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Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie hört Betroffenen zu

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Von: Christine Zacharias

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Kümmern sich um Beschwerden von Menschen, die Probleme mit einer psychiatrischen Einrichtung im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben: Oliver Rimbach vom Sozialpsychiatrischen Dienst, Anja Heesch (Median-Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe) und Dr. Rainer Hoffmann, Facharzt für Psychiatrie (von links) von der unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie.
Kümmern sich um Beschwerden von Menschen, die Probleme mit einer psychiatrischen Einrichtung im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben: Oliver Rimbach vom Sozialpsychiatrischen Dienst, Anja Heesch (Median-Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe) und Dr. Rainer Hoffmann, Facharzt für Psychiatrie (von links) von der unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie. © Christine Zacharias

Die Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geht Beschwerden von Menschen nach, die Probleme mit einer psychiatrischen Einrichtung haben.

Hersfeld-Rotenburg – Wenn eine Beschwerdestelle wenig zu tun hat, ist das eigentlich ein gutes Zeichen und deutet darauf hin, dass alles in Ordnung ist. Oliver Rimbach, Anja Heesch und Dr. Rainer Hoffmann von der Unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gehen allerdings davon aus, dass es deutlich mehr Probleme gibt, als bei ihnen bekannt werden.

„Viele Menschen haben Angst, dass es für sie von Nachteil sein könnte, wenn sie sich beschweren, weil sie ja mit der Einrichtung und der Person, gegen die sich die Beschwerde richtet, weiter zu tun haben“, erklärt Anja Heesch, die in den Median-Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe tätig ist. Dabei wären sie gerade dann bei der Unabhänigen Beschwerdestelle gut aufgehoben, denn dort finde man Gehör und Unterstützung, ohne dass der Name weitergegeben werde, sagt Oliver Rimbach vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises.

Rimbach sieht die Beschränkungen der Corona-Pandemie als einen Grund dafür, dass die Zahl der Beschwerden in letzter Zeit stark zurückgegangen ist, weil direkte Gespräche kaum noch stattgefunden hätten. Zwar lägen an zahlreichen Stellen (psychiatrische Einrichtungen, Arztpraxen, Wohnheime, Tagesstätten, Werkstätten und Beratungsstellen) Informationsblätter aus, doch sei die Arbeit der unabhängigen Beschwerdestelle noch zu wenig bekannt. Dr. Rainer Hoffmann weist zudem darauf hin, dass sich eben nicht nur Patienten der psychiatrischen Klinik an die Beschwerdestelle wenden können, sondern alle diejenigen, die sich in irgendeiner der oben genannten Einrichtungen nicht gut behandelt fühlten. „Wir können zwar nicht jeder Beschwerde abhelfen, aber wir können sie weitergeben und bei Bedarf auch ein gemeinsames Gespräch moderieren“, sagt er.

„Es geht um das ganze System Psychiatrie im Kreis“, erklärt Anja Heesch. Gerade Patienten, die aus anderen Kreisen zugezogen seien, wiesen dabei auf grundsätzliche Defizite hin.

Andere hätten hohe Erwartungen an individualisierte Hilfsangebote, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientierten. „Leider ist es meist so, dass die Menschen sich nach dem richten müssen, was an Hilfsangeboten da ist“, sagt Heesch. Beschwerden könnten da auch wichtige Anregungen für grundlegende Änderungen geben.

Deshalb hoffen die derzeit sechs Mitglieder der Unabhängigen Beschwerdestelle, dass sich noch Menschen mit Psychiatrieerfahrung und Angehörige bereit finden mitzuarbeiten und ihre wertvollen Erfahrungen mit einzubringen.

Dass es grundsätzlich mit der psychiatrischen Versorgung im Kreis nicht zum Besten steht, ist dabei allen Beteiligten bewusst. Es fehle einfach überall an Personal, vor allem in der Klinik, sagt Oliver Rimbach. Dort werde zurzeit aber gerade grundlegend umstrukturiert. Die Unabhängige Beschwerdestelle trägt die Anliegen der Patienten dort regelmäßig vor.

Kontakt: Telefon 06621/872440, E-Mail: Beschwerdestelle-psychiatrie@hef-rof.de, Post: Landratsamt Hersfeld-Rotenburg, Unabhängige Beschwerdestelle Fachdienst Gesundheit, Friedloser Straße 12, 36251 Bad Hersfeld. (Christine Zacharias)

So steht es im Gesetz

Das Hessische Gesetz über Hilfen bei psychischen Krankheiten von 2017 sieht die Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten vor. Sie sollen neutral Anregungen und Beschwerden von psychisch kranken Personen und deren Angehörigen prüfen und auf Problemlösungen hinwirken. Die eingesandten Daten werden vertraulich behandelt und die Beschwerden anonymisiert dokumentiert.

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