Hersfelder Stadtverordnete informierten sich

Stadtwald: Wo Wind und Borkenkäfer wüten

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Waldbegang: Vom Zustand des Stadtwaldes machten sich die Kommunalpolitiker vor Ort ein Bild.

Beim traditionellen Waldbegang ließen sich die Hersfelder Parlamentarier aus erster Hand informieren.

„Die Dürre macht den Bäumen zu schaffen“, erklärte Forstamtsleiter Oliver Scholz. Das sei an den vertrockneten Kronen zu erkennen, so der Experte. Rund 20 Vertreter der Stadt Bad Hersfeld und der Verwaltung waren der Einladung der Stadtverordnetenversammlung nachgekommen und informieren sich beim traditionellen Waldbegang vor Ort über die Auswirkungen von Borkenkäfer, Dürre, Windwurf und die Arbeit des Forstamtes.

„Momentan ist die Verkehrssicherungspflicht unsere wichtigste Aufgabe“, erläuterte Scholz weiter. Da in den letzten zwei Jahren lediglich 500 Milliliter Regen anstatt der sonst üblichen 700 gefallen sind, würden viele Bäume absterben und so zu einem Sicherheitsrisiko werden, warnte Scholz. Die vertrockneten Bäume müssten dann gefällt werden.

Die Abholzungen nähmen zur Zeit jeden verfügbaren Mitarbeiter des Forstamtes in Anspruch, doch trotz aller Bemühungen fehle es dem Forstamt an Personal. „Die Mitarbeiter stoßen an ihre Grenzen“, gestand der Forstamtsleiter. In diesem Jahr müsse das zweieinhalbfache Volumen im Bereich Holzfällung gestemmt werden.

Der Buchdrucker frisst ein Labyrinth aus Gängen in die Rinde der Bäume.

Grund für die vermehrten Abholzungen sind, neben der Dürre, auch Sturmschäden, die im Hersfelder Stadtwald ihre Spuren hinterlassen haben. Auch die Auswirkungen des Orkantiefs „Friederike“, das 2018 wütete, seien bis heute nicht beseitigt, erklärt Scholz den Waldbesuchern.

Einer darf bei der Waldbegehung, die die Stadt zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder veranstaltet, auch nicht fehlen, der Borkenkäfer. Das fünf bis sechs Millimeter große Tier sorgt auch im Hersfelder Stadtwald für Ärger. „Hier finden sich Bockkäfer und Buchdrucker, die auch zu den Borkenkäfern gehören und die Rinde der Bäume durchlöchern“, berichtete Oliver Scholz und hob die Rinde eines gefällten Baumes an. Darunter sitzen drei große Bockkäferlarven. „Die Tiere haben bei trockenen Bäumen leichtes Spiel, weil das Harz es nicht mehr schafft den Käfer einzuhüllen“, so der Forstamtsleiter. So sei es den Tieren möglich, ungehindert in die Rinde eindringen und ihre Gänge zu fressen. Besonders Fichten seien bedroht, so Scholz. Werden die Tiere nicht aufgehalten und kranke Bäume abgeholzt, vermehrten sich die Schädlinge ungehindert. So halten Wind, Dürre und Käfer die Mitarbeiter des Forstamtes in Atem.

Dabei fällt der erwirtschaftete Ertrag trotz häufiger Holzfällungen geringer aus. „Heute bekommen wir rund ein Drittel weniger für unser Holz geboten“, berichtet der Forstamtsleiter. Grund sei das große Angebot von Brennholz, das durch Stürme und Schädlingsbefall entstünde.

Hochwertiges Holz sei damit seltener geworden. „Die durchlöcherten Stämme sind dann kein Material für die Möbelproduktion mehr“, bedauert Oliver Scholz.

Von Kim Hornickel

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