Schicksalsschlag Todesfall: Was ist danach zu tun?

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Trotz der emotionalen Belastung nach einem Trauerfall in der Familie müssen sich die Hinterbliebnen um einiges kümmern.

Ein Todesfall in der Familie: Um welche Angelegenheiten müssen sich die Hinterbliebenen eigentlich genau kümmern und welche Probleme lauern am Horizont?

Ein Todesfall in der Familie stellt für die verbliebenen Angehörigen immer einen Schicksalsschlag dar. Trotz der emotionalen Belastung liegen bereits in den ersten Stunden nach dem einschneidenden Ereignis wichtige Erledigungen an:

Formalitäten direkt nach dem Todesfall 

Die folgenden Aufgaben fallen den Hinterbliebenen im Falle des Todes eines Angehörigen bereits in den ersten Stunden bis Tagen zu: 

Einen Arzt rufen: Tritt der Tod in den eigenen vier Wänden ein, sind die Anwesenden verpflichtet, unmittelbar nach Kenntnisnahme einen Arzt zu rufen. Dies kann mit einem Anruf beim Hausarzt geschehen oder per Notruf 112. Der eintreffende Arzt stellt daraufhin den Totenschein aus, der als Grundlage für die Beantragung aller weiteren Dokumente dient. Stirbt jemand während des Aufenthaltes in einem Pflegeheim oder Krankenhaus, kümmert sich das Personal um den Kontakt zu einem Arzt und die Ausstellung des Totenscheins.

Bestattungsunternehmen kontaktieren: Per Gesetz besteht für die engsten Angehörigen eines Verstorbenen die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass der Leichnam einer ordnungsgemäßen Bestattung zugeführt wird. Wer dies im Einzelnen veranlassen muss, ist im Bestattungsgesetz der einzelnen Bundesländer geregelt. Der beauftragte Bestatter kümmert sich dann um die Überführung des Verstorbenen vom Sterbeort in die Räumlichkeiten des Bestattungsunternehmens. Ab Eintritt des Todes sieht das Gesetz bis zum frühesten Zeitpunkt für die Bestattung eine reguläre Wartezeit von 48 Stunden vor. 

Sterbeurkunde beantragen: Die Sterbeurkunde benötigen Angehörige zur Vorlage bei Banken, Versicherungen und dem Nachlassgericht. Sie kann beim zuständigen Standesamt beantragt werden, wobei Antragssteller den Totenschein und den Personalausweis des Verstorbenen einreichen müssen. Bei einem Ledigen ist zusätzlich die Geburtsurkunde vorzulegen, bei einem verheirateten Verstorbenen die Heiratsurkunde. Für Geschiedene werden die Heiratsurkunde sowie Unterlagen über das rechtskräftige Scheidungsurteil benötigt. War der Verstorbene verwitwet, müssen Angehörige zum Antrag für die Sterbeurkunde auch die Sterbeurkunde des Ehepartners vorlegen. 

Organisation der Trauerfeier: Sind die Wünsche des Verstorbenen dahingehend unbekannt, obliegt es den Angehörigen, zu entscheiden, ob er einer Erd- oder einer Feuerbestattung zugeführt wird. Auch die Art der Trauerfeier, kirchlich oder weltlich in den Räumen des Bestatters, müssen die Angehörigen in diesem Fall bestimmen. Hatte der Verstorbene eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen, können die Angehörigen zur Deckung der Bestattungskosten deren Auszahlung beantragen. 

Sind die Wünsche des Verstorbenen nicht bekannt, müssen die Hinterbliebenen entscheiden, welche Art von Bestattung gewählt wird.

Haushaltsauflösung 

Innerhalb der ersten Tage nach dem Tod liegt die Priorität darin, die schriftlichen Angelegenheiten des Verstorbenen zu regeln. Angehörige sollten sich möglichst früh darum kümmern, Daueraufträge zu stornieren, Versicherungen und Mitgliedschaften zu kündigen sowie die Krankenkasse und die Rentenversicherung zu informieren. Ein weiterer Schritt besteht in der Kündigung des bestehenden Mietvertrages, falls der Verstorbene zur Miete gewohnt hat, oder in den Vorbereitungen zur Veräußerung des Hauses. Viele Hinterbliebene nehmen zum Zwecke der Haushaltsauflösung die Dienste von Entrümpelungsunternehmen in Anspruch. 

