Schöffengericht Bad Hersfeld

Freispruch für einen Raub, der keiner war

Bad Hersfeld. Schläge oder Schubsen, ein verschwundenes Handy das geklaut oder verloren wurde - wegen vieler Ungereimtheiten sprach das Schöffengericht den Angeklagten frei.

Wo das Handy, um das es in diesem Prozess ging, letztlich abgeblieben ist, das konnte auch das Schöffengericht in Bad Hersfeld nicht klären. Dass vor knapp einem Jahr am Bahnhof von Alheim-Heinebach kein Raub stattgefunden hatte, davon waren Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen jedoch insoweit überzeugt, dass sie den 32 Jahre alten Angeklagten nicht verurteilen mochten – der Staplerfahrer wurde freigesprochen.

Dem Mann war es beim Treffen mit einer Bekannten und früheren Nachbarin nämlich vor allem um die Rückgabe eines WLAN-Routers gegangen, den sein Telefonanbieter zum Vertragsende zurückverlangt hatte.

Weil die 21-Jährige den Router beim Umzug nach Bebra mitgenommen hatte, war zwischen den beiden dicke Luft. Als die junge Frau dann per Facebook ein ausrangiertes Handy für 250 Euro zum Verkauf anbot, ging der Staplerfahrer zum Schein darauf ein und verband das Geschäft mit der Aushändigung des Routers.

Der befand sich mit weiterem Zubehör und möglicherweise auch mit besagtem Handy in einer Adidas-Tüte, die beim Treffen am Bahnhof den Besitzer wechselte – auf welche Art und Weise, das war vor Gericht die Frage.

Ohrfeige und Hundebiss

Bei der Polizei hatte die 21-Jährige von einer Ohrfeige und einem Biss des Boxerhundes, den der Angeklagte an der Leine bei sich führte, gesprochen. Wegnahme mit Gewalt – das erfüllt vor dem Gesetz den Tatbestand des Raubes, und deshalb landete der Fall auch vor dem Schöffengericht.

Im Prozess sprach die Zeugin jedoch nur noch von gegenseitigem Schubsen, und ob der Hundebiss ein Biss oder nur ein Knaffen oder vielleicht auch nur ein Anspringen gewesen ist, das blieb ebenfalls unklar.

Über den Verbleib des Corpus Delicti, also des Handys, war nichts mehr herauszufinden. In der Tüte? Nicht in der Tüte und heruntergefallen? Aufgehoben und mitgenommen vom Angeklagten? Darauf gab es keine zufriedenstellende Antwort.

Immerhin: Die Zeugin steht nicht ohne da, die Fotos vom angeblich hundegebissenen Oberschenkel präsentierte sie dem Gericht auf ihrem neuen iPhone.

Der Staplerfahrer, der wegen Rauschgifthandels unter Bewährung steht, kam jedoch ohne neue Strafe davon. Zu widersprüchlich waren dem Gericht die Angaben der angeblich Geschädigten.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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