Jobvergabe muss teilweise neu geregelt werden

Religionszugehörigkeit: Kirchen im Kreis reagieren auf Gerichtsurteil

Hersfeld-Rotenburg. Nach zwei Gerichtsurteilen müssen die konfessionellen Arbeitgeber im Landkreis zum Teil ihre Einstellungspraxis ändern.

Kirchen dürfen Religionszugehörigkeit nicht mehr generell zum Einstellungskriterium machen. Das haben das Bundesarbeitsgericht und der Europäische Gerichtshof (Eu-GH) entschieden. Für die konfessionellen Arbeitgeber im Kreis heißt das: Sie müssen zum Teil ihre Einstellungspraxis ändern.

Konsequenz des Urteils sei ein zusätzlicher Verwaltungsschritt, erklärt der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Hersfeld, Dr. Frank Hofmann. Bei jeder Ausschreibung müssen nun in einer Stellenbeschreibung definiert werden, warum die Religionszugehörigkeit für diese Tätigkeit notwendig ist. Keine Rolle spiele die Konfession beispielsweise bei „demjenigen, der den Schnee schiebt oder den Rasen mäht“. Für die religionspädagogische Arbeit sei sie hingegen unabdingbar. „Ich gehe davon aus, dass das auch für die Arbeit der Kindertagesstätten zutrifft“, sagt Hofmann. Der Dekan nimmt jedoch an, dass Einzelfälle in Zukunft verstärkt die Gerichte beschäftigen werden.

Zuständig für das Personalwesen in den evangelischen Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg ist das gemeinsame Kirchenkreisamt, zu dem im Juli 2005 die beiden bisherigen Rentämter Hersfeld und Rotenburg zusammengelegt wurden. Nicht überarbeitet worden seien bislang die Einstellungs-Richtlinien bei der katholischen Kirche, berichtet der Moderator des Pastoralverbundes St. Lullus Hersfeld-Rotenburg, Pfarrer Monsignore Bernhard Schiller. Einstellungsvoraussetzung sei die Konfessionszugehörigkeit in der Regel dann, wenn Verkündigung oder Seelsorge im Zentrum der Arbeit stehe. „In den Kindertagesstätten wird die Konfessionszugehörigkeit beachtet, da dort Werte vermittelt werden. Bei einem Hausmeister ist nicht relevant, ob er der Kirche oder sogar einer anderen Religion angehört“, verdeutlicht Schiller. Von Jan-Christoph Eisenberg und Nicole Demmer

Hintergrund: Religion muss gerechtfertigt sein

Mussten Gerichte in den vergangenen Jahren zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und dem Gleichbehandlungsgrundsatz entscheiden, so räumten sie kirchlichen Arbeitgebern oft einen großen Spielraum dabei ein, Stellen nur mit Bewerbern zu besetzen, die der betreffenden Kirche angehören. 

Bereits im April urteilte der Europäische Gerichtshof, dass die Religion nur dann eine Rolle spielen dürfe, wenn sie „eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung“ für eine Stelle ist. 

Im Oktober sprach das Bundesarbeitsgericht daraufhin einer konfessionslosen Sozialpädagogin Schadenersatz zu. Sie hatte sich bei einem christlichen Träger als Referentin beworben und war nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Die Stelle bekam ein Mitbewerber, der Kirchenmitglied ist. (nde)

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