Amtsgericht: 47-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Schläge am Bebraer Busbahnhof endeten vor Gericht - Angeklagter hatte 4,22 Promille

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
+
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit ist ein 47-Jähriger am Amtsgericht Bad Hersfeld zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Bad Hersfeld/Bebra - Angeklagt war zunächst eine gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung gewesen, diese schien nach der Beweisaufnahme aber nicht mehr wahrscheinlich. Gemeinsam mit einem zweiten, gesondert verfolgten Mann soll der 47-Jährige am 23. April 2020 gegen 18 Uhr am Bebraer Busbahnhof einen Dritten attackiert haben, der anschließend mit diversen Verletzungen per Krankenwagen ins Rotenburger Krankenhaus gebracht wurde.

Alle drei gehörten der örtlichen „Trinkerszene“ an und hatten sich gemeinsam mit weiteren Personen dort aufgehalten und Alkohol konsumiert. Offenbar war dem Angriff Streit um Geld vorausgegangen, das einer Frau aus der Runde gehörte.

„Die Situation ist irgendwie eskaliert, mir ist die Hand ausgerutscht“, gab der 47-Jährige vor Strafrichterin Silvia Reidt unumwunden zu, der ohne rechtlichen Beistand vor Gericht erschienen war. Er betonte allerdings auch, sich nicht erinnern zu können und gab an: „Ich bin eigentlich kein Schläger und ich bin nicht der Haupttäter.“ Warum er das Opfer geschlagen habe, könne er sich selbst nicht erklären, vielmehr habe er den Mann sonst immer beschützt – zum Beispiel vor dem anderen mutmaßlichen Täter.

4,22 Promille wurden bei dem 47-Jährigen kurz nach der Tat festgestellt, der die Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen musste. Bei dem Geschädigten habe er sich aber gleich am nächsten Tag entschuldigt, gab der Angeklagte an, und auch im Gerichtssaal waren sich beide Männer nicht böse, wie sie mehrfach deutlich machten und mit einer Umarmung demonstrierten.

Das genaue Geschehen am Busbahnhof aufklären konnten jedoch auch die geladenen Zeugen nicht – darunter ein Busfahrer aus Rotenburg, der damals die Polizei alarmiert hatte und nun ohne einen persönlichen Telefonanruf von Richterin Reidt seinen Termin im Gericht beinahe verpasst hätte. Laut ihm waren zwei Männer auf das Opfer „losgegangen“, zweifelsfrei identifizieren konnte er den Angeklagten aber nicht.

Der Alkohol- und früher Drogenabhängige lebt in einer sozialen Einrichtung in Norddeutschland, wo er auf einem guten Weg sei, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Um die 20 Eintragungen hatte der Angeklagte bereits im Bundeszentralregister, darunter Körperverletzung, Raub, Diebstahl, Verstoß gegen das Waffengesetz, sexuelle Nötigung und versuchte Vergewaltigung. Zuletzt bliebt es jedoch „ruhig“.

50 Tagessätze à sieben Euro beträgt die Höhe der verhängten Geldstrafe. Der klamme 47-Jährige muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen, kann aber einen Antrag auf Umwandlung der Geldstrafe in Sozialstunden stellen. Das Urteil wurde im Gerichtssaal rechtskräftig, da sowohl der Angeklagte als auch Oberamtsanwältin Birgit Steinmüller es akzeptierten. Auf den 47-Jährigen könnte nach dem Vorfall in Bebra auch noch ein Verfahren wegen Widerstands gegen Polizeibeamte zukommen. (Nadine Meier-Maaz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion