergänger“ und die Teilnehmer der Mahnwache treffen. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken. © Thomas Landsiedel

Ein breites Bündnis hat für Montag, 31. Januar, ab 18 Uhr zu einer Mahnwache vor der Bad Hersfelder Stadtkirche zum Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie aufgerufen.

Bad Hersfeld - Initiatoren der Solidaritätsaktion sind die evangelische Auferstehungs-, die Stadt- und Johanneskirchengemeinde sowie SPD, CDU, Grüne, FDP, UBH und FWG im Stadtparlament.

„Wir wollen der stillen Mehrheit, die sich seit fast zwei Jahren verantwortungsvoll in der Corona-Pandemie verhält, ein Gesicht geben“, erklärt Pfarrerin Dr. Ann-Cathrin Fiß, die gemeinsam mit Pfarrer Frank-Nico Jaeger in Absprache mit den Kirchenvorständen die Mahnwache organisiert. „Es braucht wohl immer jemanden, der vorangeht“, sagt Pfarrer Jaeger zum kirchlichen Engagement für die Aktion. Er betont aber, dass alle Parteien sofort ihre Unterstützung zugesagt hätten.

Die Mahnwache sei ganz bewusst nicht als Gegendemonstration zu den seit mehreren Wochen stattfindenden sogenannten „Spaziergängen“ von Kritikern der Corona-Politik in Deutschland gemeint. In Rotenburg hatten bereits vergangenen Montag auf Initiative einer Intensivkrankenschwester 150 Menschen unter dem Motto „Impfen statt schimpfen“ ein Zeichen gesetzt.

Tief besorgt nehmen die Kirchenvertreter die immer stärker werdende Spaltung der Gesellschaft in der Corona-Frage zur Kenntnis. „Dabei können wir die Pandemie nur gemeinsam bewältigen“, mahnt Jaeger. Trotz der räumlichen Nähe sei kein direktes Aufeinandertreffen mit den „Spaziergängern“ geplant, die sich seit Wochen am Lullusbrunnen, nur einen Steinwurf von der Stadtkirche entfernt, versammeln. „Aber vielleicht kommt es ja doch zu Gesprächen“, sagt Jaeger, der selbst bereits den Kontakt gesucht hat. Dabei habe er festgestellt, dass die breite Masse der „Spaziergänger“ ganz normale Leute seien. „Viele sind einfach nur müde und frustriert“, zumal viele der Corona-Maßnahmen widersprüchlich erscheinen und schlecht kommuniziert werden. „Es gibt viele Fragezeichen und wenige Lösungen, aber immerhin ist das ja für uns alle die erste Pandemie“, sagt Jaeger.

Bei der Mahnwache gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln. Eine allwöchentliche Mahnwache ist zunächst nicht geplant. Plakate, Parolen und Redebeiträge wird es ganz bewusst nicht geben.

Pfarrerin Fiß ist es wichtig, ein Zeichen gegen das „Phänomen der Gewöhnung“ und gegen die Abstumpfung angesichts immer neuer Todeszahlen und Inzidenzrekorde zu setzen. „Wir wollen deshalb an die Opfer erinnern“, macht Fiß deutlich, wobei nicht nur die Verstorbenen gemeint sind, sondern auch all jene, die hart von den Folgen der Pandemie getroffen werden. Für sie alle sollen Kerzen entzündet werden – als Zeichen der Hoffnung in dunklen Stunden. (kai)

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