Gericht spricht 37-Jährigen frei

Spielhallen-Überfall in Hersfeld: Indizien gegen Pizzabäcker reichten nicht

Der Verdacht lag nahe, es gab einige Hinweise, doch am Ende reichte es nicht: Das Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht hat einen 37 Jahre alten Pizzabäcker freigesprochen.

Dem Mann war vorgeworfen worden, am 5. Oktober vergangenen Jahres eine örtliche Spielhalle überfallen und dabei 600 Euro Bargeld erbeutet zu haben.

Der Angeklagte, ein Italiener, der erst einige Wochen zuvor nach Bad Hersfeld gekommen war und der ausschließlich seine Muttersprache spricht, war letzter Gast in der Spielothek in der Webergasse gewesen, ehe eine Stunde später gegen 2.36 Uhr ein maskierter Mann gleicher Statur, der ebenfalls Italienisch sprach, mit einem ungeöffneten Taschenmesser herumfuchtelte und von der Aufsicht die Herausgabe der Tageseinnahmen verlangte.

Der 37-Jährige wurde nach entsprechenden Hinweisen der Zeugin noch in derselben Nacht nach dem Besuch einer weiteren Spielhalle in der Breitenstraße festgenommen. Bei ihm fand sich ein Geldbetrag von rund 600 Euro, jedoch nicht die Kleidung und auch nicht die auffälligen Schuhe, die der Täter auf den Videoaufnahmen der Überwachungskamera getragen hatte.

Für Staatsanwalt Andreas Hellmich reichten die Indizien aus, auch hätte der Angeklagte genügend Zeit gehabt, sich für den Überfall und danach umzuziehen. Der Staatsanwalt sah allerdings nur einen „minderschweren Fall des schweren Raubes“ und beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Silvia Reidt folgte jedoch dem Antrag der Verteidigung auf Freispruch und verwies dabei insbesondere auf die wenig belastbare Aussage der Spielhallen-Aufsicht, die sich in vielen Punkten nicht mehr erinnerte. (ks)

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