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So bleiben die Kirchen im Dorf: Im Kirchenkreis gibt es 96 denkmalgeschützte Gotteshäuser

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Von: Christine Zacharias

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Vorweihnachtliches Bad Hersfeld: Weithin sichtbar ist wieder der Adventskranz auf der Bad Hersfelder Stadtkirche. Für den Erhalt von Kirchengebäuden gibt es einen Fonds.
Vorweihnachtliches Bad Hersfeld: Weithin sichtbar ist wieder der Adventskranz auf der Bad Hersfelder Stadtkirche. Für den Erhalt von Kirchengebäuden gibt es einen Fonds. © Wolfgang Broisen

Mit jedem Jahr werden die Kirchen baufälliger, die Gemeindeglieder weniger und damit das Geld knapper. Eine Stiftung hilft:

Hersfeld-Rotenburg – Sie sind oft Jahrhunderte alt und prägen das Ortsbild. Sie haben Freude und Andacht und sehr viel Trauer erlebt: Etwa 11 000 Kirchengebäude gibt es im Bereich der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 945 davon stehen unter Denkmalschutz. Allein im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es 96 denkmalgeschützte Gebäude. Diese Gebäude zu erhalten ist eine gewaltige Aufgabe.

Denn mit jedem Jahr werden die Kirchen baufälliger und die Gemeindeglieder weniger, das Geld also knapper erklärt Pfarrer Thomas Funk aus Neukirchen. Er hat selbst mehrere alte Kirchen in seinen Gemeinden und ist zudem Mitglied der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds, die die Gemeinden bei der Innensanierung der Kirchen, bei der Instandhaltung von Orgeln und Kunstwerken unterstützt.

„Die Kirche bleibt im Dorf, solange das Dorf in der Kirche bleibt“, zitiert Pfarrer Funk einen Kollegen. Die Identifikation der Menschen mit ihrer Kirche sei gerade in den Dörfern hoch, auch wenn sich das meist nicht im Gottesdienstbesuch widerspiegele.

Dieses Identifikationsgefühl will die Stiftung stärken und damit den Gemeinden zu Geld für die Sanierung verhelfen, erklärt Funk. Die Gemeinden können ihre Sanierungsprojekte bei der Stiftung anmelden. Wenn sie damit auf die Projektliste kommen, haben sie ein gewisses Zeitfenster, um mit verschiedenen Aktionen Geld zu sammeln. Diese Summe wird dann durch die Stiftung verdoppelt. „Es ist erstaunlich, was für tolle Ideen die Gemeinden da haben“, sagt Funk, der schon oft beobachtet hat, dass auch die Gemeinschaft und das Zugehörigkeitsgefühl zur Kirche dabei gestärkt werden.

Seit dem Jahr 2000 hat die Stiftung über 800 Bauvorhaben in der Landeskirche mit insgesamt 18 Millionen Euro gefördert.

Wenn dann auch das Außengebäude saniert werden muss, wird es meist viel teurer als bei der Innensanierung. Und oft ist es dringlich, weil das Dach ein- oder ein Turm abzustürzen droht. „Wir haben einen ständigen Sanierungsstau“, sagt Funk.

Stiftung Kirchenerhaltungsfonds

Die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und damals mit einem Stiftungskapital von 30 Millionen Mark ausgestattet. Dieser Betrag wurd später aufgestockt und beträgt jetzt 30 Millionen Euro. Der Betrag wird nicht angetastet, die Ausschüttung erfolgt aus der Verzinsung, die allerdings in den letzten Jahren aufgrund der Niedrigzinspolitik gesunken ist. 2021 wurden 636 000 Euro verteilt.

„Noch keine baufällige Kirche aufgegeben“

Kirchen einfach auf- und dem Verfall preiszugeben, das ist trotz sinkender Mitgliederzahlen und damit sinkender Einnahmen zumindest im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg bisher noch kein Thema.

„Wir haben im Kirchenkreis eine Rücklage für Notfälle“, erläutert Pfarrer Thomas Funk, Mitglied der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds. Notsicherungen, also wenn ein Dach einzustürzen droht oder der Putz in großen Stücken von den Wänden fällt, könnten also immer dann vorgenommen werden, wenn sie nötig seien. Dabei habe Substanzerhaltung Vorrang vor der Schönheit. Grundsätzlich, so Funk, müsse man darüber nachdenken, ob bei der Sanierung von Kirchen die Maximallösung notwendig sei oder ob man auch günstiger arbeiten könne.

Akute Notfälle seien aber nicht mehr so häufig wie früher, erklärt Funk. Das liege unter anderem daran, dass das Gebäudemanagement der Landeskirche den Zustand der Gebäude im Blick habe und dazu beitrage, dass Sanierungsgeld sinnvoll eingesetzt werde. Generell müsse, so Funk, immer abgewogen werden, wie groß die Schäden seien, wie dringlich die Sanierung, wie stark die Kirche genutzt werde und auch, wie kunsthistorisch wertvoll ein Gebäude sei. „Zurzeit haben wir Großschadenslagen in Nentershausen und Widdershausen. Die Sanierung wird wohl jeweils eine halbe Million kosten. Da kann man pro Jahr nur eine Kirche machen“, erklärt Funk. Es sei ein ständiges Jonglieren, „aber bisher haben wir noch keine baufällige Kirche aufgegeben“, betont er.

Finanziert werden die Außensanierungen durch die Landeskirche, den Kirchenkreis und die Gemeinde. Auch der Denkmalschutz unterstütze und beteilige sich bei besonderen Kirchen. Hilfreich sei zudem, so betont Funk, der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD), dem es oft gelinge, für die Sanierung herausragender Kulturdenkmäler Bundesmittel zu akquirieren. Als Beispiel nennt Funk die Kirche in Odensachsen mit ihrer außergewöhnlichen Bemalung, die in mehreren Bauabschnitten für insgesamt 1,2 Millionen Euro innen und außen saniert wurde. Hierfür habe der Denkmalschutz 50 000 Euro beigetragen und Michael Roth habe 80 000 Euro aus Bundesmitteln beisteuern können.

Die Kirchengemeinde sammelte 35 000 Euro an Spenden, die durch die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds verdoppelt wurden. Der Großteil des Geldes für die Sanierung stammte jedoch aus Kirchenbaumitteln, erklärt Funk. Auch wenn noch kein Kirchengebäude im Landkreis aufgegeben wurde, gebe es durchaus Gotteshäuser, die kaum noch genutzt würden, sagt Pfarrer Thomas Funk. Über deren Zukunft müsse man ebenso nachdenken wie über den Umgang mit nicht mehr benötigten Pfarrhäusern und auch Gemeindehäusern. Die Kirche befinde sich in einem Reformprozess, es müsse gespart und damit auch bei den Pfarrstellen gekürzt werden. „Dann bleiben Pfarrhäuser übrig“, sagt Funk. Wie mit diesen Immobilien umzugehen sei, darüber gebe es unterschiedliche Meinungen. Die einen wollten sie so schnell wie möglich verkaufen, andere plädierten dafür, sie zu behalten und zu vermieten, weil der Wert von Immobilien derzeit sehr hoch sei.

Grundsätzlich, macht Funk klar, könnten kirchliche Gebäude aber nur erhalten werden, wenn sie von den Menschen auch genutzt würden. Wenn kein Interesse mehr an Kirche bestehe, sei auch das Gebäude nicht mehr nötig. (Christine Zacharias)

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