Lungenkrebs ist eine Folge

Krebsgefahr durch Radon: Werte im Kreis Hersfeld-Rotenburg schwanken stark

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Radon ist eine der am meisten unterschätzten Gefahren. Die Konzentrationen im Boden und in Räumen sind lokal unterschiedlich. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg schwanken die Werte.

Das radioaktive Edelgas Radon, das man weder sehen noch riechen oder schmecken kann, kommt in unterschiedlich starken Konzentrationen fast überall vor und ist nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) für rund fünf Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland verantwortlich. Nach dem Rauchen ist das die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Radon entsteht im Boden als eine Folge des radioaktiven Zerfalls von natürlichem Uran, das im Erdreich in vielen Gesteinen vorkommt. Aus dem Untergrund von Gebäuden steigt Radon nach oben und gelangt auch in die Innenräume von Häusern, wo es sich anreichern kann. Im Freien verdünnt sich das Gas dagegen sehr schnell.

Die Radon-Konzentrationen im Boden, in der Luft und in Innenräumen sind lokal und regional unterschiedlich. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schwanken die Werte in der Bodenluft nach Angaben des Bundesamtes zwischen 6 Kilobequerel in Haunetal und 185,4 in Nentershausen.

„Die Radonkonzentration in einem konkreten Haus lässt sich jedoch nur mit einer Messung feststellen“, erklärt Anja Lutz, Pressesprecherin des BfS. Schon auf dem Nachbargrundstück könne die Situation eine andere sein. Auch von Haus zu Haus können bei gleicher Radon-Situation große Unterschiede bestehen, weil es von der Bauweise und der Bausubstanz abhängt, wie viel Radon in ein Gebäude eindringen kann. „Insbesondere in älteren Gebäuden und Räumen mit direktem Bodenkontakt können erhöhte Werte vorkommen,“ erklärt Lutz.

Das Problem: Bei Radon ist nicht die Höhe des Wertes entscheidend, sondern die Dauer des Einflusses auf den Körper. „Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist umso größer, je mehr Radon in der Atemluft ist und je länger der Zeitraum ist, in dem Radon eingeatmet wird“, erklärt die Sprecherin des Bundesamts. Deshalb ist vor allem die Konzentration in der Raumluft entscheidend.

Bei den auf der Landkarte (siehe gedruckte Zeitung) dargestellten Werten für die Bodenluft handelt es sich nur um eine Prognose, es gibt auch noch weiße Flecken. Um eine bessere Übersicht der Durchschnittskonzentration zu erhalten, soll eine vom Bundesamt initiierte Studie jetzt ein Jahr lang die Radon-Werte in 6000 Wohnungen messen. 

Fragen und Antworten zum Thema Radon:

Was ist Radon und wo kommt Radon überall vor? 

Beim radioaktiven Zerfall von Uran-238 in der Erde entsteht Radium, das wiederum zu Radon zerfällt. Je uranhaltiger der Boden sei, desto mehr Radon gibt es darin, erklärt eine Sprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Man kann Radon weder sehen, riechen noch schmecken. Es kommt überall auf der Welt vor. Der größte Teil der Strahlung, der die Bevölkerung aus natürlichen Strahlenquellen in Deutschland ausgesetzt ist, sei auf Radon zurückzuführen, so das BfS. 

Ist Radon für Menschen gefährlich? 

Ja. Radon und seine Zerfallsprodukte gelangen mit der Atemluft in den Körper. Während Radon selbst größtenteils wieder ausgeatmet wird, lagern sich die kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukte im Atemtrakt an und zerfallen dort vollständig. Dabei entsteht energiereiche Alphastrahlung, die auf strahlenempfindliche Zellen der Lungen trifft. Durch die Alphastrahlung kann es zu einer Schädigung der Zellen und schließlich zu einer Lungenkrebserkrankung kommen. 

Ab wann ist Radon für Menschen gefährlich? 

Die Dosis macht das Gift. Das Lungenkrebsrisiko steigt proportional zur Radonkonzentration in der Wohnung an, eine Verdopplung der Radonkonzentration verdoppelt auch das Risiko. Es gebe keinen Hinweis auf einen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon ungefährlich sei, so das Bundesamt für Strahlenschutz. Radon wird auch in der Medizin eingesetzt. Da müsse der Arzt sorgfältig abwägen, ob die Gefahr durch die Strahlenbelastung nicht größer sei als der medizinische Nutzen. Von Wellness-Anwendungen rät die Sprecherin des BfS jedoch ab. 

Wie kommt Radon in Häuser und Wohnungen? 

Radon sucht sich durch Poren, Spalten und Risse im Boden den Weg ins Freie und gelangt so auch in Gebäude. Alte Häuser sind häufiger betroffen als neue. Über Leitungsdurchführungen und undichte Stellen im Mauerwerk oder in der Bodenplatte im Kellerboden kommt Radon in die Häuser. Das Edelgas ist sehr beweglich und gelangt selbst durch kleinste Lücken. Grundsätzlich gilt: Je weiter ein Raum von der Erdoberfläche entfernt liegt, desto weniger Radon gelangt in der Regel dorthin. Aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit ist im Kreis Hersfeld-Rotenburg von Radonwerten in der Bodenluft zwischen 6 000 und 185 000 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter auszugehen. Die Bodenluft wird in einem Meter Tiefe unter der Erdoberfläche gemessen. In der Bodenluft sind Radonkonzentrationen in einem Bereich von weniger als 10 000 Bq/ m3 bis 100 000 Bq/m3 üblich, lokal können aber deutlich höhere Konzentrationen vorkommen. Vor allem in älteren Gebäude könnten durchaus erhöhte Radonwerte vorkommen, erklärte eine Sprecherin der Strahlenschutzbehörde: „Eine Messung kann hier mit geringem Aufwand Klarheit schaffen.“ 

Wie kann man sich vor dem radioaktiven Gas schützen? 

Einfachste Maßnahme im Kampf gegen Radon ist regelmäßiges Lüften. Dadurch sinkt der Radongehalt in der Raumluft. Kellertüren sollten abgedichtet werden, ebenso Bodenrisse und Rohrleitungen, die aus dem Keller kommen. 

Wie läuft eine Messung der Wohnung ab? 

Die Messung der Radonwerte in der eigenen Wohnung ist unkompliziert und sollte in den wichtigsten Aufenthaltsräumen erfolgen. Am einfachsten lässt sich Radon mit einem passiven Detektor, einen Kernspurdosimeter, messen. Passive Detektoren müssen lediglich ausgelegt werden und benötigen keinen Strom. Die Messung dauert in der Regel ein Jahr. Im Ergebnis bekommt man so einen Jahresmittelwert. Für einen schnellen Überblick (Momentaufnahme) sind laut BfS aktive Radon-Messgeräte besser geeignet.

Von Matthias Haass und Christine Zacharias

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