Theater in der Bad Hersfelder Stadthalle

"Schindlers Liste": Nach der Pause intensiver

Nach der Pause überzeugend: Die Schabbat-Szene bei der Aufführung von „Oskar Schindlers Liste“ in der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: Karl Schönholtz

Bad Hersfeld -  Man durfte skeptisch sein: „Oskar Schindlers Liste“ auf der Theaterbühne in der Bad Hersfelder Stadthalle. Es war dann auch ein zwiespältiger Abend.

Auch 26 Jahre nach Steven Spielbergs oscarüberhäuftem Film ist der Schatten übergroß und die Dramatisierung von Florian Battermann mit dem Anspruch, ein komplexeres Bild der Persönlichkeit Schindlers zu zeichnen, ein Wagnis.

Lajos Wenzels Inszenierung, die am Samstag im Rahmen des städtischen Theaterabonnements in Bad Hersfeld zu sehen war, scheint die Zweifel zunächst zu bestätigen: Im hastigen Szenenwechsel des ersten Teils erscheinen die Figuren holzschnittartig, nichts wird ausgespielt. Ob Jude oder Nazi-Scherge: Hier lebt das Klischee. Alleine Stefan Bockelmann bleibt in der Hauptrolle ein wenig Raum für Zwischentöne.

Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass Autor Battermann die historische Handlung noch in einen Rahmen gestellt hat: Der Fund von Briefen und der Original-Listen auf einem Dachboden in Hildesheim sechs Jahre nach Erscheinen des Hollywood-Films gaben weitere Hinweise auf Handeln und Motive des deutschen Unternehmers, der mit dem Regime kooperierte, um in einem einzigartigen Balanceakt gute Geschäfte zu machen und jüdische Zwangsarbeiter vor dem KZ zu bewahren.

Der zwiespältige Eindruck der Inszenierung wird allerdings nach der Pause deutlich gemildert: Das Spiel wird mit einem Mal differenzierter und damit intensiver. Schindlers Kampf um „seine“ Juden berührt, der Cäsarenwahn des Lagerkommandanten Amon Göth (Armin Riahi) stößt geradezu körperlich ab. Auch die Schabbat-Szene wirkt im wandelbaren Bühnenbild von Tom Grasshof nicht nur plakativ, sondern überzeugend.

Plötzlich funktionieren Stück und Inszenierung, nehmen das Publikum in der nur halb gefüllten Stadthalle so gefangen, dass es am Ende stehende Ovationen für das zwölfköpfige Ensemble, aus dem neben den Genannten noch Dimitri Tellis (Abraham Bankier) und Hannes Ducke (Itzhak Stern) herausragen, gibt. Ein Zuschauer meinte gar: „Das Beste, was es in dieser Spielzeit zu sehen gab.“

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