Hierbei sind folgende Aspekte bedenkenswert: Professionelle Unternehmen lösen einen Hausstand in der Regel schneller und stressfreier auf als Privatpersonen. Seriöse Unternehmen geben dabei im Vorhinein transparent Auskunft über die zu erwartenden Kosten und kalkulieren mit einem Stundensatz von über 20 Euro. Der Preis darf schließlich bis zu 20 Prozent höher ausfallen, als im Kostenvoranschlag benannt. Sicher gehen Angehörige mit der Vereinbarung eines Festbetrages. Zur Absicherung möglicher Wasser- oder Gebäudeschäden ist es unverzichtbar, dass der Entrümpelungsunternehmer über eine Haftpflichtversicherung verfügt. 

Wertgegenstände wie Antiquitäten, Porzellan oder Kunstgegenstände sollten die Hinterbliebenen vor einer Entrümpelung aus dem Haushalt entfernen und von Sachverständigen bewerten lassen, sofern sie nicht Teil des Testaments sind. Für wertlose aber lieb gewonnene Gegenstände empfiehlt sich das Veranstalten eines Nachbarschaftsflohmarktes. Oft finden sich für Bücher, Bilder oder Lampen Liebhaber in nächster Nähe, die verhindern, dass Erinnerungsstücke im Müll landen. 

Sterbefall im Ausland

Ist die Person im Ausland gestorben, gibt es noch weitere Dinge zu beachten. In der Regel soll der Leichnam zu den Angehörigen zurücktransportiert werden, um in der Heimat bestattet werden zu können. Um die notwendigen Formalitäten zu regeln, gibt es verschiedene Anlaufstellen wie etwa das dortige Konsulat oder die jeweilige Botschaft. Auch hierzulande müssen die Behörden über den Vorfall informiert werden. Für die Überführung bestehen ebenfalls gewisse Vorschriften, die einzuhalten sind. Erst wenn alle Dokumente beisammen sind, kann der Transport erfolgen. Grundsätzlich muss hier mehr Zeit eingeplant werden, bis die Bestattung erfolgen kann.

Erbschaft: Was ist hier zu beachten?

Wer erbberechtigt ist, unterliegt sowohl dem letzten Willen des Verstorbenen als auch den geltenden Gesetzen. Welche Dokumente zum Nachweis der Erbberechtigung vorliegen müssen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich: 

Der Erbschein: Der Erbschein dokumentiert, wer Erbe ist und wie groß sein Erbanteil ausfällt. Im Falle einer Erbengemeinschaft wird ein gemeinschaftlicher Erbschein erstellt, der alle Mitglieder der Erbengemeinschaft aufführt. Einen Erbschein stellt das Nachlassgericht auf Antrag und nach der Vorlage der betreffenden Dokumente aus. 

Hier müssen die Angehörigen den Todeszeitpunkt des Erblassers nachweisen und ebenso, ob eine gesetzliche oder vom Erblasser gewillkürte Erbfolge in Kraft tritt. Eine Erstellung eines Erbscheines ist mit Kosten gemäß der Gebührentabelle des Gerichts- und Notarkostengesetzes verbunden; diese steigen mit dem Wert der Erbschaft an.

Ist ein Erbschein notwendig? Ob die Erben einen Erbschein benötigen, unterscheidet sich von Erbfall zu Erbfall. Möchten sie den Zugriff auf die Konten des Verstorbenen erwirken, genügt der Bank in der Regel die Vorlage eines notariell beglaubigten Testaments. Auch ein privates Testament müssen die Geldinstitute nach aktueller Rechtsprechung in klaren Erbfolgefällen als Nachweis akzeptieren. 

Noch einfacher ist der Fall gelagert, wenn der Verstorbene den Erben zu Lebzeiten eine über den Tod hinausgehende Kontovollmacht erteilt hat. Tritt aufgrund des Fehlens eines Testaments die gesetzliche Erbfolge ein, benötigen Erben zur Auflösung von Konten, Übertragung von Immobilien oder Änderungen im Grundbucheintrag in jedem Fall einen Erbschein. 

