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Stadtarchiv, Straßenbeleuchtung und Car-Sharing waren Themen im Ausschuss

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Von: Mario Reymond

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Abrissarbeiten Ende März 2021 an der Antoniengasse
Noch viel Arbeit: Unser Foto zeigt die Abrissarbeiten Ende März 2021 an der Antoniengasse, um dort Platz für ein Stadtarchiv zu schaffen. © Mario Reymond

Über den Ausbau intelligenter Straßenbeleuchtung und Car-Sharing in Bad Hersfeld sowie den Neubau des Stadtarchivs sprachen die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Klima.

Bad Hersfeld – Der Wunsch der Stadtverwaltung zum Bau eines Stadtarchivs auf dem Areal in der Antoniengasse hat bei den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtplanung, Umwelt und Klima am Mittwochabend keinerlei Zustimmung erfahren.

Die Ausschussmitglieder mochten sich mit den vorgelegten Zahlen und Fakten nicht so recht anfreunden. Es gebe zu viele Fragezeichen, erklärte SPD-Stadtverordneter Karsten Vollmar, der als Teilnehmer das Wort ergriff.

Für die FWG wollte Michael Barth den vorgelegten Zahlen nicht ganz trauen. Dass die Stadt bei dem auf 10,14 Millionen Euro geschätzten Bauprojekt nur 4,78 Millionen Euro selbst zu tragen habe, fand Barth mit Blick auf derzeit überall explodierende Preise im Bausektor nicht glaubwürdig. „Die neue Fuldabrücke sollte auch nur 700 000 Euro kosten und gelandet sind wir bei weit über zwei Millionen Euro.“

Barth favorisiere daher das Angebot der VR-Bank, das Archiv auf Mietbasis mit in das ehemalige Herkules-Parkhaus aufnehmen zu wollen. Diese Miet-Variante wäre auf 30 Jahre gerechnet nach den aktuell vorliegenden Zahlen zwar gut 1,8 Millionen Euro teurer, aber wie Barth sagte, eine verlässliche Größe. Und mit den gut 60 000 Euro pro Jahr mehr, könne er gut leben.

Daraufhin warf Lars Ullrich für die CDU ein, dass es hier und heute einzig und alleine darum gehe, ob sich die Stadt einen derartigen Bau leisten könne.

Auf den Hinweis von Johannes van Horrick, Fachbereichsleiter Technische Verwaltung, wonach auch das Kreisarchiv mit in den Neubau einziehen würde, aber nicht mit in das Herkules-Parkhaus, weil dort bei einer extremen Niederschlagsszenario die wertvollen Unterlagen vernichtet werden könnten, entgegnete Vollmar, dass es diesbezüglich noch gar keine konkreten Gespräche mit dem Landkreis gegeben habe. Ein Beschluss des Kreisausschusses zu dieser Thematik sei ihm jedenfalls nicht bekannt.

Stellvertretend für die drei SPD-Ausschussmitglieder stellte Vollmar fest, dass diese aufgrund der vorliegenden Unterlagen aktuell keine Empfehlung zum Bau eines Stadtarchivs an die Stadtverordnetenversammlung aussprechen werden. „Wir wollen das finanzielle Risiko derzeit nicht mittragen“, erklärte Vollmar.

154 Laternen wurden während Pilotphase auf LED-Technik umgerüstet

Martin Bode, Fachbereichsleiter Technische Dienste hat den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtplanung, Umwelt und Klima am Mittwochnachmittag in der Bad Hersfelder Stadthalle den aktuellen Sachstand bei dem Projekt „Lights-as-a-Service“ gegeben. Dabei geht es um die intelligente Steuerung der Straßenbeleuchtung in der Kreisstadt.

Für 220 000 Euro seien in den Bereichen Berliner Straße, dem Stadtring Nord – mit zum Beispiel Dippel- und Wehnebergerstraße – sowie der Eichhofsiedlung 154 Straßenlaternen von der bisherigen Quecksilberdampf- auf LED-Technik umgerüstet worden.

Dadurch, und auch weil die Beleuchtung nun verkehrsabhängig, insektenfreundlich und zeitabhängig regulierbar sei, würden pro Jahr 65 000 Kilowattstunden Strom sowie 27 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden, berichtete Bode.

So würde das „lernfähige“ und sensorgestützte System beispielsweise an der Berliner Straße die benötigte Lichtstärke selbst regulieren. Bei Nässe und reflektierender Straße würde weniger Lichtstärke gebraucht, als bei trockenen Verhältnissen.

Auch bei der gewählten Lichtfarbe könne ein Bereich zwischen 2200 und 3000 Kelvin abgedeckt werden. Der niedrigere Wert liefere wärmeres Licht mit einem orange-roten Ton, was als besonders insektenfreundlich gelte. Das werde daher meist im Frühjahr und Sommer benötigt. In der kalten Jahreszeit könne dann bei 3000 Kelvin auf kühleres, aber auch helleres Licht gesetzt werden.

In der Eichhofsiedlung seien zudem Straßenlaternen im Abstand von zehn Minuten per Bürger-App individuell beeinflussbar. In der Testphase habe es dort 400 derartige Zugriffe von 20 Nutzern gegeben.

Im kommenden Jahr sollen weitere 1500 bis 2000 Straßenlaternen auf die neue, intelligente Steuerungstechnik umgestellt werden. Das dafür benötigte Geld sei haushaltstechnisch bereits „angemeldet“ worden, so Bode.

Grüne wollen Car-Sharing etablieren

Wenn es nach den Ideen der Grünen im Bad Hersfelder Stadtparlament geht, dann könnte es in der Kreisstadt schon bald ein Car-Sharing-Angebot (sich ein Auto teilen) geben.

Das sei mit Blick auf explodierende Spritkosten und bis zu 3000 Zweitfahrzeuge, die in Bad Hersfeld zugelassen seien, ein Zukunftsmodell. Michael Schramek, geschäftsführender Gesellschafter der Eco Libro GmbH, hatte es auf Einladung der Grünen während der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Umwelt und Klima vorgestellt.

Unter anderem im Landkreis Schwalm-Eder hat Schramek mit seiner Firma Regio Mobil in den vergangenen Jahren Car-Sharing bereits etabliert.

Insbesondere für Behörden sei diese Thematik interessant, da viele Dienstfahrzeuge ja die meiste Zeit ungenutzt herumstünden. Sie könnten dann von anderen genutzt werden.

Einstimmig haben die Ausschussmitglieder diese Thematik nun an die Stadtverordnetenversammlung überwiesen. Die soll nun ihrerseits den Magistrat beauftragen, Gespräche mit Car-Sharing-Anbietern zu führen. Bei den Überlegungen soll auch an Privatleute gedacht werden, deren Autos tagsüber oft auch nicht gefahren würden.

Die Ausschusssitzung wurde dann nach mehr als dreistündiger Sitzung gegen 19.35 Uhr abgebrochen, da die Magistratsbank nicht mehr besetzt war. Ausschussvorsitzender Thomas Bös hatte darauf hingewiesen, dass der Ausschuss nicht mehr handlungsfähig sei.

(Mario Reymond)

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