Wandertag, Projektwoche, verkürzter Unterricht

30 Grad im Klassenzimmer: Hitze macht auch den Schulen im Kreis zu schaffen

+
Bei 30 Grad macht das Lernen nur wenig Spaß: Da es in ihrem Klassenraum derzeit sehr warm ist, freuen sich die neunjährige Lilli – hier mit einem Thermometer, das 29,5 Grad anzeigt – und Lukas (9), dass der Unterricht in der Haselbachschule in Lispenhausen an den beiden vergangenen Tagen etwas früher beendet wurde. Damit die Kinder bei der Hitze genug Flüssigkeit zu sich nehmen, hat die Schulleitung Wasserkisten bereitgestellt.

Die Hitze macht auch den Schulen zu schaffen – vor allem denen, die baulich nicht auf dem neuesten Stand sind. Die Lösungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind durchaus kreativ. 

Besonders ins Schwitzen kommen derzeit die Mädchen und Jungen der Haselbachschule in Lispenhausen. „In unseren Klassenräumen herrschen Temperaturen von 27 bis 30 Grad“, sagt Schulleiter Patrick Busch. Das Problem des 90 Jahre alten Gebäudes seien vor allem die großen Fenster und der fehlende Schatten. 

Die lichtdurchlässigen Vorhänge hätten gegen die Sonnenstrahlen keine Chance, sagt Busch, der morgens schon um sieben Uhr in die Schule kommt und in der Hoffnung auf ein bisschen Durchzug alle Fenster weit öffnet. „Das bringt aber kaum etwas.“ Der einzige Ort in der Schule, an dem man es halbwegs aushalten könne, sei das Untergeschoss der Turnhalle. „Da können wir aber nicht alle 111 Schüler unterrichten.“

Da Schulleiter in Hessen die Entscheidungsgewalt haben, ob sie hitzefrei geben (siehe Text unten), hat Busch entschieden, an den vergangenen beiden Tagen, „im Sinne der Gesundheit unserer Kinder und Lehrkräfte“ am späten Vormittag den Regelunterricht zu beenden. „Ungeachtet dessen werden die Kinder bei Bedarf selbstverständlich bis 16.30 Uhr betreut.“

Bei 30 Grad ist an normalen Unterricht nicht mehr zu denken

Auch die Blumensteinschule in Obersuhl begegnet der Hitze kreativ: „Wir haben für Dienstag und Mittwoch unsere Unterrichtsstunden von 45 Minuten auf 30 Minuten verkürzt“, sagt Thorsten Gräf, stellvertretender Schulleiter. Die 560 Schüler konnten so früher als sonst nach Hause gehen, es sei aber kein Unterricht ausgefallen – eine Idee, die schon im vergangenen Rekordsommer gut bei Eltern, Schülern und Lehrern angekommen sei. „Bei uns sind es 30 Grad, da ist an normalen Unterricht nicht mehr zu denken“, so Gräf.

Jürgen Krompholz, stellvertretender Amtsleiter des Staatlichen Schulamts in Bebra, begrüßt die Herangehensweisen beider Schulen: „Die Lösungen sind sehr vernünftig und durchdacht und stehen im Einklang mit dem Erlass des Kultusministeriums.“ Ziel müsse es stets sein, dass kein Kind gesundheitlich beeinträchtigt werde. „Unterricht bei 30 Grad ist einfach nicht zumutbar.“

An den letzten beiden Tagen des Schuljahres dürfte die Hitze indes kein großes Problem mehr in der Blumensteinschule sein: Heute ist Tag der offenen Tür, am Freitag gibt’s Zeugnisse.

Von Wandertag bis Projektwoche: Wenn Hitzefrei kein Thema ist

An den Beruflichen Schulen in Bebra gibt es beispielsweise grundsätzlich kein hitzefrei, „weil unsere Schüler nicht mehr der Schulpflicht unterliegen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Bianca Feyerabend. Das gilt auch für die gymnasiale Oberstufe der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld sowie für die dortige Berufsschule. 

Die Schüler der Gesamtschule Obersberg haben allerdings gestern nach der sechsten Stunde freibekommen, heißt es auf Anfrage. An der Werratalschule in Heringen ist hitzefrei kein Thema – weil die Schüler ohnehin gerade unterwegs sind. „Wir haben die ganze Woche Projektwoche“, sagt Schulleiter Michael Arendt. 

Ähnlich sieht es an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg aus: „Unsere Schüler sind in der letzten Woche vor den Ferien ohnehin auf Klassenfahrt oder machen einen Wandertag, sodass sich das Thema bei uns nicht stellt“, sagt Schulleiterin Sabine Amlung.

Das steht im hessischen "Hitzefrei-Erlass"

Ob es hitzefrei gibt, darf in Hessen jeder Schulleiter selbst entscheiden. So steht es in einem Erlass des Kultusministeriums von 2015. Demnach sieht das Ministerium „an Tagen, an denen durch hohe Temperaturen im Schulgebäude der Unterricht erheblich beeinträchtigt wird“ für die Grundstufe und die Mittelstufe grundsätzlich drei Möglichkeiten vor: 

  • Alternativer Unterricht an anderen Lernorten oder projektbezogener Unterricht anstelle des Regelunterrichts
  • Verzicht auf Hausaufgaben
  • und Unterrichtsende nach der 5. Stunde, also hitzefrei.

Kommentare