Handarbeit ist angesagt

Teilstück der Bad Hersfelder Stadtmauer wird saniert: Inschriften entdeckt

Das Foto zeigt die Stadtmauer-Baustelle aus der Ferne.
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Achtung, Baustelle: Gegenüber den Nordschulteichen – neben dem Stadthotel – wird die Bad Hersfelder Stadtmauer saniert.

Überraschende Entdeckungen haben die Arbeiter bei der Sanierung der Bad Hersfelder Stadtmauer gemacht.

Bad Hersfeld – Stein für Stein und mit äußerster Vorsicht arbeiten sich Andreas Paul und Steffen Hummitzsch in Handarbeit voran. Immer wieder schauen ihnen dabei interessierte Spaziergänger zu, und manche wollen es ganz genau wissen.

An den Nordschulteichen, neben dem Stadthotel, wird im Auftrag der Stadt Bad Hersfeld derzeit ein Teilstück der Stadtmauer saniert. „Aus einer kleineren Reparatur ist eine Sanierung geworden“, erklärt Stadtsprecher Meik Ebert.

Ursprünglich seien nur kleinere Reparaturarbeiten geplant gewesen, da einzelne Steine herausgefallen waren. Im Inneren der historischen Mauer entdeckten die Arbeiter der Firma SOSA Service dann aber noch größere Schäden. Das Unternehmen aus Werther hat sich auf Denkmalpflege beziehungsweise historische Gemäuer spezialisiert.

Wurzeln und Frost haben dem Bauwerk zugesetzt und drücken die Steine auseinander, wie Andreas Paul und Steffen Hummitzsch auf Nachfrage erläutern. An der Außenseite Richtung Hotelterrasse ist ganz deutlich ein großer Riss zu sehen. Etwa drei Meter hoch ist die Mauer an dieser Stelle und unten 2,40 Meter breit. Oben sind es rund 1,90 Meter. Die Steine werden ganz vorsichtig per Hammer herausgeschlagen und anschließend ordentlich aufgereiht. Schließlich sollen alle intakten Steine später wieder an derselben Stelle eingesetzt werden, um das Gesamtbild zu erhalten. „Mit einem Minibagger können Sie hier nicht arbeiten“, sagt Hummitzsch. Defekte Steine, die nicht wieder eingesetzt werden können, sollen mit Exemplaren aus dem Steinbruch in Friedewald ersetzt werden. Der gesammelte „Ausschuss“ landet in einem großen Container.

Überraschende Funde: Mehrere Steine mit Inschriften haben die Arbeiter in der Stadtmauer entdeckt.

Und neben den Schäden gab es für die Arbeiter noch weitere Überraschungen: Im Inneren der Mauer entdeckten sie nämlich auch mehrere Steine mit verschiedenen Inschriften. Auf einem ist beispielsweise gut die Jahreszahl 1684 zu erkennen, einen anderen ziert das Bild einer Taube mit Kelch und ein weiterer lässt den Schluss zu, dass es sich um den ehemaligen Grabstein eines Pastors handelt. Solche Funde melden Andreas Paul, Steffen Hummitzsch und die Kollegen natürlich sofort. Nun prüfe das Landesamt für Denkmalpflege Relevanz und Herkunft.

Noch etwa drei Wochen werden die Arbeiten wohl andauern, heißt es. „Auch für uns sind solche Einsätze etwas Besonderes“, berichten Paul und Hummitzsch mit Blick auf die notwendige Feinarbeit und Funde wie die jetzigen. Verstehen können sie deshalb auch das große Interesse der vorbeikommenden Bad Hersfelder, die vor der Absperrung stehen bleiben, schauen und fragen.

Im Mittelalter und zur beginnenden Neuzeit schützten 2,4 Kilometer Mauer Stift und Stadt. Heute sind davon nur noch rund 1,3 Kilometer Mauerreste vorhanden, ein paar Türme und Verteidigungs-Fragmente. (Nadine Maaz)

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