1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Sopranistin Anna Gann arbeitet mit Stimmen

Erstellt:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

null
Fröhliche Musikmäuse: Konzertsopranistin Anna Gann aus Meiningen (rechts) gibt für die Kinder und die erwachsenen Sängerinnen und Sänger der Hersfelder Kantorei Gesangsunterricht und Stimmbildung. Foto: Zacharias

Die Konzertsopranistin Anna Gann ist in Bad Hersfeld nicht nur als Solistin von Konzerten der Kantorei bekannt, sie kommt auch regelmäßig, um Kindern und Erwachsenen Gesangsunterricht zu geben und ihre Stimmen auszubilden.

Bad Hersfeld. Singen hat Anna Gann schon als Kind Freude gemacht. Dass sie daraus einmal ihren Beruf machen würde, das konnte sie sich allerdings nicht vorstellen.

Stattdessen studierte sie katholische Theologie und Soziologie in Münster und begann, aus Freude am Gesang, in einem Chor zu singen. Bald gab es erste kleine Auftritte – nur so aus Spaß, sagt Anna Gann. Sie nahm Gesangsunterricht und arbeitete an ihrer Stimme und merkte, dass die Musik doch eine größere Rolle in ihrem Leben spielen könnte.

Sie arbeitete weiter an ihrer Stimme und sang immer öfter bei Konzerten und erhielt den zweiten Preis beim Euregio-Vokalistenwettbewerb in den Niederlanden (1998) sowie den ersten Preis beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Nordrhein-Westfalen (1999).

Doch auch ihr Studium und die freie Mitarbeit bei verschiedenen ARD-Hörfunkredaktionen machten ihr viel Spaß. Eigentlich wollte Anna Gann die Arbeit beim Radio und den Gesang parallel laufen lassen, „doch da hatte ich das Gefühl, dass die Musik zu kurz kommt.“

Gefragte Konzertsopranistin

Inzwischen ist Anna Gann eine gefragte Konzertsopranistin, die unter anderem in Bad Hersfeld in der Stadtkirche regelmäßig zu hören ist. Sie nahm CDs auf mit biblischen Liedern und mit Kammermusik für Sopran, Querflöte und Harfe. Seit 2008 ist sie Mitglied des Trio Saphiro mit Gunter Sieberth (Oboe) und Bettina Linck (Harfe) und hat auch mit dem Trio viele Konzerte gespielt.

Dabei hat die Opernbühne Anna Gann nicht gereizt. „Ich fühle mich wohl in der Kirchenmusik“, sagt sie. Deshalb singe sie auch gerne in Gottesdiensten.

Ein besonders Anliegen ist Anna Gann die Verbindung ihres künstlerischen Wirkens mit ihrem theologischen Wissen, ihren religiösen Überzeugungen und mit Erinnerungsarbeit. Aus einer Radiosendung über den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn ist so ein Programm mit Texten von Mendelssohn und Musik jüdischer Komponisten entstanden.

Gemeinsam mit der Pianistin Naoko Christ-Kato widmet sie sich als Gernsheim-Duo der Wiederentdeckung und Aufführung von Werken vergessener jüdischer Komponisten des 19. Jahrhundert. Mit dem Programm „Eine Melodie singt mein Herz, die du gesungen ...“ sind die beiden Frauen aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am kommenden Sonntag, 28. Januar, ab 17 Uhr im Martin-Luther-Haus in Bad Hersfeld am Kirchplatz zu Gast.

Viel lernen und üben

Doch Anna Gann kommt nicht nur zu Konzerten nach Bad Hersfeld. Seit 2014 ist sie immer mittwochs in der Stadt und gibt Gesangsunterricht, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, die in verschiedenen Ensembles der Kantorei mitsingen. Das Angebot, so betont sie, sei freiwillig und hilfreich vor allem für diejenigen, die ein Solo singen wollten. Ihre Schülerinnen und Schüler lernen, mit ihrer Stimme umzugehen, nehmen oft ihre eigene Stimme erstmals bewusst einzeln wahr.

„Man kann beim Singen sehr viel lernen und üben“, sagt Anna Gann. Und selbst wenn es nicht um solistische Ambitionen geht: Auch der große Chor klingt besser, wenn die Mitglieder mit ihrer Stimme umgehen und wissen, wie sie sie einsetzen können, ist sie überzeugt.

Von Christine Zacharias

Auch interessant

Kommentare