Schläge nach dem „Hi“

Zwei junge Türken wegen Körperverletzung verurteilt

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
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Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).

Ein harmloses „Hi“ auf Instagram war erst der Auslöser für unflätige Beschimpfungen, dann für eine nächtliche Schlägerei auf dem Parkplatz eines Textilmarktes in Bebra und schließlich für einen Prozess vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld.

Dieser endete am Montag nach drei Verhandlungstagen mit der Verurteilung der beiden Angeklagten wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung: Sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für einen 22 Jahre alten Mechaniker aus Rotenburg, eine Verwarnung für seinen zwei Jahre jüngeren Bruder. Beide müssen an einem Anti-Gewalt-Training teilnehmen.

In der Urteilsbegründung gestand die Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock, in diesem Verfahren viel gelernt zu haben. „Die Kulturen unterscheiden sich“, sagte sie mit Verweis auf vermeintliches Verständnis von „Ehre“, das bei Bruder und Bekannten des per Instagram angesprochenen Mädchens heftigste Reaktionen provoziert hatte.

So hatte am 8. Juni vergangenen Jahres am Bebraer Baggerloch eine Aussprache zwischen dem Bruder der jungen Frau und dem Absender des Grußes stattgefunden, an deren Rand auch dessen Arbeitskollege und der mit dem Bruder befreundete Mechaniker aneinander gerieten. Man beleidigte sich übelst und versandte anschließend WhatsApp-Botschaften mit weiteren unterirdischen Ausdrücken.

Ausgestanden war die Sache damit nicht, denn zur endgültigen Klärung beorderte der Mechaniker den 27 Jahre alten Gruß-Absender am folgenden Abend auf besagten Parkplatz. Der Ältere leistete dieser Aufforderung nicht nur Folge, sondern ließ sich auch auf eine Auseinandersetzung in der dunklen Ecke der Laderampe ein. Dort ging man aufeinander los mit Schlägen und Schubsereien.

Ob seitens des Mechanikers ein Messer und ein Stock im Spiel gewesen waren – gefunden wurden die Waffen nicht – und welchen Anteil hinzukommende Streithähne hatten, darunter der Bruder des Angeklagten, da stand Aussage gegen Aussage. „Es gab nur hopp oder top“, sagte Richterin Kilian-Bock, doch das Gericht schenkte dem Geschädigten Glauben, der auch eigenes Zutun bei den Handgreiflichkeiten nicht verschwiegen hatte. Auch hatte der 27-Jährige nicht erklären können, warum er eine Gelegenheit zur Flucht nicht genutzt hatte.

Verteidiger Jochen Kreissl hatte wegen der vielen Unklarheiten Freispruch gefordert. Das Gericht blieb jedoch leicht unter dem Antrag von Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken.

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