Vorliebe für schwierige Rollen

Schauspielerin Uta Krüger hat in der Stiftsruine Blut geleckt

Hat mit einer kleinen Rolle bei den Bad Hersfelder Festspielen angefangen und ist inzwischen Profi-Schauspielerin: Uta Krüger. Foto: nh

Bad Hersfeld. Angefangen hat für sie alles bei den Bad Hersfelder Festspielen: Als 14-Jährige stand Uta Krüger in der Stiftsruine zum ersten Mal auf der Theaterbühne. Inzwischen hat die einstige Rohrbacherin ihr damaliges Hobby längst zum Beruf gemacht.

Für Volker Lechtenbrinks „Romeo und Julia“ hatte sie 1996 mit ihrer Ballettgruppe vorgetanzt – heraus kam eine kleine Rolle als Page des Grafen Paris und eine neue Leidenschaft. „Ich wurde anfangs nur als Junge besetzt, wohl weil ich wie ein kleiner Junge aussah“, erinnert sich die immer noch sehr zierliche Blondine lachend zurück.

„Auf den Sommer gewartet“

„Damals habe ich jedenfalls Blut geleckt“, erklärt Krüger, die sich fortan keinen anderen Beruf mehr vorstellen konnte – wenngleich es wohl sicherere und bequemere Jobs gibt. „Bis zum Abi habe ich jedes Jahr auf den Sommer und die Festspiele gewartet. Ich wollte und musste das machen.“ Theater sei für sie anfangs auch immer open air gewesen, kleine schaukastenähnliche Bühnen in einem dunklen Saal kannte sie bis dato schließlich gar nicht.

In den vergangenen Jahren hat die Mittdreißigerin unter anderem in Lüneburg, Berlin, Celle und Hannover auf der Theaterbühne gestanden, vor der Film- und Fernsehkamera arbeitet die freischaffende Schauspielerin ebenfalls. Seit kurzem kommen noch Engagements als Synchron- und Werbesprecherin hinzu. Ihr Handwerk hat sich Krüger auf der Schauspielschule, in Workshops und im Privatunterricht angeeignet, „das meiste aber lernt man auf der Bühne“, meint sie. „Die Praxis ist die eigentliche Schule.“

Traumjob, aber kein Zuckerschlecken

Die Schauspielerei ist für Krüger ein Traumjob und eine Lebensphilosophie, aber eben auch kein Zuckerschlecken. Denn nicht alle Rollenangebote kommen über Kontakte zustande. Das Schreiben von Bewerbungen gehört für Krüger zum Alltag. „Büroarbeit“ nennt sie das schmunzelnd. Mit Absagen muss man umgehen können, häufig gebe es auch gar keine Reaktion. „Bis man auf der Bühne oder vor der Kamera steht, dauert es.“

Mal eben die Haare schneiden oder färben, auch das ist nicht so einfach möglich. Wechselnde Engagements und Einsatzorte erschweren den Aufbau sozialer Kontakte. „Mein Koffer war mein ständiger Begleiter und ich war oft nur zum Umpacken zuhause“, berichtet sie.

Aktuell ist Krüger in ihrer Wahl-Heimat in zwei Wiederaufnahmen zu sehen: Im Altonaer Theater steht sie in verschiedenen Rollen für „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ auf der Bühne, im Beatles-Musikstück „Backbeat“ spielt sie die Fotografin Astrid Kirchherr. Anspruchsvolle Rollen und historische Frauenfiguren mit viel Recherche sind Krüger am liebsten.

Internationale Preise

Eine besonders intensive Erfahrung sei zudem der ebenfalls aktuelle und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnete Experimentalfilm „Im Auge des Betrachters“ gewesen – ein Echtzeitdrama rund um ein Familientreffen, in dem Krüger die mittlere Tochter verkörpert. In Deutschland sei der Film noch nicht zu sehen, aber die Premiere für dieses Jahr geplant.

In Bad Hersfeld, wo ihre Eltern leben, ist Krüger zwar nur noch selten, aber gerne zu Gast. Die jüngsten Entwicklungen bei den Festspielen beobachtet sie aus der Ferne – und hat dabei einen Wunsch: dass diese ihre Seele nicht verlieren. Denn wenn der Fokus sich von der Kunst hin zum reinen Event verschiebe, sei das schade.

Die Besetzungscouch gibt es

Die aktuelle Me-too-Debatte um das Machtverhältnis in der Unterhaltungsbranche betrachtet und kommentiert Uta Krüger differenziert. Dass es Frauen in der Branche nicht immer leicht haben, kann sie aber bestätigen – sei es beim Rollenangebot oder beim Gehalt.

 „Es gibt die junge Frau und die alte Frau“, sagt Krüger, „dazwischen gibt es nicht viel.“ Auch die Diskrepanz beim Gehalt von Männern und Frauen sei bekannt, diesbezüglich müsse sich etwas ändern. Zu Belästigungen durch Regisseure oder Kollegen sagt die Schauspielerin: „So etwas darf nicht passieren.“ Man müsse aber auch selbst Grenzen setzen und sich wundern, wenn ein Vorsprechen etwa im Hotelzimmern stattfinden solle.

 Und: „Nicht jammern, sondern etwas tun“, lautet Krügers Devise, die selbst schon einmal in der Situation war, sich gegen unerwünschte Annäherungsversuche wehren zu müssen. Klare Worte hätten damals geholfen. Eines gebe es jedenfalls wirklich: Die sogenannte Besetzungscouch.

Zur Person

Uta Krüger kommt aus Ludwigsau-Rohrbach und hat am Obersberg in Bad Hersfeld Abitur gemacht. 2002 stand sie zunächst in Lüneburg auf der Bühne. Seit 2003 lebt sie in ihrer Wahlheimat Hamburg. Sie hat dort die Schauspielschule Frese besucht und zudem einen Uniabschluss in Englisch und Deutsch (B.A.). Im Fernsehen war sie unter anderem in „Notruf Hafenkante“ und „Morden im Norden zu sehen.“ Die Zeit zwischen ihren Engagements nutzt Krüger gerne für Reisen, „das ist für mich ein Stück Lebensqualität und erweitert den Horizont“.

Von Nadine Maaz

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