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Simon Mazouri ist ein „Volpone“ mit Rhythmusgefühl

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Von: Laura Hellwig

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Das Schlagzeug ist Teil von Simon Mazouris Solo-Programm „Hamlet Variationen“, zu sehen am 1. August in der Probenbühne im Park.
Seit seiner Kindheit spielt Simon Mazouri Schlagzeug. Für unseren Fototermin haben wir uns im Musikhaus Döpper in Bad Hersfeld getroffen. © Laura Hellwig

Simon Mazouri spielt in der Eichhof-Komödie „Volpone“ die Titelfigur. Nicht nur dort beweist der Schauspieler viel Gefühl für den richtigen Rhythmus.

Bad Hersfeld – Er spielt alles, wo man draufhauen kann: Sein Hauptinstrument ist das Schlagzeug, gefolgt von Percussion und dem persischen Santur. Dass Simon Mazouri Rhythmusgefühl hat, zeigte er schon beim Fototermin mit der Zeitung, noch vor dem Interview-Termin im Café. Im Musikgeschäft, wo Uwe Döpper extra ein Schlagzeug fürs Fotomotiv bereitstellt, fängt der Schauspieler und Musiker sofort das Trommeln an, erst mit den Händen, dann mit seinen Drumsticks.

Simon Mazouri hat Schauspiel studiert und er spielt derzeit am Eichhof die Titelfigur Volpone. Seit seiner Kindheit ist aber auch die Musik sehr präsent in seinem Leben. Er spielte in verschiedenen Ensembles. Angefangen hat aber alles mit dem Schlagzeug. „Bei meinen Großeltern im Iran und auch sonst überall habe ich alle Töpfe auf dem Boden verteilt und darauf rumgehämmert“, erzählt er. Die Eltern hätten versucht, ihrem Sohn ein anderes Instrument schmackhafter zu machen, wie er schmunzelnd erzählt – vergeblich. Bei den Bad Hersfelder Festspielen sammelt Simon Mazouri jetzt ganz neue Erfahrungen. „Ein Stück jeden Tag zu spielen, das kannte ich bisher nicht. So entwickelt es sich in kürzester Zeit schnell weiter“, sagt der 29-Jährige. Die Zeit in Bad Hersfeld beschreibt er als „seltsam-schöne Arbeitssituation“.

Wenn er und seine Kollegen nach der Vorstellung mit dem Fahrrad vom Eichhof in die Stadt fahren, bei einem Bier zusammensitzen und plaudern, habe das für Mazouri einen Hauch von Ferien-Gefühl. „Wir sind eine gute Truppe, und das obwohl wir aus allen Himmelsrichtungen zusammengewürfelt worden sind.“

Seine Figur – Volpone, der Fuchs – will mit einem Trick die Erbschleicher an der Nase herumführen. „In dem Stück sind alle Figuren von Gier zerfressen, keine von ihnen kommt am Ende gut weg“, resümiert Mazouri. Im Verlauf der Vorstellungen nehme der Schauspieler hin und wieder eine Distanzierung des Publikums zu seiner Figur wahr, erzählt er. Das zeige sich dann beim Schluss-Applaus. Überhaupt spüre man auf der Bühne die Dynamiken im Publikum, beschreibt Mazouri, was sich letztlich auch auf die Spieler auf der Bühne übertrage.

Zuletzt habe es in Mazouris Leben Phasen gegeben, in denen er mal mehr, mal weniger Zeit für andere, private Dinge hatte. Gerade jetzt, in der Zeit, in der er in Bad Hersfeld lebt und arbeitet, gebe es kaum Raum für Privates. Seine Freundin sowie Schulfeunde würden aber zu Besuch kommen, erzählt er.

Kürzlich hatte er seinen letzten Auftritt in Baden-Baden – als in Bad Hersfeld mal ein spielfreier Tag war. Bereits vor einigen Wochen sind Mazouri und seine Partnerin nach Heidelberg umgezogen, wo der der Schauspieler nach den Festspielen fest am Theater engagiert sein wird. Viel zu schleppen gab es übrigens beim Umzug von Baden Baden nach Heidelberg. Denn der 29-Jährige hört lieber CDs und schaut DVDs, statt sich bei den Online-Diensten für Musik und Filme zu bedienen. „Ich habe zu meiner Freundin gesagt: Wenn du deine Bücher mitnehmen darfst, dann darf ich auch meine CDs mitnehmen. Die sind außerdem nicht so schwer“, erzählt er schmunzelnd. (Laura Hellwig)

Zur Person:

Simon Mazouri (29) ist in Bad Mergentheim geboren und in Elwangen aufgewachsen. Sein Vater stammt aus dem Iran. Mazouri hat Schauspiel an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart studiert. Von 2017 bis 2020 war der 29-Jährige festes Ensemblemitglied am Theater Baden-Baden, ab September am Theater und Orchester Heidelberg. Gemeinsam mit seiner Partnerin ist er kürzlich nach Heidelberg gezogen. Im Oktober erwartet das Paar ihr erstes Kind. (lah)

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