Thema im Zentralausschuss der Regionalversammlung Nordhessen

Stadt Bad Hersfeld wirbt für ihr Kaufland-Projekt

Vor-Ort-Termin: Die örtlichen Gegebenheiten schauten sich die Mitglieder des Zentralausschusses im Anschluss an ihre Sitzung an. Mit dabei waren auch Vertreter der Stadtpolitik, des örtlichen Handels und der Investor. Das Bild zeigt Bürgermeister Thomas Fehling (Mitte mit schwarzem Kurzmantel) mit einigen Teilnehmern. Links daneben (mit roter Krawatte) Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber. Im Hintergrund sind die Unterführung und das neue Gebäude der Verwaltung zu sehen, links ein Teil des Schlachthofgeländes.
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Vor-Ort-Termin: Die örtlichen Gegebenheiten schauten sich die Mitglieder des Zentralausschusses im Anschluss an ihre Sitzung an. Mit dabei waren auch Vertreter der Stadtpolitik, des örtlichen Handels und der Investor. Das Bild zeigt Bürgermeister Thomas Fehling (Mitte mit schwarzem Kurzmantel) mit einigen Teilnehmern. Links daneben (mit roter Krawatte) Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber. Im Hintergrund sind die Unterführung und das neue Gebäude der Verwaltung zu sehen, links ein Teil des Schlachthofgeländes.

Die geplante Kaufland-Ansiedlung auf dem Schlachthofgelände in Bad Hersfeld war erneut Thema im Zentralausschuss der Regionalversammlung Nordhessen, dessen öffentliche Sitzung im Bad Hersfelder „wortreich“ stattfand.

Das Regierungspräsidium Kassel beziehungsweise der Zentralausschuss hatte sich bislang eher ablehnend gezeigt (wir berichteten). Dass das Thema offenbar auch viele Bürger umtreibt, zeigen zahlreiche Kommentare im Internet. Ende 2019 hatte die Stadt die notwendige Abweichung vom Regionalplan beantragt, ohne die eine Umsetzung unmöglich ist.

In seiner Präsentation für die Ausschussmitglieder ging Bürgermeister Thomas Fehling vor allem auf die offenbar immer noch kritischen Punkte – die „Knackpunkte“ – ein. So würde befürchtet, dass die neue Ansiedlung am Peterstor anderen Märkten Kaufkraft entzöge, zudem sei das Gelände nicht in die Innenstadt integriert und den geplanten Shuttle hielten viele immer noch für unrealistisch.

All dem könne er allerdings widersprechen, so Fehling, der unter anderem auf eine ergänzende GMA-Analyse verwies, die von „keiner Schädigung in gravierendem Umfang“ ausgehe. Darüber hinaus habe der Bereich Am Peterstor früher zum Kernbereich der Innenstadt gehört, bis beide Teile der Stadt durch die Bahnlinie getrennt wurden. Und zum Thema fahrerloser Shuttle sagte der Rathaus-Chef: „Das ist keine Spinnerei!“ Die Hybridfahrzeuge, die eine Mischung aus autonomen Fahrzeugen und Schienenfahrzeugen darstellten, sollen das neue Kaufland-Areal durch die vorhandene Unterführung unter der Hochbrücke mit der Innenstadt verbinden. Der Bürgermeister betonte auch noch einmal, dass nicht nur die städtischen Gremien geschlossen hinter dem Vorhaben stünden, sondern auch der Stadtmarketingverein und die Händler in der Innenstadt, die sich eine „Magnetwirkung“ erhofften.

Darauf ging dann auch Investor Walter Rossing noch einmal ein, der sich ebenfalls den vielen Fragen der Ausschussmitglieder stellte. „Kaufland ist ein Wunsch der Bevölkerung und wir wollen etwas für die Innenstadt tun“, so Rossing. „In diesem speziellen Fall wäre eine Abweichung vom Regionalplan richtig.“

Informationen in Wort und Bild: Thomas Fehling bei der Präsentation des Projekts, das auch einen Shuttle in die Innenstadt beinhaltet.

Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber hatte vorab darauf hingewiesen, dass in der jüngsten Sitzung des Bad Hersfelder Haupt- und Finanzausschusses sowie in den Medienberichten der falsche Eindruck entstanden sei, das Projekt sei überhaupt erst genehmigungsfähig, wenn auch über den ICE-Halt entschieden sei. „Das ist so nicht richtig.“

Von den tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten und den realen Entfernungen konnten sich die Ausschussmitglieder schließlich noch bei einem Vor-Ort-Termin einen Eindruck verschaffen. Die nächste Sitzung des Zentralausschusses ist für den 23. November geplant.

Regionalplan und Regionalversammlung

Der Regionalplan Nordhessen legt im Sinne der übergeordneten Regionalplanung die großräumigen Ordnungs- und Entwicklungsvorstellungen für den Regierungsbezirk Kassel fest. Er soll den planerischen Rahmen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region im Einklang mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen darstellen. Träger der Regionalplanung sind die Regionalversammlungen. Ein Organ der Regionalversammlung ist der Zentralausschuss, dem als planerische Angelegenheit unter anderem die Anträge auf Abweichung vom Regionalplan zur Vorbereitung der Beschlussfassung durch die Regionalversammlung übertragen wurden. Der Zentralausschuss besteht aus 15 Mitgliedern, darunter Manfred Fehr (SPD, Rotenburg) und Walter Glänzer (CDU, Neuenstein). (nm)

Fragen und Antworten zu Kaufland

Warum soll Kaufland auf das Schlachthof-Gelände?

Die Entwicklung des Schlachthof-Geländes ist seit geraumer Zeit Thema, so gab es auch mal den Plan, die Post dorthin zu „verlagern“. Und ein anderes Grundstück für Kaufland direkt in der Innenstadt sei schlicht nicht vorhanden gewesen, wie Investor Walter Rossing jetzt im Zentralausschuss berichtete. Der ansässige Zerlegebetrieb der RVF soll ins Gewerbegebiet Haune II/ In den Giesen umziehen. Der Fleisch- und Wurstverkauf soll künftig bei Kaufland stattfinden. Als „einfache“ Alternative böte sich laut Bürgermeister das Wever-Areal an, dann fiele aber der soziale Wohnungsbau weg. „Wir machen uns durchaus Gedanken um die Stadtentwicklung.“

Warum ist ein weiterer Supermarkt notwendig?

Der Lebensmittelvollsortimenter soll Kunden locken, die günstig einkaufen wollen, zudem kauften viele Innenstadtbewohner aktuell auf dem Johannesberg oder der Hohen Luft ein. Mit dem Wegfall der beiden großen Märkte Edeka und Herkules ist laut Fehling zuletzt viel Verkaufsfläche verloren gegangen. Die Bevölkerung hingegen habe in den letzten zehn Jahren um fünf Prozent zugenommen. Die beantragte Verkaufsfläche beträgt 4000 Quadratmeter, tatsächlich seien es aber nur 3500, so Rossing. Kaufland sei auf Lebensmittel und Drogerieartikel fokussiert, übrige Waren machten nur zehn Prozent der Verkaufsfläche aus.

Woher sollen die Shuttle-Fahrzeuge kommen?

Vom Münchener Start-Up Dromos, das den Stadtverkehr im 21. Jahrhundert optimieren will. Die kleinen Shuttle könnten ohne Probleme in der Unterführung fahren, die sowieso neu gestaltet werden müsse. Noch kosteten sie um die 200 000 Euro, in Serienproduktion seien sie aber wesentlich günstiger. Solche Shuttle könnten irgendwann vielleicht sogar zum Klinikum oder in die Ortsteile fahren.

Wer oder was ist GMA?

Stets ist vom GMA-Gutachten die Rede. GMA steht für Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH. Sie ist eigenen Angaben nach ein seit 50 Jahren anerkanntes unabhängiges Beratungsunternehmen für alle Fragen der Einzelhandels-, Immobilien-, und Stadtentwicklung. (Nadine Maaz)

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