Anschluss ist vielen Firmen zu unwirtschaftlich

Schulen warten aufs schnelle Netz: Breitbandausbau in Hersfeld-Rotenburg stockt

Das Foto zeigt von links Landrat Dr. Michael Koch, Alban Reubelt (Bauleiter Weigand Bau), Kathrin Laurier (Geschäftsführerin Breitband Nordhessen), Bürgermeister Thomas Rohrbach und Schulleiterin Nicole Stutz im Juli 2020 beim Anschluss der Gesamtschule Niederaula ans Breitbandnetz.
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Als erste Schule im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurde im Juli 2020 die Gesamtschule Niederaula ans Breitbandnetz angeschlossen. Unser Foto zeigt von links Landrat Dr. Michael Koch, Alban Reubelt (Bauleiter Weigand Bau), Kathrin Laurier (Geschäftsführerin Breitband Nordhessen), Bürgermeister Thomas Rohrbach und Schulleiterin Nicole Stutz.

Das ehrgeizige Ziel, so schnell wie möglich alle Schulen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ans schnelle Internet anzuschließen, gerät ins Stocken.

Hersfeld-Rotenburg – Außerhalb des Ausbaugebiets der Breitband Nordhessen finden sich derzeit keine Firmen, die die Anschlussarbeiten übernehmen wollen. Für viele Unternehmen ist das offenbar zu unwirtschaftlich. Breitband Nordhessen ist ein Zusammenschluss von fünf nordhessischen Landkreisen, der es sich zum Ziel gemacht hatte, auch jene Ortsteile mit Glasfasernetz zu versorgen, für die sich keine anderen Anbieter gefunden haben.

Dieses Projekt ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen, nun sollten die Schulen folgen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg liegen aber nur 14 der 48 Schulen im Zuständigkeitsbereich der Breitband Nordhessen. Dort ist der Generalunternehmer Weigand Bau mit den Anschlüssen beauftragt. Außerhalb des eigenen Ausbaugebiets ist aber nicht der Zusammenschluss der Landkreise, sondern ein privater Anbieter wie die Telekom oder Vodafone zuständig.

34 Schulen müssen weiter auf schnelles Internet warten

„Die Telekom hat uns mitgeteilt, dass sie momentan keine Ausbau-Kapazitäten frei hat“, berichtet Landrat Dr. Michael Koch, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Breitband Nordhessen ist. „Leider leben im Zuständigkeitsbereich der Telekom aber die meisten Menschen“, sagt Koch – und dort liegen auch 34 Schulen, die deshalb zunächst auf einen Anschluss ans schnelle Internet warten müssen. „Schimpfen hilft aber nicht, wir brauchen Lösungen“, sagt der Landrat, deshalb werde weiter verhandelt, auch Einzellösungen für Schulen seien denkbar.

6,5 Millionen Euro sollen in die Schulen fließen

Die zeitgemäße Ausstattung der Schulen ist ein Schwerpunkt des Haushalts, den der Kreistag Anfang der Woche beschlossen hat. Insgesamt sind dafür 6,5 Millionen Euro vorgesehen. Dazu gehört auch die Versorgung mit schnellem Internet. Im 1. Quartal 2021 sollen alle 91 nordhessischen Schulen im Ausbaugebiet der Breitband Nordhessen angeschlossen sein. Außerhalb des Gebiets müssten Übergangslösungen gefunden werden. „Daran arbeiten wir“, versichert Landrat Dr. Michael Koch.

Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen, hat zudem an Digitalminister Andreas Scheuer geschrieben. Sie sieht die größte Chance darin, die Ausbaugebiete zusammenzuschließen und das bisherige Zuständigkeitsmodell zu ändern, um eine gemeinsame Förderung von Bund und Land zu ermöglichen. Als Zwischenlösung hat der Landkreis die gebuchten Übertragungsgeschwindigkeiten für Schulen aufgestockt, um dort ein schnelleres Surfen zu ermöglichen.

Corona treibt Digitalisierung an Schulen voran - aber das schnelle Netz fehlt

Homeoffice, Videokonferenzen, Fernunterricht: Die Corona-Krise erweist sich zunehmend als Stresstest für die Digitalisierung. Doch ausgerechnet im Schulbereich stockt der Anschluss ans schnelle Internet. Die Schulen im Kreis sind bei der Digitalisierung „auf einem guten Weg“, meint die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Bebra Anita Hofmann. Die Corona-Krise habe dazu beigetragen, dass viele Lehrkräfte jetzt sicherer mit digitalen Medien umgehen.

Auch die Fortbildungsangebote in diesem Bereich seien von den Lehrern stark frequentiert worden. „Gerade im ländlichen Raum sind digitale Angebote auch für die Schulen sehr wichtig“, sagt Hofmann. Deshalb wäre auch aus ihrer Sicht „eine schnellere Internetanbindung sehr wünschenswert“. Dabei hapere es aber noch. Nicht einmal das Staatliche Schulamt in Bebra verfüge über W-Lan, erzählt Hofmann.

Immerhin habe aber der Kreis „Upgrades“ für einzelne Schulen gebucht, sodass dort jetzt auch ohne Breitbandanschluss schneller gesurft werden kann.

Die Grafik zeigt die Schulen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausbaugebiet der Breitband Nordhessen liegen und bald ans schnelle Netz angeschlossen werden sollen.

Für Grundschulen sei es generell schwieriger als in den weiterführenden Schulen, das Internet auch im Unterricht einzusetzen. „Aber auch hier sind die Hürden durch Corona niedriger geworden“, sagt die Schulamtsleiterin. Insgesamt habe es in der Corona-Krise auch viel positives Feedback geben.

So wurde die Teamarbeit verbessert und es wurden neue Unterrichtsformen erprobt. „Auch die Lehrkräfte haben mehr Wertschätzung erfahren“, berichtet die Schulamtsleiterin. Dennoch ist Anita Hofmann froh, dass bislang der Schulunterricht trotz des teilweisen Lockdowns weiterläuft. Denn bei allen positiven Effekten der Corona-Krise mit Blick auf die Digitalisierung bestehe bei weiteren Einschränkungen des Schulbetriebs immer noch die Gefahr für manche Schüler, dass ein ganzes Schuljahr verloren geht. (Kai A. Struthoff)

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