Einge Gäste verfolgten das Konzert im Flur

Saxofon-Fieber: Sistergold im Buchcafé gefeiert

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Vier Frauen, vier Saxofone: Der Auftritt von „Sistergold“ im Buchcafé zählt schon jetzt zu den Höhepunkten des Konzertprogramms 2020.

Einen umjubelten Auftritt haben die vier Saxofonistinnen von „Sistergold“ im Bad Hersfelder Buchcafé hingelegt. Eine Gäste verfolgten das Konzert sogar vom Flur aus.

Einfach wohlfühlen war der angesagte Tenor der vier quirligen Saxofonistinnen von „Sistergold“, eine wahre Geldanlage im völlig ausverkauften Buchcafé am Abend des Valentinstags. Der Andrang nach Karten war sogar so groß gewesen, dass selbst draußen vor der Tür des großen Saales einige Fans den Saxofonklängen des goldigen Quartetts bis zum Ende lauschten.

Für die Interpretation des ersten Titels „I Feel Good“ gab es Wow-Rufe und viel Applaus, die Gäste gingen sofort mit und wurden nur durch die Stühle am Tanzen gehindert. Was die vier Frauen mit ihren vier Saxofonen boten, war ein hörenswert fetter Sound mit genialen groovenden Soloeinlagen, der mit stimmiger Choreographie und witziger Show den Szenenbeifall nur so herausforderte.

Ihren Ursprung hat die Sax-Band übrigens in Blankenheim bei Bebra, da stammt Kerstin Röhn her, die inzwischen bei Kassel wohnt und als Bariton-Sister vorrangig das Rohrblatt des Bariton-Saxofon anbläst. Die anderen Saxofon-Schwestern des Abends waren Inken Röhrs mit dem Sopran-Saxofon, Sigrun Krüger mit dem Tenor-Saxofon und die wegen Krankheit von Elisabeth Flämig extra aus Berlin herbeigeeilte fantastische Bettina Matt am Alt-Saxofon, die diesen Part aus dem Stegreif perfekt vertrat.

Nach „Bei Mir Bistu Shein“ folgte ein tanzbares Klezmer-Medley mit jiddischer Hochzeitsmusik aus Russland und danach ein erstaunliches Saxofon-Arrangement der über 250 Jahre alten Musik „Der Einzug der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel. Das kam an und wurde mit Bravorufen belohnt. Und so zogen die vier charmanten Damen am Saxofon einen wahnsinnig großen Bogen vom Classik Jazz über Klezmer, Tango, Blues, Jazz, Barock, Funk, Weltmusik bis hin zum Mainstream. Ja, und auch vor ABBA schreckte die lustige Band nicht zurück: „Thank You For The Music“ – war das Thema!

Dann wieder die ganz andere Richtung: das funky röhrende Bariton-Saxofon aus der Feder von und mit Kerstin Rhön. Es war ein Ohrenschmaus, diese Vielfältigkeit der Saxofonwelt zu hören. Im Rhythmus der mitklatschenden Händen der Gäste versprühten die vier kräftig ihre „Don’t Worry Be Happy“-Gute-Laune und zogen weiter in die Jazzsauna von New Orleans mit Gershwins träger, melancholischer „Summertime“.

Kerstin Röhn erinnerte sich dann sogar 31 Jahre zurück, als die legendäre „Veterinary Street Jazz Band“ erst in Bebra und dann zum Jazz in Bad Hersfeld spielte, der sie dazu brachte, Charleston zu erlernen. Und den tanzte sie nun auf der Bühne vor: Hacken auseinander und wieder zusammen, so wie Zigarette austreten, rechtes Bein nach vorn und zur Mitte und linkes Bein nach hinten und zur Mitte.

Bei „Ain’t She Sweet“ brach jetzt der letzte Damm der ruhigen Füße und alle versuchten unterm Stuhl den Charleston, während auf der Bühne die kleine Inken Röhrs das Stück unter beifälligen „Oh“-Rufen mit einem gekonnten Stepptanz beendete. Der ganze Saal jauchzte und tobte und schnippte bei „Hit The Road Jack“ die Finger wie wild und sang „And don’t you come back no more“ im Chorus.

Es war schon verblüffend, was die vier ihren Saxofonen an Tönen so entlockten. Da gab es neben Kontrabasslinien auch E-Gitarrensounds, Schlagzeuge und Pfeifen zu hören. Immer wieder aufbrausender Beifall!

Als erste Zugabe wurde die „Cantina Band“ aus Star Wars geblasen mit der Aufforderung an die Zuhörer verbunden, diesen Tanz für den nächsten Auftritt im Buchcafé schon einmal zu üben. Den wirklich letzten Groschen gab dann „Mackie Messer“, und auch der wurde gebührlich gefeiert.

Von Steffen Sennewald

Fotos von "Sistergold" im Buchcafé

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