Wochenendporträt

Richard Krolzig zieht mit dem Riesenrad durch die Welt

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Bei ihm geht's immer rund: Richard Krolzig aus Bad Hersfeld vor "seinem Riesenrad", das zurzeit in Polen steht.

Richard Krolzig hat seine Leidenschaft für Jahrmärkte und Volksfeste zum Beruf gemacht. Kein Wunder bei einem, der ausgerecht an einem Lollsmontag nach Bad Hersfeld gezogen ist.

Die Liebe seines Lebens hat Richard Krolzig schon als kleiner Junge gefunden. Als er ausgerechnet am Lollsmontag mit seiner Mutter in die Burggasse am Marktplatz gezogen ist, musste sich der Möbelwagen durch den Festzug drängen. „Meine Patentante hat mich dann mit auf Lolls genommen, sie ist schuld, dass ich mit dem Lollsfieber infiziert bin“, sagt Krolzig lachend. Seiner großen Liebe ist er treu geblieben. Seit über 25 Jahren geht es deshalb bei im rund – in ganz Europa.

Schon als kleiner Junge stromert er stundenlang durch die Budengassen des Lullusfests, später hat er seinen ersten Job in der Geisterbahn. Das ganze Jahr über hält er Kontakt zu seinen Schaustellerfreunden, sammelt ihre Briefe aus aller Welt. „Da sind Freundschaften entstanden, die sind stabil – trotz des unsteten Schaustellerlebens.“ In seiner Freizeit reist er von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. „Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten“, hat Krolzig dabei gelernt. „Auf der Kirmes ist immer besonders viel Licht – das hat mich fasziniert.“

Wahrzeichen auf Zeit: Das Giant Wheel International steht zurzeit in Stettin.  

Immer wieder jobbt er bei Schaustellerbetrieben, so entsteht der Kontakt zur Familie Bruch, die mit ihrem „Bellevue“-Riesenrad jahrelang Dauergast auf dem Lullusfest waren. Obwohl die Schaustellerbranche meist familiär geprägt ist und kaum Leute von außen aufnimmt, gibt Familie Bruch Richard Krolzig eine feste Anstellung: Seither „dreht er am Rad“, kümmert sich um den Aufbau, um Bewerbungen für neue Standplätze, hält den Kontakt zur Presse, macht Marketing – und sitzt auch immer wieder selbst an der Kasse. So wächst er immer mehr in eine Branche hinein, die sich wandelt.

Als im vergangenen Jahr die Familie Bruch kurzerhand das festgeplante Engagement beim Lullusfest absagt, kommt es zur Trennung. „Das war moralisch ein No-Go, so geht man nicht mit Vertragspartnern um“, sagt Krolzig und man merkt, wie sehr es ihn schmerzt – denn das Lullusfest ist und bleibt für ihn Heimat, ein Anker in einem rastlosen Leben.

Ein Fachmann wie Krolzig findet schnell einen neuen Arbeitgeber – den Schaustellerbetrieb der Gebrüder Boos aus Magdeburg. Natürlich wieder mit einem Riesenrad. Zurzeit steht er mit dem brandneuen „Giant Wheel International“, einem 55 Meter hohen, 250 Tonnen schweren Riesenrad mit 42 Gondeln, das 4,5 Millionen Euro gekostet hat und auf 22 Tiefladern transportiert werden muss, am Stettiner Hafen in Polen. 

Riesenrad als "Wahrzeichen auf Zeit"

Drei Monate ist es dort bis Ende August als „Wahrzeichen auf Zeit“ stationiert, bevor es weiter zieht. „Ich freue mich, einem neuen Projekt eine Seele zu geben und ihm Leben einzuhauchen“, erzählt Krolzig beim Telefoninterview mit unserer Zeitung. Ähnlich wie das berühmte Prater-Rad oder das London-Eye werden Riesenräder immer mehr zu touristischen Attraktionen, fern ab vom Rummelplatz.

Krolzig hat in Stettin eine kleine Wohnung, sein Hauptwohnsitz ist in Essen, „aber dort bin ich höchstens vier Monate im Jahr – eigentlich lebe ich aus der Reisetasche“, erzählt er. Krolzig hat Freunde in ganz Europa – die Beneluxländer, vor allem auch Metz in Frankreich, sind ihm eine zweite Heimat. „Mein Sehnsuchtsort, mein Ruhepol, meine Basis ohne wenn und aber bleibt aber Bad Hersfeld“, sagt Krolzig, dessen Mutter am Kurpark lebt.

Natürlich hat Krolzig schon ein Zimmer gebucht für das Lullusfest. Er freut sich auf das Wiedesehen mit seinen Patenkindern, mit Freunden, Bekannten, Verwandten. „Das Heimatgefühl wird stärker, wenn man in der Fremde lebt“, sagt Krolzig. „Wenn das Lolls-Feuer brennt, freue ich mich wie ein Kind“. Nur noch 86 Tage, bis die Liebe seines Lebens neu entflammt!

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