Beseitigung verursacht hohe Kosten

Städte im Kreis kämpfen gegen "wilden" Müll

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Illegale Müllentsorgung: Hier an der Abt Michael Straße in Bad Hersfeld.

Die Städte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben immer stärker mit der Beseitigung von "wildem" Müll zu kämpfen. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer.

Wilder Müll meint Abfall, der etwa in der Landschaft oder rund um Glascontainer abgeladen wird.Kosten von bis zu 50 000 Euro fallen etwa in Bad Hersfeld jährlich an. Bebras Bürgermeister Uwe Hassl reicht es jetzt: Er will härter gegen die Müllsünder vorgehen.

Abfall, der etwa in der Landschaft oder rund um Glascontainer abgeladen wird – zu kämpfen. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer: Kosten von bis zu 50 000 Euro fallen etwa in Bad Hersfeld jährlich an. Bebras Bürgermeister Uwe Hassl reicht es jetzt: Er will härter gegen die Müllsünder vorgehen.

Die Verlockung sei groß, so Hassl, bei erwischten Müllsündern „beim Bußgeld mal so richtig in die Vollen zu gehen“. Der Bußgeldkatalog in Hessen sieht Strafen von zehn bis 50 000 Euro vor, etwa für die wilde Entsorgung einzelner Stühle oder Kisten (bis zu 150 Euro) oder Bauschutt (bis zu 10 000 Euro). Hassl ist bereit, diesen Rahmen auszuschöpfen, „und wenn von 5000 Euro nur 500 Euro übrig bleiben, ist das auch okay.“

Rund zehn Prozent der Kosten bei der Stadtreinigung entfallen in Bebra auf die Beseitigung von wildem Müll: knapp 16 000 Euro pro Jahr. Ähnlich fällt die Rückmeldung aus den anderen Städten im Kreis aus. Mindestens acht Stunden pro Woche sei der Rotenburger Bauhof mit illegalen Müllablagerungen beschäftigt, schätzt Bürgermeister Christian Grunwald. Die Kosten, hochgerechnet auf ein Jahr: etwa 21 600 Euro. Die Kreisstadt investiert jährlich mindestens ebenso viel. „Die Ermittlung der Täter ist oft schwierig und ekelhaft“, so Stadtsprecher Maik Ebert. Selbst bei Erfolg bleibe man teils auf den Kosten sitzen, weil bei den Täter nichts zu holen sei.

Auch in Heringen ist das Problem altbekannt. 200 Stunden benötigt der Bauhof für die Entsorgung illegalen Mülls im Jahr, allein die Personalkosten: 8000 Euro. Weil sowohl Stadt als auch Abfallzweckverband eine unkomplizierte Entsorgung anbieten, schüttelt Bürgermeister Daniel Iliev über Müllsünder den Kopf: „Wahrscheinlich gibt es den Entsorgern einen Kick, ähnlich eines Fallschirmsprungs“, vermutet er.

Braucht es den Müll-Sheriff?

Wenn Müll dort abgeladen wird, wo er nicht hingehört, ist in der Regel die Kommune am Zug. Die Rückmeldung aus den Städten: Das ist immer häufiger der Fall. Was tun, um dem Trend entgegenzuwirken? Bußgelder sind erst möglich, wenn ein Müllsünder erwischt wird, identifizierbar ist und es Zeugen gibt. Um wirklich etwas zu bewirken, bräuchte die Stadt eine Art Müll-Sheriff, so Bebras Bürgermeister Uwe Hassl. „Der müsste im Feierabend unterwegs sein, weil die Leute die Dunkelheit nutzen, um ihre Schandtaten zu begehen.“ Und er kostet Geld.

Also fordert Hassl: „Bürger, schärft mal eure Blicke.“ Was heißen soll: Wer illegale Müllentsorgung beobachtet, soll das melden. Allein im vergangenen Jahr habe die Stadt Bebra fünf Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen illegaler Ablagerungen an Glascontainern mit Geldbußen in beträchtlicher dreistelliger Höhe erfolgreich durchgezogen, so Ordnungsamtsleiter Friedhelm Eyert. „Wer erwischt wird, ist dran“, sagt er. „Die Politiker in der Verbandsversammlung im Mülllabhol-Zweckverband sollten sich fragen, ob es nicht angebrachter wäre, mindestens einmal im Jahr eine kostenlose Sperrmüllabfuhr anzubieten“, schlägt der Bürgermeister vor. So würde weniger Müll illegal im öffentlichen Raum entsorgt. Beim MZV ist man von der Lösung nicht überzeugt: „Einmal pro Jahr ist zu wenig. Bei mehrfacher kostenloser Abfuhr müssten wir aber die Gebühren erhöhen“, sagt Verbandsvorsitzender Hartmut Grünewald. Nicht nur, weil die Entsorgungskosten gestiegen seien, sondern auch, weil dann Einnahmen vom Recyclinghof wegfielen. „Wir legen jetzt schon beim Sperrmüll drauf, so Grünewald. 

Im vom Abfallwirtschafts-Zweckverband (AZV) versorgten Teil des Landkreises – also alle Kommunen außer Rotenburg, Bebra und Ronshausen – ist die Entsorgung von Sperrmüll kostenlos und Altglas wird an der Haustür abgeholt. Illegale Müllentsorgung gibt es dort dennoch, auch wenn beim AZV davon ausgegangen wird, dass das Problem ohne den besonderen Service größer wäre. Belegen lasse sich das nicht, sagt Geschäftsführer Jörg Goßmann. Container ziehen Müllsünder an Neben den Fällen, bei denen etwa alte Reifen im Wald abgeladen werden, sind Glas- und Altkleidercontainer beliebte Sammelstellen für Müllsünder (siehe Hintergrund). Vom alten Fahrrad bis zur Tüte mit Hausmüll wird dort alles entsorgt, vor allem, wenn die Behälter voll sind. „Bei einigen scheint das der nackte Geiz zu sein“, sagt Hartmut Grünewald. Auch in den Altkleidercontainern werde häufig Müll gefunden, heißt es vom MZV. (cig)

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