Keine ungetrübte Feierlaune beim 100. Geburtstag

Sammlung und Konzept des Bad Hersfelder Museums sind veraltet

Museum muss bewegen: Bertold Schmidt (Zweiter von rechts) auf einem Nachbau einer Draisine, die Museumsbesucher gerne ausprobieren dürfen. Gerhard Kraft, Helgo Hahn und Hans-Heinrich Jäger standen ihm bei seiner „Radtour“ im Kapitelsaal zur Seite. (Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken).
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Museum muss bewegen: Bertold Schmidt (Zweiter von rechts) auf einem Nachbau einer Draisine, die Museumsbesucher gerne ausprobieren dürfen. Gerhard Kraft, Helgo Hahn und Hans-Heinrich Jäger standen ihm bei seiner „Radtour“ im Kapitelsaal zur Seite. (Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken).

Mit einer Veranstaltung im Kapitelsaal  erinnerte der Förderkreis Museum an die Gründung des Hersfelder Stadtmuseums vor 100 Jahren und die des Förderkreises im Jahr 1980.

Ein 100. Geburtstag ist ein guter Anlass zum Feiern, bietet jedoch auch Gelegenheit zu einem kritischen Rückblick.

Der Vorsitzende des Förderkreises Bertold Schmidt freute sich sichtlich, über die große Zahl der Interessierten, die in den Kapitelsaal gekommen waren. Für eine standesgemäße musikalische Begleitung sorgte Helgo Hahn mit bekannten Melodien des Meisters der Berliner Operette, Walter Kollo.

In der Geschichte des Museums spielten Namen wie Carl Strauß, Hans Post, Louis Demme und Heinrich Falk, wie Gerhard Kraft in seinem Vortrag erläuterte, eine entscheidende Rolle.

Erinnerungen an vergangene Tage 

Manches erinnert auch im Museum selbst noch bis heute an diese „Gründerväter“ der Hersfelder Museumslandschaft – nicht zuletzt gilt dies für die von Hans Post selbst geschneiderte Feuermeister-Uniform, die seit einigen Jahren im Museum im Stift gezeigt wird. Eine zentrale Rolle spielen darüber hinaus auch die zahlreichen Ausstellungen, die dort zu sehen sind.

Karl Honikel vom Judaica-Museum in Schenklengsfeld übergab zur Feier des Tages vier rekonstruierte Urnen chattisch-germanischen Ursprungs, die bei Ausgrabungen nahe Unterweisenborn gefunden wurden. Die Urnen, deren Scherben sich im Museum befanden, sind aufwändig restauriert worden.

Doch die Feierlaune deckte die Probleme nicht zu: Sowohl der Förderkreis-Vorsitzende Berthold Schmidt als auch der Erste Stadtrat Gunter Grimm fanden deutliche Worte für die Missstände und Probleme, mit denen das Museum zu kämpfen hat: Die Ausstellung sei seit Jahrzehnten nicht ergänzt und überarbeitet worden, sodass das 20. Jahrhundert in der Ausstellung nur rudimentär gestreift werde, im Museum herrsche akute Platznot und ein großer Teil der historisch wertvollen Sammlung sei nicht sachgerecht gelagert, sodass es bereits zu gravierenden Beschädigungen von Teilen des kulturellen Erbes der Stadt gekommen ist.

Es fehlt am Überblick

Ein genauer Überblick über die vorhandenen Museumsgüter fehlt ebenso: Es wurde zwar vor einigen Jahren mit dem Erfassen des Inventars begonnen, die Arbeiten wurden jedoch nicht zu Ende geführt. Gerhard Kraft ermöglichte in seinem Vortrag zumindest einen kurzen Foto-Blick in einen der derzeit genutzten Lagerräume, der eher an eine Rumpelkammer erinnert, als an ein ordentliches Museums-Magazin.

Auch zwischen dem Förderkreis, der aus engagierten Bürgern besteht, die sich ehrenamtlich für das Museum einsetzen, und der Stadt gibt es offensichtlich immer wieder Reibungspunkte. Trotzdem, so betonte Bertold Schmidt in seinem Rückblick auf die Arbeit des Fördervereins, habe das Engagement der Mitglieder viel Gutes bewirkt.

Kein beliebiges Sammelsurium 

Trotz aller Mängel sei das Museum kein beliebig zusammengestelltes Sammelsurium, sondern eng mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden. Ihm, so Schmidt, sei es wichtig, dass das Museum kein statischer Ort sei. Das sei auch die Idee, die hinter der museumspädagogischen Werkstatt in der Alten Tuchfabrik stecke.

Auch die Arbeit der Mitarbeiter des Museums Christian Georg, Reinhold Schott, Leni Donceva und Brigitte Winter wurde sowohl von Schmidt als auch von Stadtrat Grimm ausdrücklich gewürdigt. Bertold Schmidt wurde zum Ende der Veranstaltung noch einmal deutlich, als er forderte, dass die Stellen von Georg und Schott, die in den nächsten Monaten in den Ruhestand eintreten, umgehend wiederbesetzt werden müssten.

Von Ute Janßen

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