Wanderausstellung im Kurhaus

Die Stasi spionierte überall, auch in Bad Hersfeld

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Auf großflächigen Medienstationen informiert die Ausstellung über die perfiden Methoden der Stasi.

Eine Ausstellung über das Überwachungs- und Kontrollsystem der Staatssicherheit  wird zurzeit im Bad Hersfelder Kurhaus gezeigt.

Überwachung, Bespitzelung, Verfolgung –jahrzehntelang drang die DDR-Staatssicherheit bis in das intimste Privatleben der Bürger ein. Treffen konnte es jeden: Schon der kleinste Verdacht reichte aus, um beim Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS, aktenkundig zu werden. Wer gegen die offizielle Parteilinie verstieß oder abends heimlich Westfernsehen schaute, musste damit rechnen, ins Visier der Stasi zu geraten.

Die Wanderausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ zeigt im Kurhaus Bad Hersfeld, wie der perfide Überwachungsapparat die Herrschaft der Sozialistischen Einheitspartei absicherte. Denn wer in der DDR „anders dachte“, wer frei leben wollte, wurde in den Augen der SED zur Gefahr und kriminalisiert. Die vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) kuratierte Ausstellung informiert die Besucher mit großflächigen Bildtafeln, Medienstationen und Fotografien über die die Geschichte sowie die Methoden der DDR-Geheimpolizei.

Zum Zeitzeugengespräch mit Berthold Dücker hatte Corinna Kalkreuth, Leiterin der BStU Außenstelle Schwerin, in den Kursaal eingeladen. Dücker war im Alter von 16 Jahren aus der DDR ins hessische Setzelbach geflohen. 

Zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Freitag waren zahlreiche Menschen in den Kursaal gekommen. Dorthin hatte Corinna Kalkreuth, Leiterin der BStU Außenstelle Schwerin, zu einem Zeitzeugengespräch mit Berthold Dücker eingeladen. Nach den einleitenden Worten des Ersten Stadtrats Gunter Grimm erzählte Dücker, wie er mit nur 16 Jahren Republikflucht begangen hatte. Aufgewachsen im thüringischen Geisa, einem kleinen Ort unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, hielt Berthold Dücker die täglichen Lügen und Schikanen des DDR-Regimes nicht länger aus. Er wollte frei sein, Journalismus studieren und seinen christlichen Glauben leben – alles Dinge, die ihm der Unrechtsstaat verwehrte. Also entschloss sich Dücker, zu fliehen. Ohne ein Wort zu seinen Eltern und nur mit Hilfe einer Kneifzange überwand er in der Nacht des 24. August 1964 den Grenzstreifen. Unterschlupf fand er zunächst im hessischen Setzelbach. Durch ein Volontariat bei der Fuldaer Zeitung, konnte er schließlich den beruflichen Weg des Journalisten einschlagen. Nach mehreren journalistischen Stationen in der Bundesrepublik kehrte Berthold Dücker 1993 in die thüringische Rhön zurück und übernahm den Posten des Chefredakteurs bei der Südthüringer Zeitung, den er bis 2009 ausübte. Heute ist er Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Point Alpha.

Berthold Dücker hat damals erlebt, was es heißt, seine Heimat verlassen zu müssen. „Keine Mauer kann groß genug sein, um Menschen davon abzuhalten, vor politischer Verfolgung, Krieg und Elend zu fliehen“, sagte er zum Abschluss des Gesprächs und rief zur Solidarität mit geflüchteten Menschen auf.

Auch in Bad Hersfeld wurde übrigens spioniert. So beobachtete die Stasi in den 1950er Jahren Gebäude, in denen sie Militärdienststellen der USA vermutete. Fotodokumente belegen, wie die DDR-Spitzel mutmaßliche „Trefflokale“ in der Innenstadt beobachteten und sich in konspirativen Wohnungen trafen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April täglich von 9 bis 19 Uhr in der Wandelhalle des Kurhauses Bad Hersfeld zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter www.bstu.de . 

Von Lisa Hirdes

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