Bürgermeister sieht rechtliche Probleme

Seepark Kirchheim verkauft: Aus für das Hotel, Hindu-Religionszentrum geplant

Schließt am 30. November endgültig seine Pforten: Das Hotel Seeblick am Seepark in Kirchheim. Hier soll im nächsten Sommer ein hinduistisches Deutschlandzentrum des Vereins Bhakti Marga Bhaktas Deutschland entstehen.
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Schließt am 30. November endgültig seine Pforten: Das Hotel Seeblick am Seepark in Kirchheim. Hier soll im nächsten Sommer ein hinduistisches Deutschlandzentrum des Vereins Bhakti Marga Bhaktas Deutschland entstehen.

Das Hotel „Seeblick“ am Kirchheimer Seepark schließt Ende des Monats seine Türen.

Kirchheim – Geschäftsführer Andreas Engelhoven hat die Anlage an die Religionsgemeinschaft „Bhakti Marga“ verkauft, die dort ihr hinduistisches Deutschlandzentrum aufbauen will. „Wir hätten sowieso schließen müssen“, berichtet Andreas Engelhoven, kurz nachdem er seine Mitarbeiter über den Verkauf des Seeparks informiert hat.

Die Corona-Pandemie hat dem Hotel schwer zugesetzt. Sämtliche Tagungen wurden storniert, private Gäste kommen aus Angst nicht mehr und der erneute Lockdown bedeutet nun das Ende. „Ohne den Verkauf wäre das eine Insolvenz geworden“, sagt der Seepark-Geschäftsführer. In diesen unsicheren Zeiten fänden sich im Bereich Hotellerie und Gastronomie kaum Interessenten, so Engelhoven, zumal in diesem Gewerbe derzeit auch die Banken sehr zurückhaltend agierten. Zum Teil aus Zufall, aber auch wegen langjähriger Kontakte zu der freikirchlichen Vereinigung fand sich jetzt mit „Bhakti Marga“ ein Käufer.

Die neuen Eigentümer sehen das Anwesen aus einem ganz anderen Blickwinkel und planen ihr Deutschlandzentrum am Seepark. Losgehen wird es wohl erst Mitte des nächsten Jahres, weil bis dahin einige Umbauarbeiten zu erledigen sind. Das Hotel Seeblick schließt seine Pforten am 30. November, die Übergabe des Objektes ist für Mitte Dezember geplant.

Angesichts der völlig anderen Nutzung der Anlage sei eine Übernahme des Personals durch die neuen Eigner ausgeschlossen, hatte Engelhoven seinen Mitarbeitern erklären müssen. Weil aber seine Gesellschaft weiter besteht, sollen alle Verträge fristgerecht gekündigt werden. „Das funktioniert nur, weil ich verkaufen konnte und es somit keine Insolvenz gibt“, betont Engelhoven. Die sieben vietnamesischen Auszubildenden versucht er derzeit in befreundeten Betrieben unterzubringen oder bietet ihnen, wie auch den übrigen Mitarbeitern, einen Platz auf Schloss Waldeck an, so sie denn bereit sind, den weiten Weg auf sich zu nehmen.

Bürgermeister Koch sieht rechtliche Hürden

Bürgermeister Manfred Koch hat am Montagmittag über Umwege vom Verkauf erfahren. Offenbar handele es sich, nach den schon umstrittenen Verkäufen der Ferienhäuser, um eine weitere Zerschlagung der Anlage als Tourismus- und Freizeitobjekt. Er wolle sich jetzt erst einmal genauer über die Pläne des neuen Betreibers informieren, sieht aber schon rechtliche Probleme. Gemeinsam mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund will Koch die Umnutzung prüfen, weil „ohne Gastronomie das Gesamtkonzept völlig auf den Kopf gestellt wird“. Durch die Planungshoheit der Kommune werde möglicherweise eine Änderung des Flächennutzungsplanes notwendig, ehe das hinduistische Zentrum seinen Betrieb aufnehmen könne, und darüber kann nur die Gemeindevertretung entscheiden.

Der Gebäudekomplex des Hotels Seeblick inklusive Restaurant soll nach der Übernahme nur den Mitgliedern der Glaubensgemeinde zur Verfügung stehen, ansonsten werde sich an dem See vermutlich nichts ändern. Insbesondere der Betrieb der Wasserskianlage als auch Bademöglichkeiten werden bestehen bleiben, versichert Andreas Engelhoven.

Von Bernd Löwenberger

Die Gemeinschaft Bhakti Marga

Bhakti Marga (Sanskrit, „Weg der Liebe und der Hingabe“) ist eine hinduistisch-synkretistische Religionsgemeinschaft mit Sitz in Springen (Heidenrod) im Taunus. Der Verein betreibt 15 Regionalgruppen in Deutschland mit wachsender Tendenz.

Die Gemeinschaft wird von Mahadeosingh Komalram geleitet, der von seinen Anhängern als Paramahamsa Swami Vishwananda verehrt wird. Bhakti Marga propagiert Meditation, das Chanting der heiligen Silbe Om und Yoga und will die Menschen laut eigener Homepage dabei begleiten, in der Liebe Gottes zu leben.

Vishwananda beruft sich auf diverse Traditionen, unter anderem die der Apostolisch- Orthodoxen Kirche, deren Vertreter sich aber von ihm distanzieren.

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen berichtet von Reliquien-Diebstählen aus Kirchen in der Schweiz und von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs. Finanziert wird die Gemeinschaft laut EZW unter anderem durch persönliche Abgaben der Mitglieder, durch Spenden und Einnahmen aus dem Gästebetrieb in Springen.

„Das sind ganz normale Menschen mit ganz alltäglichen Berufen“, sagt Engelhoven, dem sehr wohl bewusst ist, dass der Verkauf des Seeparks und das damit verbundene Ende einer weiteren touristischen Einrichtung in Kirchheim nicht überall auf Verständnis stoßen wird. (zac/lö)

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