Schöffengericht Bad Hersfeld

Spielhallen-Überfall: Maskenmann in Jogginghosen

Vor dem Schöffengericht Bad Hersfeld hat ein Indizienprozess um einen Spielhallen-Überfall vom vergangenen Oktober in der Webergasse begonnen. 

Nur eine gute halbe Stunde dauerte der Verhandlungstag vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld im Prozess um einen Spielhallen-Überfall vom 5. Oktober 2018: Weil der Angeklagte seit diesem Tag in Untersuchungshaft saß, drohte nach Ablauf der Sechs-Monats-Frist seine Entlassung. Mit Eröffnung des Verfahrens, das in der kommenden Woche fortgesetzt wird, war diese Klippe jedoch umschifft.

Dem 37 Jahre alten Italiener aus Bad Hersfeld wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in einer Spielothek in der Webergasse gegen 2.30 Uhr die Aufsicht mit einem Taschenmesser bedroht und auf Italienisch die Herausgabe der Tageseinnahmen verlangt zu haben. Mit Bargeld in Höhe von 600 Euro zog der maskierte Räuber, der eine Jogginghose getragen hatte, von dannen.

Vor Gericht in der Jogginghose

Der Angeklagte, der im Gerichtssaal ebenfalls in Jogginghose erschien, räumte ein, in besagter Nacht dort gespielt zu haben – allerdings nur bis etwa 1.30 Uhr. Er habe etwas Geld verloren, berichtete der Italiener, doch in den Tagen zuvor vier- bis fünftausend Euro gewonnen.

Anschließend sei er kurz nach Hause, um zwei oder drei Linien Kokain durch die Nase zu ziehen, und habe schließlich eine weitere Spielhalle in der Breitenstraße besucht. Dort erreichte ihn dann der Anruf eines Bekannten, der ihn nach Hause bestellte. Dort wartete dann auch schon die Polizei.

Griff in die Kasse hätte er nicht nötig gehabt

Bei dem Festgenommenen wurden dann nicht etwa mehrere tausend Euro aus den angeblichen Spielgewinnen der Vortage gefunden, sondern etwa 600 Euro – also ziemlich genau die Höhe der Beute aus dem Überfall in der Webergasse. Dies sei nur der Rest von seinem Geld gewesen, beteuerte der Angeklagte, der das Meiste für Drogen und Bekleidung ausgegeben haben wollte. Außerdem habe er eine feste Arbeit und erhalte entsprechenden Lohn. Den Griff in die Spielhallen-Kasse habe er also gar nicht nötig gehabt, sagte er.

Ein Rechtsgespräch zwischen dem Gericht mit Richterin Silvia Reidt an der Spitze, Staatsanwalt Andreas Hellmich und der Verteidigung blieb ohne Einigung. Durch einen sogenannten Deal – bei einem Geständnis wäre eine mildere Strafe verhängt worden – hätte der Prozess einfacher und schneller beendet werden können.

So aber treffen sich alle Beteiligten am nächsten Dienstag, 9. April, wieder – dann auch mit dem psychiatrischen Gutachter Dr. Helge Laubinger, der zur Suchtproblematik des Angeklagten Stellung beziehen wird.

VON KARL SCHÖNHOLTZ

Die Verhandlung ist öffentlich. Beginn im Saal 8 des Amtsgerichts in der Dudenstraße ist um 13.45 Uhr.

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