Verständnis, Bedauern und Sorge

Hoffnung auf 2021: Das sagen Politiker zur Absage der Bad Hersfelder Festspiele 

Absage Bad Hersfelder FestspieleMontage: Sören RuppertOriginalfoto: Steffen Sennewald
+
Wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt: Die 70. Bad Hersfelder Festspiele, die 2020 hätten stattfinden sollen.

Die Absage des kompletten Programms der 70. Bad Hersfelder Festspiele wird in der Bundes- und Stadtpolitik mit Verständnis, aber auch mit Bedauern und Sorge zur Kenntnis genommen.

Von einer „bitteren, aber notwendigen Entscheidung“ spricht der heimische Bundestagsabgeordnete und Europa-Staatsminister Michael Roth. Die Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus und der Schutz der Gesundheit von Mitwirkenden wie Gästen der Festspiele müsse zweifellos Vorrang haben. Erst im vergangenen Jahr habe der Bund die Förderung der Festspiele mit der Rekordsumme von 3,45 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren sowie eine Sonderförderung anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Festspiele beschlossen.

„Nun müssen der Bund wie auch das Land Hessen ihren Beitrag dazu leisten, die finanziellen Lasten der Absage fair zu schultern“, fordert Roth und hat dazu bereits Gespräche mit seiner Kabinettskollegin, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, aber auch den zuständigen Abgeordneten des Haushaltsausschusses des Bundestages geführt.

Michael Roth, Europa-Staatsminister

Die Absage sei aber nicht allein wirtschaftlicher Natur, sondern vor allem ein großer kultureller Verlust, schreibt Roth und teilt mit Intendant Joern Hinkel die Hoffnung auf einen ganz besonders faszinierenden Festspielsommer im kommenden Jahr 2021.

Von einer „doppelt tragischen Zäsur“ spricht Karsten Vollmar, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Die Festspiele seien ein harter Standortfaktor, die wirtschaftliche Bedeutung könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Genau deshalb müssen wir jetzt unseren Blick nach vorne richten, und wie andere Theater und Opernhäuser auch Ideen entwickeln, um einen Plan B anzubieten.“ Mit Blick auf 2021 könne man sicherlich kleine, feine und kreative Lösungen entwickeln und die Bürgerfestspiele in Bad Hersfeld so präsent halten. Auch der faire Umgang mit Künstlern und das Wohlwollen der Investoren sei von enormer Wichtigkeit, so Vollmar.

In der SPD sei derzeit eine Gruppe um Lothar Seitz, Dr. Thomas Handke und Vollmar selbst dabei und entwickle Ideen, die man dann vorstellen werde. Der heimische Staatsminister Michael Roth stehe in Kontakt mit den Zuschussgebern aus dem Bund und helfe hier konkret weiter.

Die Stadtverordnetenfraktionen von FWG, FDP und UBH stehen geschlossen hinter der Entscheidung zur Absage der Festspiele. „Aufgrund des unklaren Pandemie-Verlaufes wäre ein Festhalten an der Festspielsaison nicht zu verantworten“, erklären die Fraktionsvorsitzenden Jürgen Richter (FWG), Bernd Böhle (FDP) und Hans-Jürgen Schülbe (UBH) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Zudem seien die finanziellen Folgen ausschlaggebende Argumente für die Absage gewesen.

„Bad Hersfeld steht nun vor einer großen Herausforderung. Denn die Absage trifft unsere lokale Wirtschaft, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf und neben der Bühne und auch die Bürger selbst, die den wohl zu erwarteten Einbruch bei den Gewerbesteuern für die Stadt ein Stück weit mitfinanzieren werden müssen“, erläutert FDP-FraktionsvorsitzenderBernd Böhle.

„Wir werden mit aller Kraft und Möglichkeit gemeinsam bestrebt sein, die Folgen für unsere Stadt und alle Betroffenen zu mildern“, fügt FWG-Fraktionsvorsitzender Jürgen Richter hinzu. „In einem ersten Schritt gilt es nun, die Beschäftigungsverhältnisse mit den Bediensteten auf Augenhöhe, mit Fairness und Anstand zu beenden“, so das wichtige Anliegen von UBH-Fraktionschef Hans-Jürgen Schülbe.

Weiterhin sollten Alternativprogramme im kleinen Rahmen erarbeitet werden, die etwa im Schloss Eichhof, dem Buchcafé oder auch dem Bach-Haus stattfinden könnten. „Daher rufen wir die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultur zum aktiven Handeln auf, um dort gemeinsam mit der Festspielverwaltung Ziele zu definieren und Angebote zu erarbeiten“, so die drei Fraktionsvorsitzenden.

Um ihre Solidarität mit den Festspielen zum Ausdruck zu bringen, schlagen FWG, FDP und UBH den Festspielfans vor, von einer Erstattung des Kaufpreises abzusehen und diesen zugunsten einer Spende bereitzustellen, oder sich einen Gutscheins für die Saison 2021 ausstellen zu lassen. Auch bitten sie die Verantwortlichen im Bund, Land und auf Kreisebene an ihren Zuschüssen für die Saison 2020 festzuhalten.

Abschließend sprechen sich FWG, FDP und UBH erneut für eine Ausgründung der Festspiele in eine gGmbH aus. Dies sei ein „starkes Signal an unsere Zuschussgeber, die diesen Schritt schon lange favorisieren“. 

Auch keine Konzerte in diesem Jahr

Im Zuge der Absage der Bad Hersfelder Festspiele finden auch die Konzerte zum Abschluss der Festspielsaison nicht statt. Dies teilte Chorleiter Ulli Meiß mit und reagiert damit auf die vielen Nachfragen. Dies bedeute für den Chor und das Blechbläserensemble vom Obersberg „eine ganz bittere und schwierige Situation“, schreibt Meiß, mit der man sich in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen müsse. Bereits zu Beginn der Krise wurden die für Mai geplante Reise ins befreundete Malmesbury sowie die kurz vor den Sommerferien jährlich stattfindende Chorfreizeit auf der Insel Rügen gecancelt. Zum Leidwesen der Chor- und Orchestermitglieder mussten bis auf Weiteres auch alle musikalischen Tätigkeiten wie Proben, Einzelunterricht und Stimmbildung eingestellt werden. (ks)

Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Hersfeld-Rotenburg gibt es im News-Ticker.*

*hersfelder-zeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare