35 Könige für das Abendland

Sternsinger: Segenswünsche für Flüchtlingskinder sind ihre Mission

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Die Sterne sind geschultert und die Roben gebügelt: Die Sternsinger stehen in den Startlöchern. Drei Tage lang sammeln die Kinder und Jugendlichen Spenden und verbreiten den Segen, den einst die Drei Heiligen Könige in die Welt trugen.

Bad Hersfeld - Ein Aussendungsgottesdienst für die Sternsinger hat auch in der katholischen St. Lullus Sturmius Kirche in Bad Hersfeld stattgefunden.

Auf dem Altar flackern die Kerzen und an den meterhohen Tannenbäumen der katholischen St. Lullus-Sturmius Kirche in Hersfeld, leuchten die Lichterketten weihnachtlich. Gemeindereferent Stefan Schönberner hat sein Mikrofon, zum Aussendungsgottesdienst der Sternsinger, neben einer lebensgroßen Krippeninstallation aufgebaut und das hat einen Grund, denn so ist Schönberner gleich ganz nah beim Thema des besonderen Gottesdienstes. „Liebe Sternsinger folgt dem Stern von Bethlehem und somit den Drei Heiligen Königen Balthasar, Melchior und Caspar nach und tragt die Botschaft von Frieden in die Häuser“, richtet sich der Gemeindereferent an sein junges Publikum.

Und das lassen sich die 35 Sternsinger nicht zweimal sagen. In wallenden grün, weiß und lila schimmernden Gewändern, machen sich die Segensbringer zum Auszug bereit. Dabei haben sie ihre Mission fest im Blick, jedem der nach ihnen ruft, also ein Anmeldeformular abgegeben hat, bringen die kostümierten acht bis 18-Jährigen, Schutz und Gnade frei Haus.

Aufgeregtes Getuschel steigt dabei in den Kirchenbänken auf, als Stefan Schönberner die Sternsinger und ihre Gaben, darunter Kreide, Segensaufkleber und Weihrauchkörner, mit geweihtem Wasser segnet. Damit haben die kleinen Majestäten ihren Auftrag, Gutes zu tun und Spenden für Flüchtlingskinder im Libanon zu sammeln, erhalten.

Als der Tross aus Kronen und Sternen loszieht, wird aber auch den erfahrenen Sternsingern etwas mulmig zumute. „Ich bin immer noch aufgeregt, weil ja auch immer neue Leute die Tür aufmachen und die kenne ich noch nicht“, erzählt Sternsingerin Stella Edorh-Ananou. Und die 11-jährige Joanna van Horrick fügt schnell hinzu: „Ich habe immer Angst, dass ich den Text vergesse.“ Aber auch wenn sie den komplizierten Spruch, „Christus Mansionem Benedicat“, auf Deutsch, „Christus segne dieses Haus“, nicht von Anfang an perfekt beherrscht haben, tragen die beiden die bunten Roben und die selbst gebastelten Kronen schon seit ihrer Kita-Zeit und bitten so jedes Jahr ganz selbstbewusst um Spenden.

Ein Großteil der Gewänder kommt dabei aus dem Fundus der Dreikönigskleiderkammer, die die Lullus-Sturmius Kirche mit gespendeten Gewändern engagierter Näherinnen aus der Gemeinde bestückt.

Doch nicht nur in Sachen Kostüme haben sich die Kinder gründlich auf ihren großen Tag vorbereitet. Neben Anproben und Liederlernen, übten die kleinen Spendensammler schon im Advent und setzten sich an einem Projekttag mit den W-Fragen rund um den Sternsinger Tag auseinander. „Wir klären dann, was Sternsinger sind, was genau zu tun ist und warum wir das tun“, erklärt Pfarrer Bernhard Schiller. Auch wo die gesammelte Hilfe am Ende ankommt, lernen die Kinder an ihrem Vorbereitungstag.

In diesem Jahr steht die Spendenaktion unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“. „Die Hilfe soll bei denen ankommen, die selbst wenig haben aber trotzdem weltweit die meisten Flüchtlinge, proportional zu ihrer Bevölkerung, aufgenommen haben“, erläutert Pfarrer Schiller die Entscheidung des Kindermissionswerks der Sternsinger.

Vor Ort werden mit dem Geld Schulen gebaut und Freizeitmöglichkeiten, für die vom Krieg gebeutelten Kinder, geschaffen wie das Kinderhilfswerk auf seiner Seite verspricht. „Das ist die größte Aktion weltweit, bei der Kinder anderen Kindern helfen“, weiß Schiller.

Stella und Joanna waren noch nie im Libanon und mussten auch nie vor Krieg flüchten, trotzdem verstehen die Sternsinger gleich, was gebraucht wird. „Die Kinder da brauchen einen warmen Schlafsack, auch wenn ein Haus besser wäre, aber das ist bestimmt teuer“, überlegt die 11-jährige Joanna.

Um den Flüchtlingskindern im weit entfernten Libanon zu helfen haben die Singer Weihrauchkörner im Gepäck, das sie den Gesegneten überreichen. Natürlich darf auch der Segen „20*C+M+B+20“ nicht fehlen, den die Heiligen Drei Könige mit Kreide oder als Aufklebers über den Türen der gesegneten Häuser anbringen. Dabei werden jedes Jahr nur die Zahlen zu Beginn und am Ende des Spruches für das derzeitige Datum angepasst.

Rund 50 solcher Besuche macht jede Gruppe der Hersfelder Sternsinger an diesem Wochenende. Ganze 8000 Euro kommen so im Schnitt jedes Jahr zusammen. Gespendet wird dabei nicht nur von Katholiken. „Auf beiden Seiten heißen wir sowohl bei den Spendern als auch bei den Sammlern katholische, evangelische und auch konfessionslose Teilnehmer willkommen“, betont Pfarrer Bernhard Schiller. (kh)

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