„Wir spielen mit dem Kopf unterm Arm“:

Festspiel-Momente: Robert Joseph Bartl probt gerade in Wien

Das Bild zeigt Robert Joseph Bartl mit Sonnenhut auf der Wiese vor dem Festspielgebäude im Stiftsbezirk.
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Seit 2015 ist Robert Joseph Bartl ein gern gesehener Gast bei den Bad Hersfelder Festspielen und wurde mit dem Hersfeld- und dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Robert Joseph Bartl ist bei den Bad Hersfelder Festspielen ein gern gesehener Gast. Aktuell steckt er mitten in den Proben für ein neues Projekt am Theater in der Josefstadt/Wien.

Wien/Bad Hersfeld - Darüber ist er richtig glücklich. Denn nicht Theater spielen zu dürfen, das empfand der auch in Bad Hersfeld beliebte Schauspieler nicht nur befremdlich, sondern fast schon bedrohlich. „Wir spielen eigentlich auch mit dem Kopf unter dem Arm“, meint Bartl. Und in der Josefstadt sei seit 1782 ununterbrochen gespielt worden. Und nun komme so ein Virus daher und bringe alles zum Erliegen.

Dabei ist Bartl sich bewusst, dass er zu denjenigen Theaterleuten gehört, die gut durch die Krise gekommen sind. Er ist am Theater in der Josefstadt fest engagiert, musste zwar in Kurzarbeit, erhielt aber einen Teil seines Gehalts weiterhin. „Wäre ich noch freischaffend, dann wäre mein Einkommen auf Null heruntergefahren“, sagt Bartl.

Auch in anderer Hinsicht hatte Bartl Glück. Er durfte trotz der sehr strengen Regelungen in Österreich mit einer Sondergenehmigung mit seinem Partner die Großstadt Wien verlassen und in seine Heimat Garmisch fahren. Dort waren, mitten in der Natur, die Corona-Beschränkungen leichter zu ertragen. Doch jetzt wird wieder geprobt. Zur Wiedereröffnung der Josefstadt am 17. September steht die Dramolette „Der deutsche Mittagstisch“ von Thomas Bernhard in der Inszenierung von Claus Peymann auf dem Spielplan. „Ein sehr spannendes Projekt“, freut sich Bartl und ist voll „kindlicher Hoffnung“, dass die Premiere tatsächlich stattfinden kann und nicht ein erneuter Lockdown dazwischen kommt. „Die Ungewissheit hängt wie ein Damoklesschwert über uns. Das ist sehr belastend“, sagt Bartl.

Er sieht dabei nicht nur das Anliegen der Theatermacher, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können, sondern auch die gesellschaftliche Aufgabe von Theater. Hier werden Missstände und Konflikte, gesellschaftliche Entwicklungen und die Sünden der Vergangenheit auf die Bühne gebracht, pointiert beleuchtet und zur Diskussion freigegeben. „Theater ist wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft“, davon ist Robert Joseph Bartl überzeugt.

Theater unter Corona-Bedingungen ist allerdings eine Herausforderung. Hinter der Bühne herrsche Maskenpflicht und das Ensemble bemühe sich, die Abstandsregelungen so gut wie möglich einzuhalten. „Es gibt aber Szenen, die gehen nicht mit Abstand. Wenn da in der Regieanweisung steht „Sie greift ihm in die Hose“, wie soll man das machen?“, fragt sich der Schauspieler.

Vonseiten des Theaters werde alles getan, um die Risiken für Ensemble und Zuschauer zu verringern. „Wir werden jeden zehnten Tag getestet“, berichtet Bartl. Zudem seien die Produktionen, für die gerade geprobt werde, strengt voneinander getrennt, sodass jede eigene Techniker, Maskenbildner, Kostümbildner oder Ankleider habe.

Um den Abstand im Zuschauerraum zu gewährleisten und trotzdem eine akzeptable Zahl an Zuschauern unterbringen zu können, sei der Abstand der Sitzreihen vergrößert worden. Zudem werde mit Plexiglasabtrennungen bei den Logen gearbeitet. Wie es dann sein wird, in die deutlich gelichteten Zuschauerreihen zu blicken, das mag Bartl sich aber noch nicht so wirklich vorstellen.

In Wien stehen in dieser Spielzeit noch zwei weitere Produktionen für Robert Joseph Bartl auf dem Programm: „Rechnitz (Der Würgeengel)“ von Elfriede Jelinek ab 8. Januar und „Leben und Sterben in Wien“ von Thomas Arzt als Uraufführung im Juni 2021.

Von den Produzenten des Tatorts aus München, wo Bartl als Gerichtsmediziner Dr. Steinbrecher zu sehen ist, hat Bartl allerdings noch nichts gehört.

Zu Bad Hersfeld, wo er seit 2015 regelmäßig auf der Bühne der Stiftsruine und auch im Eichhof zu sehen war, hat Robert Joseph Bartl eine besondere Beziehung, nicht nur weil es hier das allerbeste Schokoladeneis gibt, wie er betont. Sowohl die Stiftsruine als auch die Bad Hersfelder haben es ihm angetan. (Christine Zacharias)

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