Vorwurf der Vertuschung zurückgewiesen

Sexuelle Belästigung im Klinikum - Sprecher räumt Vorfälle ein

Arbeitsplatz für rund 1400 Menschen: Das Bad Hersfelder Klinikum, hier aus der Luft fotografiert.

Bad Hersfeld. Schwere Vorwürfe gegen das Klinikum in Bad Hersfeld: Im Internet kursieren Gerüchte, wonach dort Fälle sexueller Belästigung vertuscht worden sein sollen.

Zudem sollen heimlich Fotos von Patienten in Vollnarkose gemacht worden sein. Wir haben das Klinikum, das dem Landkreis gehört, mit den Gerüchten konfrontiert.

Was ist dran am Vorwurf der sexuellen Belästigung?

Klinikumsprecher Werner Hampe bestätigt, dass im Juni dieses Jahres aus einer Abteilung des Hersfelder Klinikums Fälle sexueller Belästigung bekannt geworden seien. „Das stimmt“, so Hampe, „Mitarbeiterinnen haben uns mitgeteilt, dass sie von einem Mitarbeiter sexuell belästigt worden sind.“

Welche Konsequenzen hat das Klinikum gezogen?

„Wir haben den beschuldigten Mitarbeiter sofort freigestellt und dann unter Einbeziehung der Anwälte beider Seiten einen gerichtlichen Vergleich zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Mitarbeiter geschlossen“, sagt Hampe. Das Klinikum habe zudem die anderen Mitarbeiter der Abteilung informiert und in einem internen Rundschreiben „deutlich gemacht, dass wir jede Form sexueller Belästigung missbilligen.“ Die Geschäftsführung habe zudem den Personalausschuss des Aufsichtsrats informiert.

Ein weiterer Vorwurf bei Facebook und Co. lautet, das Klinikum habe diese Vorfälle bewusst vertuscht. Was sagt das Klinikum dazu?

„Das weisen wir energisch zurück“, sagt Klinikumssprecher Werner Hampe. Die belästigten Frauen hätten sich an eine klinikumsinterne Kommission gewandt, die für solche Fälle gegründet worden sei. Dieser Kommission gehören ein Betriebsarzt und zwei Betriebsratsmitglieder an. Oberste Priorität für diese Kommission und das Klinikum sei es, die Betroffenen zu schützen und auf Wunsch ihre Anonymität zu wahren. „Dass die Mitarbeiterinnen keine Strafanzeige stellen wollten, haben wir zu akzeptieren, und daher war es für uns logisch, auch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen“, so Hampe.

Hat die Geschäftsführung diese Vorfälle zur Anzeige gebracht?

Nein. Das Klinikum hat sich laut Hampe von Anwälten beraten lassen. Da die Betroffenen jedoch nicht als Zeugen auftreten wollten, habe man von weiteren Schritten abgesehen. „Auch ein Beschuldigter hat Anspruch auf rechtliches Gehör“, sagt Hampe, „dafür wären allerdings Zeugenaussagen der Betroffenen erforderlich, was eine Aufhebung der Anonymität bedeuten würde“.

Sind auch Patienten sexuell belästigt worden?

„Nein“, sagt Klinikumssprecher Hampe.

Und was ist dran an dem Vorwurf, dass im Klinikum illegale Fotos von Patienten in Vollnarkose gemacht worden sein sollen?

Dazu teilt Hampe lediglich mit: „Derzeit ist uns kein Fall bekannt, in dem staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen“. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft in Fulda auch auf Nachfrage unserer Zeitung. Grundsätzlich würden, so Hampe, in wohl allen deutschen Krankenhäusern für die Wund-Dokumentation Fotos angefertigt. „Das gehört zum Therapieprozess dazu und geschieht mit Einwilligung der Patienten“, so Hampe. Um solche Bilder zu machen, gebe es in Bad Hersfeld eine dienstliche Kamera, deren Bilder im Klinikum archiviert würden. Hampe: „Sollten wir den Nachweis führen können, dass unzulässigerweise Fotos von Patienten gemacht worden sind und damit eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte, so würden wir nicht zögern, entsprechende Strafanzeige zu erstatten.“

Von Sebastian Schaffner

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