Ausstellung in Bad Hersfeld

Sexuelle Gewalt: Wo Grenzen überschritten werden

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Liebe, Sexualität, Macht, Gewalt und Missbrauch: Dieser Themenkomplex wird in der Ausstellung „Echt krass“, die noch bis 7. November in der Turnhalle der Friedrich-Fröbel-Schule gezeigt wird, jugendgerecht aufbereitet. 

Eine Ausstellung zum Thema Sexuelle Gewalt ist an der Friedrich-Fröbel-Schule zu sehen.

Der Umgangston ist rauer geworden – auch auf den Schulhöfen. Sexualisierte Beschimpfungen sind an der Tagesordnung. Viele Jugendliche haben zudem Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen durch Gleichaltrige gemacht.

Die Ausstellung „Voll krass“ des Petze-Instituts aus Kiel, die zurzeit in der Turnhalle der Friedrich-Fröbel-Schule gezeigt wird, hat genau das zum Thema und will Jugendliche ab 13 Jahren und Lehrkräfte für sexuelle Grenzverletzungen sensibilisieren.

Damit haben ganz viele Jugendliche bereits persönliche Erfahrungen gemacht. Schulleiterin Erika Barten und Antje Hofmann, Beauftragte für das Thema sexualisierte Gewalt an der Friedrich-Fröbel-Schule, weisen auf die Speak!-Studie des Hessischen Kultusministeriums hin, die Jugendliche an hessischen Gesamtschulen befragt hat.

Demnach haben 55 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Jungen mindestens einmal sexualisierte Gewalt erlebt, verbal, körperlich oder im Internet: Sexuelle Kommentare, Witze oder Beleidigungen, Gerüchte sexuellen Inhalts, Beschimpfung als schwul oder lesbisch, Exhibitionismus, ungewollte Berührungen, pornografische Bilder oder Filme, sexuelle Anmache im Internet oder Veröffentlichung intimer Fotos.

Ausstellung zum Thema Sexuelle Gewalt jugendgerecht gestaltet

Die Ausstellung lädt an mehreren, jugendgerecht gestalteten Stationen dazu ein, Situationen einzuschätzen und entsprechend mit Magneten zu markieren. Da gibt es zum Beispiel ein Wimmelbild von einem Pausenhof, auf dem eine Fülle von möglichen, heiklen und ganz und gar unakzeptablen Verhaltensweisen zu sehen ist. Hier und an den anderen Stationen kommen die Jugendlichen schnell miteinander und mit Antje Hofmann und Schulleiterin Erika Barten ins Gespräch.

Flirten, blöde Anmache, die Rollen von jungen und Mädchen in anderen Kulturen, sexuelle Gewalt in der Familie und im Verein, aber auch Informationen über die Rechte der Jugendlichen und Hilfsangebote sind Themen der Ausstellung, die auf Prävention setzt. Überall gibt es die Möglichkeit, selbst etwas zu tun, Videos anzusehen, etwas anzuhören oder eigene Erfahrungen zu machen, zum Beispiel in einer Kabine voller Hände, die nach einem greifen. „Das war sehr, sehr unangenehm“, sagt Leon. Er fand besonders die Station zum Tatort Internet spannend. Yunis hat viel gelernt darüber, wie Jungen und Mädchen miteinander in Kontakt treten können. „Beide müssen einverstanden sein“, erklärt er.

Ein Rap, in dem die Not eines Mädchens, das ständig kontrolliert wird und schließlich zwangsverheiratet werden soll, hat die Jugendlichen ebenfalls beeindruckt. „Im Prinzip hat mir alles gut gefallen“, sagt Sarah-Jane. Und Jasmin kommt ins Grübeln, ob es wirklich okay ist, wenn sie das Handy ihres Freundes kontrolliert.

Schulklassen können sich in der Friedrich-Fröbel-Schule für die Ausstellung anmelden. Sie ist noch bis zum 7. November in Bad Hersfeld zu sehen. Am Mittwoch, 30. Oktober, ist die Ausstellung von 15.30 bis 18 Uhr für alle Interessierten geöffnet.

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