Bei den Bad Hersfelder Festspielen steht er in "Peer Gynt" auf der Bühne

Sonntagskind spielt böse: André Hennicke macht nur in Hersfeld Theater

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Die Haare sind ab: Für seine Rolle in dem Film „Narziß und Goldmund“ muss André Hennicke Glatze tragen. In diesem Jahr spielt er verschiedene Rollen in „Peer Gynt“.   

Bad Hersfeld. Der Film ist André Hennickes eigentliches Metier. Für die Bad Hersfelder Festspiele und die Stiftsruine macht er allerdings eine Ausnahme. 

André Hennicke hat Haare gelassen. Kahl rasiert sitzt er im Café und erzählt von seinem nächsten Filmprojekt, für das Hennicke mit Glatze gebraucht wird: In einer Verfilmung des Romans „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse wird er einen katholischen Fanatiker spielen. Regie führt Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky.

Der Film ist André Hennickes eigentliches Metier. Dass er in Bad Hersfeld wieder auf einer Theaterbühne spielt, liegt an Dieter Wedel und an der Stiftsruine. Wedel war es, der Hennicke für seine „Hexenjagd“ nach Bad Hersfeld geholt und auch in diesem Jahr für sein „Karlos-Projekt“ verpflichtet hatte. Nach einem Gespräch mit Regisseur Robert Schuster, bei dem sie feststellten, dass sie beide aus Sachsen stammen, beschloss Hennicke stattdessen in der Peer-Gynt-Inszenierung mitzuwirken. Dort spielt er verschiedene Rollen, unter anderem den Cotton, den Richter und Peer, den Geschäftsmann.

Eindrucksvoller Raum

„Ich habe nicht vor, zum Theater zurückzukehren“, sagt André Hennicke. Nur in der Stiftsruine wolle er gerne spielen, das sei ein eindrucksvoller offener Raum. Mit gemischten Gefühlen erinnert Hennicke sich an sein erstes Theaterengagement nach dem Studium in Senftenberg. Das sei ein kleiner Raum ohne Fenster gewesen und die diversen menschlichen Gerüche aus dem Zuschauerraum seien auf die Bühne gewabert. Nach wenigen Jahren kündigte er und ging zum Film, erzählt er. Und da fühlt er sich heute noch wohl.

Nach Bad Hersfeld allerdings würde André Hennicke immer wieder kommen. „Das ist so eine Art künstlerische Heimat geworden“, erzählt er. Hier könne man Bindung aufbauen und die Kollegen richtig gut kennenlernen, das habe ein wenig den Charakter eines Kreuzfahrtschiffes.

Hohe Qualität

„Die Festspiele in Bad Hersfeld stellen eine hohe Qualität für alle Ansprüche zur Verfügung“, hat Hennicke festgestellt. Peer Gynt biete sowohl spektakuläre Unterhaltung als auch Stoff zum Nachdenken. „Ein paar Leute hauen immer ab, aber die, die bleiben, sind echt begeistert“, nimmt er es gelassen, dass sich nach wie vor einige Zuschauer von dem Stück überfordert fühlen.

Am Film reizt André Hennicke nicht nur das Spielen, er liebt es auch zu reisen, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. „Das wollte ich schon als Junge“, erzählt er und ist froh, dass seine Mutter darauf bestand, dass er Hochdeutsch sprach. „Mit Erzgebirgisch wäre ich nicht weit gekommen“, sagt er und legt sofort mit seinem Dialekt los, der sich in der Tat nicht sofort erschließt.

„Nein“, sagt Hennicke, noch bevor die Frage, ob er in seinen Filmen immer nur die Bösen spielt, fertig gestellt ist. Allerdings seien schon 70 Prozent seiner Rollen böse. „Ich mach das auch gut“, gibt er unumwunden zu. Bei bösen Rollen könne man über Grenzen gehen, die man im Alltag habe, ohne dabei jemandem weh zu tun. Das findet er reizvoll. „Man wird dafür geliebt, dass man möglichst viele Leichen hinterlässt“, scherzt Hennicke und erzählt von seinen nächsten Projekten. Nach „Narziß und Goldmund“ kommt ein Tatort mit Richy Müller, wo er einen Sektenführer spielt und dann ein Spionagethriller für die ARD.

„Ich habe viel Glück gehabt im Leben“, sagt Hennicke. „Ich bin eben ein Sonntagskind!“ Und dann zieht er los in die Maske, um sich für die nächste Aufführung fertigmachen zu lassen. (zac)

Zur Person:

André M. Hennicke wuchs in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge auf und studierte Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Er spielte im Fernsehen in den Serien Polizeiruf 110, Tatort, Bella Block und vielen anderen mit sowie in mehr als 150 Filmen, darunter „Der Untergang“ oder „Sophie Scholl“. 

Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Kunstpreis des DGB (1989) und dem Deutschen Fernsehrpreis als bester Schauspieler. Hennicke, der im September 60 Jahre alt wird, verfasste auch mehrere Drehbücher und schrieb einen Roman. Er lebt in Berlin. Quelle: Wikipedia

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