Zwischen den Zeilen

Sonnenschein, Urlaub, Bahn und Erfolg

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Karl Schönholtz

In seiner Wochenkolumne schreibt Karl Schönholtz über einen Bürgermeister der vermisst wurde und einen, der lieber nicht protestiert und über seltsame Blüten im Wahlkampf.

Na, wenn das kein Lullusfest wie aus dem Bilderbuch ist: Von der Sonne beschienen, beste Feier-Atmosphäre, viele Besucher und Highlights wie zuletzt das höchst vergnügliche Konzert mit den Rodgau Monotones – das hätte man sich alles besser nicht wünschen können. Weil das Fest bisher auch weitgehend friedlich verlief, ist die Generalprobe für den Hessentag im kommenden Jahr nach Stand der Dinge in jeder Hinsicht gelungen.

Im Hintergrund allerdings gibt es die eine oder andere Verstimmung: So waren dem Vernehmen nach die Schausteller schon enttäuscht, dass beim gemeinsamen Treffen mit der Lullusfest-Kommission ausgerechnet Bürgermeister Thomas Fehling durch Abwesenheit glänzte. Urlaub, hieß es aus dem Rathaus lapidar. Wie so oft ließ sich Fehling durch den rührigen Ersten Stadtrat Gunter Grimm vertreten, der aber eben nicht der Bürgermeister ist.

Hoffen wir mal, dass dieser Punkt nicht auch ein Beispiel für den Hessentag war.

Beleuchtung defekt

Apropos Hessentag: Weil der Bad Hersfelder Bahnhof für viele Festbesucher das Eingangstor zur Stadt sein wird, wünschen wir uns auch hier noch ein paar Verbesserungen. Ob bis dahin ein Betreiber für den seit Jahren verwaisten Reise-Shop gefunden wird – daran mag ich nicht wirklich glauben. Aber die bunte Beleuchtung in der Unterführung zu den Bahnsteigen sollte dann wieder funktionieren. Die ist momentan durch einen technischen Defekt ausgeschaltet, doch das Technische Rathaus ist an der Sache dran.

Und dann wären da noch die elektronischen Anzeigen. Angeblich will die Bahn demnächst – und durchaus mit Blick auf den Hessentag – etwas Besseres und Informativeres als die dürftigen Laufschriften spendieren, die gerade mal die Uhrzeit und Verspätungsmeldungen zeigen. Genaueres wissen wir jedoch nicht.

Neue Zugzielanzeigen – das wäre dann auch angemessener Standard für einen Bahnhof, der auch nach dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember ausgesprochen gut an den Fernverkehr angebunden ist. Die bisherigen ICE-Halte bleiben bestehen, einige Anschlüsse am Knotenpunkt Erfurt werden verbessert.

"Vergebliche Liebesmüh"

Was die Hersfelder erfreut zur Kenntnis nehmen durften, das muss Pendler und Reisende in der Eisenbahnerstadt Bebra betrüben: Von den ohnehin nur wenigen Intercity-Verbindungen verbleibt nur noch ein Zugpaar zwischen Kassel und Gera.

Wer nun mit einem Aufschrei aus dem Bebraer Rathaus gerechnet hat, der sieht sich allerdings getäuscht: Bürgermeister Uwe Hassl, der sich per Mail kritisch zu unserer Berichterstattung geäußert hatte, bezeichnete Protest und Resolutionen als „vergebliche Liebesmüh’“. Außerdem machte er sich das Argument der Bahn von der Unwirtschaftlichkeit des IC-Halts in Bebra zu eigen.

Dazu fällt mir eigentlich nur das berühmte hessische Fragewort mit den zwei Buchstaben ein: Hä?

Wahlkampfblüten

Der Wahlkampf treibt mitunter seltsame Blüten: Nachdem die Gemeinde Eiterfeld im neuen Zuschnitt der Wahlkreise Bad Hersfeld zugeschlagen wurde, fragte die SPD per Plakat provokant: „Eiterfeld nach Hersfeld?“ und suggerierte offenbar eine Gebietsreform.

Das empörte nicht nur den CDU-Kandidaten Andreas Rey, sondern auch den Kreisverband Fulda seiner Partei. Flugs wurde eine Pressemitteilung aufgesetzt, die alle Gerüchte um eine Veränderung der Landkreisgrenzen ins Reich der Fabel verwies. Nichts Derartiges sei geplant, nie ein Thema gewesen, und selbstverständlich gehöre Eiterfeld weiter zum „erfolgreichen Landkreis Fulda“.

Hmm. Und was heißt das nun im Umkehrschluss? Also, das mit dem Erfolg? Herr Rey: Bitte erklären Sie!

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