Pröpstin Sabine Kropf-Brandau bleibt in Bad Hersfeld

Sprengel Hersfeld wurde aufgelöst: Das sind die Gründe und die Folgen

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Neue Aufgaben: Pröpstin Sabine Kropf-Brandau ist jetzt auch für den ehemaligen Sprengel Hanau zuständig. Das neue Schild für den Sprengel Hanau-Bad Hersfeld wird demnächst montiert.

Bad Hersfeld. Seit Jahresbeginn gehören die Kirchenkreise Hersfeld, Rotenburg und Schmalkalden zum neuen Sprengel Hanau-Bad Hersfeld. Die Pröpstin bleibt trotzdem in Hersfeld.

Diesem gehören außerdem die Kirchenkreise Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau an. Der Schwalm-Ederkreis mit den Kirchenkreisen Fritzlar, Homberg, Ziegenhain und Melsungen ist nun Teil des Sprengels Marburg.

Sabine Kropf-Brandau bleibt jedoch weiterhin Pröpstin und sie wird ihren Dienstsitz auch in Bad Hersfeld behalten.

Über die Hintergründe der Umstrukturierung und die Auswirkungen sprachen wir mit der Stellvertreterin des Bischofs vor Ort.

Warum wurde der Sprengel Hersfeld aufgelöst?

Der demografische Wandel und die gesellschaftliche Entwicklung gehen auch an den Kirchen nicht spurlos vorüber. Da es immer weniger Kirchensteuerzahler gibt, muss die Kirche sparen und Strukturen verändern. Auf allen Ebenen sollen 25 Prozent der Kosten eingespart werden. Das geschieht durch Zusammenlegungen von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen, Reduzierung von Stellen und eben durch eine Neustrukturierung der Sprengel.

Wer hat das beschlossen?

Die Landessynode. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Sprengel erst im Jahr 2026 umstrukturiert werden sollten, erläutert Pröpstin Sabine Kropf-Brandau. Die vier Pröpste, zu deren Aufgaben die Betreuung der Pfarrerinnen und Pfarrer gehört, wollten zunächst die Kürzungen und Zusammenlegungen in den Gemeinden und Kirchenkreises begleiten.

Doch dann veränderte sich die Situation, weil Prälatin Marita Natt vorzeitig in den Ruhestand ging, der Hanauer Propst ihr Nachfolger wurde und die Stelle in Hanau vakant war. Nun gab es die Option, die Stelle in Hanau neu zu besetzen und dem neuen Propst ab 2026 den Sprengel Hanau-Hersfeld zu übertragen oder aber die Zusammenlegung der Sprengel 2019 zu vollziehen. Die Synode votierte im Frühjahr 2018 für die zweite Variante.

Gab es keinen Protest gegen die Zusammenlegung?

Oh doch. Vor allem die Auflösung des Sprengels Hersfeld, des einzigen ländlichen Sprengels in der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, löste heftige Proteste aus. Doch setzten sich andere mögliche Varianten mit Veränderungen in allen Sprengeln nicht durch.

Wo ist der Sitz des neuen Sprengels?

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau bleibt in Bad Hersfeld. Das hat sie sich ausbedungen, weil ein Umzug nach Hanau sich mit der Tätigkeit ihres Mannes nicht vereinbaren ließe. Später soll der Sitz des Sprengels aber in Hanau sein. Im Gespräch war auch eine Verlegung nach Fulda, etwa in die Mitte des Sprengels.

Welche Auswirkung hat die Auflösung des Sprengels auf die Kirchengemeinden?

Für die Gemeindeglieder wird es kaum Auswirkungen geben. Sabine Kropf-Brandau wird allerdings nicht mehr so häufig wie bisher in den Gemeinden präsent sein können. „Das werde ich vermissen“, sagt sie.

Wie will die Pröpstin ihre neuen Aufgaben angehen?

„Jeder Propst hat die Freiheit, sein Amt selbst zu definieren“, sagt Kropf-Brandau. Für sie war die Seelsorge für die Pfarrerinnen und Pfarrer immer ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Sie betreut jetzt 200 Gemeindepfarrer und 80 landeskirchliche Pfarrer, vorher waren es etwa 100 Pfarrerinnen und Pfarrer weniger. Eine Herausforderung sieht sie in den sehr unterschiedlichen Strukturen: Ländlich mit hoher kirchlicher Verbundenheit im Sprengel Hersfeld, städtisch mit nur elf Prozent evangelischen Kirchengliedern in Hanau. „Ich habe hoch motivierte, innovative Pfarrer kennengelernt“, freut sie sich auf neue Impulse. Um die Fahrzeiten ein wenig zu reduzieren, will sie möglichst ganze Tage in Hanau präsent sein. Das Bibelwort „Sei getrost und unverzagt. Der Herr ist bei Dir“ (Josua 1) nimmt sie sich als Motto.

Hintergrund: Sprengel und die Aufgaben der Pröpste

- Sprengel bezeichnet heute in einigen evangelischen Landeskirchen, unter anderem in Kurhessen-Waldeck, den Wirkungsbereich von Regionalbischöfen. Sie tragen Dienstbezeichnungen wie Landessuperintendent oder Propst. Jeder Sprengel ist üblicherweise ein historisch gewachsener kirchlicher Lebensbereich evangelischer Christen und wird nicht nur als mittlere Verwaltungsebenen in der Hierarchie der Evangelischen Kirche verstanden, sondern als Summe aller Angebote und Aktivitäten von Christen in Kirchengemeinden und -kreisen. Der historischen Entwicklung geschuldet ist auch die Zugehörigkeit des thüringischen Kirchenkreises Schmalkalden zum Sprengel Hersfeld. 

- Die Pröpstinnen und Pröpste nehmen geistliche Leitungsaufgaben in ihrem Sprengel war. Sie bilden neben der Landessynode, dem Bischof, dem Rat der Landeskirche und dem Landeskirchenamt ein eigenständiges kirchenleitendes Organ. Als Vertretungen des Bischofs stärken sie das geistliche Element in der jeweiligen Region. Zu den Aufgaben der Pröpste gehören unter anderem die Begleitung der Ausbildung der Vikare, übergemeindliche Aufgaben in Zusammenarbeit mit den Dekanaten und kirchlichen Werken, die Vertretung der Landeskirche bei vielen Veranstaltungen und Anlässen, die Mitarbeit in diakonischen Einrichtungen und die Beratung des Bischofs. 

- Sabine Kropf-Brandau stammt aus dem Bad Hersfelder Stadtteil Sorga. Nach dem Abitur in Bad Hersfeld studierte sie evangelische Theologie, Judaistik und Seelsorge. Nach ihrem Vikariat in Vellmar-West begann sie 1989 ihre Hilfspfarrzeit in Stellenteilung mit ihrem Ehemann Dr. Robert Brandau als Studentenpfarrerin in Kassel. Später war sie Gemeindepfarrerin in Obervellmar. Seit 2002 ist sie Mitglied der Theologischen Kammer der Landeskirche. Kropf-Brandau gehört zudem weiteren Gremien an. 2010 wurde Sabine Kropf-Brandau Pröpstin des Sprengels Hersfeld. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Am 3. Februar wird sie um 14 Uhr in der Marienkirche in Hanau vorgestellt. (zac)

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