Erbfolge per Testament: Wer erbt, kann allein der Erblasser in einem wirksamen Testament oder einem sogenannten Erbvertrag bestimmen. Dabei muss er sich nicht an gesetzliche Erbfolgen halten, sondern kann eine oder mehrere beliebige Personen benennen, die sein Vermögen erhalten und seine Rechtsnachfolge antreten. Enge Familienangehörige haben allerdings laut §2303 BGB das Recht, den Anspruch auf einen Pflichtteil geltend zu machen, der der Hälfte des gesetzlich festgesetzten Anteils entspricht.

Gesetzliche Erbfolge: Existiert kein Testament, erbt der engste Angehörige. Unter mehreren Personen desselben Verwandtschaftsgrades wird das Erbe zu gleichen Teilen aufgeteilt. Die gesetzliche Reihenfolge sieht gemäß § 1924ff. BGB dabei folgende Abstufungen vor: 

  • Angehörige 1. Ordnung: Kinder, Enkel, Urenkel 
  • Angehöriger 2. Ordnung: Eltern, Geschwister, Neffen, Nichten, Großneffen, Großnichten
  • Angehörige 3. Ordnung: Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen 

Es erbt jeweils der nahestehendste Angehörige der höchsten Ordnung. Solange ein Angehöriger einer ersten Ordnung vorhanden ist, sind Angehörige der nachfolgenden Ordnungen vom Erbe ausgeschlossen. Eine Ausnahme bildet das Ehegattenerbrecht: Von Gesetz wegen stehen dem verbliebenen Ehepartner einer Ehe mit Kindern stets ein Viertel des Erbes zu. Die meisten Ehepaare verfassen allerdings zu Lebzeiten ein sogenanntes Berliner Testament, infolgedessen dem länger lebenden Partner das gesamte Vermögen zufällt. 

Für den Fall, dass kein lebender Verwandter des Erblassers ausfindig gemacht werden konnte, fällt das Vermögen an den Staat. Hinterlassen Verstorbene ihren Erben hingegen Schulden statt Werten, haben diese sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen. Dennoch kann auch eine gefällte Entscheidung bei einem Erbfall unter Umständen noch revidiert werden

Erbschaftssteuer 

Das zu versteuernde Erbe umfasst jegliche Vermögenswerte, die einer Person zum Todeszeitpunkt zufallen. Dabei gestalten sich die Steuersätze unterschiedlich, je näher die Erben mit dem Erblasser verwandt sind. Steuerklasse 1 umfasst Ehepartner, Kinder, Stiefkinder, Enkel, Eltern und Großeltern des Erblassers. In Steuerklasse 2 fallen Geschwister, Nichten, Neffen, Schwiegereltern, Stiefeltern und geschiedene Ehepartner. Alle übrigen Personen müssen ihren Erbteil gemäß den geltenden Sätzen der dritten Steuerklasse versteuern. Maßgeblich ist zudem die Höhe der Erbschaft:

Steuerklassen bei der Erbschaftssteuer.

Bevor die Erbschaftssteuer greift, dürfen Erben jedoch einen gewissen Freibetrag vom Gesamterbe abziehen, der nicht versteuert werden muss. Dieser richtet sich nach dem jeweiligen Verwandtschaftsgrad. So kann der Ehegatte einen Betrag von 500.000 Euro steuerfrei erben und auch die Kinder sowie Stiefkinder profitieren von einem üppigen Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro. Wer keine Verwandtschaftsbeziehung zum Erben aufweist, kann hingegen nur 20.000 Euro steuerfrei erben.

Fazit 

Nach dem Tod eines Familienmitgliedes tun Hinterbliebene gut daran, Freunde und Verwandte um Unterstützung zu bitten und übertragbare Aufgaben möglichst zu delegieren. Auch eine Prioritätenliste kann dabei helfen, sich zunächst allein um unaufschiebbare Erledigungen zu kümmern, damit kein zusätzlicher Stress die emotionale Belastung verstärkt. 

Wer seine Angelegenheiten bereits zu Lebzeiten durch Vollmachten und ein Testament regelt, verhindert für seine Angehörigen bürokratische Belastungen und rechtliche Streitigkeiten.

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