Bad Hersfelder Festspiele

Mit dem Roller durch die Stadt: Marc Seitz spielt im Festspiel-Musical „Funny Girl“ 

Vor zehn Jahren einer von den „Jets“: Marc Seitz kehrt im Sommer für das Musical „Funny Girl“ zu den Bad Hersfelder Festspielen zurück. Foto: Karl Schönholtz

Marc Seitz spielt im Musical „Funny Girl“ bei den Bad Hersfelder Festspielen die Rolle des Eddie Ryan. 

Wenn Marc Seitz an Bad Hersfeld denkt, dann fällt ihm als Erstes die völlig verregnete Premiere der „West Side Story“ von 2009 ein. Obwohl das Ensemble hinter der Bühne über eine „Wet Slide Story“ unkte, wurde aus der anspruchsvollen Choreographie dennoch keine Rutschpartie - aber offenbar ein unvergessliches Erlebnis.

Zehn Jahre danach sitzt Seitz, der damals einen der „Jets“ spielte und sang, in einem Café am Berliner Nollendorfplatz und freut sich auf einen weiteren Sommer in der Festspielstadt, diesmal in der Rolle des Eddie Ryan im Musical „Funny Girl“. Diesen Part kennt der 43-Jährige bereits in- und auswendig, hat er ihn doch schon viermal verkörpert, jedes Mal unter der Regie von Stefan Huber, der auch in der Stiftsruine inszenieren wird. „Die Rolle scheint mir auf den Leib geschrieben“, sagt er.

Für Marc Seitz verbindet diese Figur die drei wesentlichen Elemente des Musicals: Gesang, Tanz und Schauspiel. „Das interessiert mich am meisten“, sieht er darin auch den Anspruch an sich selbst erfüllt.

Dennoch weiß Marc Seitz, dass „Funny Girl“ in Bad Hersfeld ganz anders werden wird als etwa in Graz oder Dortmund. „Da wird bestimmt nicht nur etwas Eingefrorenes wieder aufgetaut“, sagt er und ist gespannt auf neue Ideen.

Dabei sieht er in erster Linie den Regisseur in der Pflicht. Zwar halte er mit eigenen Vorstellungen bis zu einem gewissen Punkt nicht hinter dem Berg, doch dann sei es die Verantwortung der Regie, Vorgaben zu machen. „Die setze ich mit voller Hingabe um und sehe, dass ich Spaß dabei habe.“ Seitz räumt allerdings ein, dass dazu auch gegenseitiges Vertrauen gehöre.

Mit der akribischen Regiearbeit von Stefan Huber hat er schon genügend Erfahrung, um auf kräftezehrende Probentage eingestellt zu sein. Doch auch hier ist er sich sicher: „Die Rechnung geht auf.“ Dabei schaut Marc Seitz bei den Proben nicht nur in eine Richtung. Als Dozent an der Hochschule Osnabrück, wo vor zehn Jahren ein Studiengang der Fachrichtung Musical aufgebaut wurde, ist ihm die Perspektive des Speilleiters nicht fremd.

Seit dem vergangenen Jahr hat er zudem die musikalische Leitung des Straßentheaters der Salzburger Festspiel übernommen. Hier zieht ein Theaterwagen durch die Stadt und spielt gratis für die Bewohner .

„Die Bühne allein hat mir nie gereicht“, sagt Marc Seitz. „Es ist schön zu erleben, wenn man Wissen vermitteln kann.“

Bad Hersfeld wird in diesem Sommer drei Monate lang seine Heimat sein. „Ich habe dann auch keine Lust, zwischendurch nach Hause zu fahren“, freut sich Marc Seitz vielmehr darauf, mit dem Elektro-Roller durch die Stadt zu brausen. Dann hoffentlich bei besserem Wetter als vor zehn Jahren. 

Zur Person

Marc Seitz (43) schloss im Jahr 2000 sein Studium an der Universität der Künste Berlin ab. Nachdem er 1997 den Bundeswettbewerb Gesang Berlin im Fachbereich „Musical, Chanson, Song“ gewonnen hatte, folgten Engagements auf zahlreichen Musicalbühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. 2012 fand die Uraufführung seines mit dem Autoren Kevin Schroeder gemeinsam verfassten Musicals „Die Tagebücher von Adam und Eva“ im Admiralspalast Berlin statt. Zwischen 2012 und 2016 war Marc Dozent für Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, seit 2012 an der Hochschule Osnabrück und seit 2016 zusätzlich ian der Musikschule Berlin Neukölln. ks

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